Montag, 16. Mai 2022

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Pussy Riot mit Aktionskunst bei WM-Finale
Guter Polizist, böser Polizist

Kurz vor Schluss ist es bei der Fußball-WM in Russland doch nochmal politisch geworden: Beim Finale liefen drei Frauen und ein Mann auf den Rasen - Flitzer verkleidet als russische Polizisten. Die Polit-Punk-Gruppe Pussy Riot bekannte sich zu dieser Aktion für politische Freiheit.

Uli Hufen im Gespräch mit Michael Köhler | 16.07.2018

Eine Sicherheitskraft versucht einen weiblichen Flitzer auf dem Spielfeld zu fassen.
Pussy Riot bekennt sich zur Flitzeraktion im WM-Finale. (dpa)
"Der Polizist kommt ins Spiel" hat die kreml-kritische Punk-Gruppe Pussy Riot ihre Aktion während des Fußball-WM-Finales genannt. Diesmal trat die Gruppe nicht mit schrillem Punk an die Öffentlichkeit, sondern als winkende Polizisten.
In ihrer Mitteilung erklärten die Aktivisten, mit ihrem Auftritt wollten sie den "himmlischen (guten) Polizisten" die "irdischen (bösen) Polizisten" gegenüberstellen.
Freilassung politischer Gefangener
Damit prangerte Pussy Riot an, was die russischen Behörden und WM-Organisatoren als großen Erfolg feierten. Sie spielten an auf den lockeren Umgang der Polizei mit feiernden Fans, während bei politischen Protesten in Russland immer wieder Menschen festgenommen werden.
Die Aktion, bei der die bekanntesten Mitglieder von Pussy Riot fehlten, richtete sich gegen Polizei-Willkür, illegale Verhaftungen bei Demonstrationen und Verurteilungen wegen Social Media Posts. Auch forderten die Aktivisten die Freilassung politischer Gefangener.
Die Aktivisten widmeten ihre Performance dem russischen Künstlers Dmitrij Prigow, dessen Gedichtzyklen über den Milizionär und die Küchenschabe zu den bekanntesten Texten des ehemaligen russischen Undergrounds zählen. Auch machte Prigow sich durch Performances rund um einen Milizionär einen Namen. Vor elf Jahren ist der Künstler gestorben.
Harte Strafe unwahrscheinlich
Zwar läuft eine Untersuchung zur Flitzer-Aktion, aber eine harte Bestrafung der vier Aktivisten gilt als unwahrscheinlich. Allerdings hat Pussy Riot ein Video veröffentlicht, in dem ein alter Polizist erklärt: "Manchmal bedaure ich, dass wir nicht 1937 haben." 1937 war die Zeit des sogenannten Großen Terrors unter Sowjetdiktator Josef Stalin.
Von der WM in Russland wird ein Bild des Landes bleiben, das sich nicht auf den russischen Präsidenten Putin beschränkt. Viele Menschen haben gesehen, wie sehr sich etwa Moskau in den vergangenen Jahren verändert hat.
Neben der perfekt inszenierten Show wird die WM in Russland auch von kritischen Journalisten als Rahmen für Begegnungen mit Menschen aus aller Welt gelobt. Es habe eine unglaubliche Stimmung geherrscht und viel, was in Russland sonst nicht erlaubt ist, sei auf einmal möglich gewesen.