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Putin in Frankreich
"Ich bin immer gesprächsbereit"

Der russische Präsident Wladimir Putin gibt sich vor seinem Besuch in Frankreich anlässlich der Feiern zur Landung der Alliierten vor 70 Jahren in der Normandie demonstrativ gelassen – auch was seine Beziehungen zu US-Präsident Barack Obama angeht. "Wir telefonieren ja regelmäßig", sagt Putin.

Von Ursula Welter | 05.06.2014
    Russlands Premier Putin und US-Präsident Obama 2012 beim G20-Gipfel in Mexiko.
    Reden Wladimir Putin und Barack Obama miteinander oder nicht? (dpa/ei Nikolsky/Ria Novosti/Krem)
    Gut, dass der französische Wortschatz zwei Vokabeln kennt für das Abendessen. So konnten die Diplomaten dem französischen Staatspräsidenten zunächst ein Dîner mit Barack Obama in den Kalender schreiben. Francois Hollande wird mit dem US-Präsidenten um 19 Uhr in einem Pariser Restaurant speisen. Und zwei Stunden später, dann im Élysée-Palast, ein Souper mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin.
    Hollande, sagen seine Berater, sehe sich dabei eher in der Rolle des Balancekünstlers, nicht in der eines konkreten Vermittlers. Dennoch gibt es Erwartungen. Die Erwartung etwa, die auch in Berlin und nach dem G7-Treffen gestern in Brüssel geäußert wurde, die Erwartung, dass der russische Präsident dem ukrainischen Präsidenten, Petro Poroschenko nicht aus dem Weg geht, dass eine Geste der Anerkennung des neugewählten ukrainischen Präsidenten durch Russland gelingt.
    "Ich habe Poroschenko zu den Landungsfeierlichkeiten in der Normandie eingeladen, um den Dialog zu vereinfachen", sagte Frankreichs Staatspräsident.
    Während die G7 Staaten gestern tagten und an Wladimir Putin konkrete Forderungen und die Androhung neuer Sanktionen sendeten, äußerte sich dieser im französischen Fernsehen.
    Zufrieden zunächst, dass er zu den Landungsfeierlichkeiten in die Normandie eingeladen wurde. Er werde dort niemandem aus dem Weg gehen, sagte Putin auf die Anwesenheit Poroschenkos und Obamas angesprochen.
    "Ich denke, dass Herr Poroschenko tatsächlich eine Möglichkeit hat, er hat seine Hände noch nicht mit Blut beschmutzt, er kann die Unterdrückung stoppen und den Dialog mit der Bevölkerung im Süden und Osten des Landes aufnehmen", forderte Putin an die Adresse Poroschenkos.
    Und der Dialog mit dem US-Präsidenten?
    "Was unsere Beziehungen zu Obama betrifft, ich habe keinen Anlass zu denken, dass er mit dem russischen Präsidenten nicht sprechen will, ich bin immer gesprächsbereit und übrigens telefonieren wir ja auch regelmäßig."
    In jedem Fall werden Obama und Putin morgen Mittag im Schloss Bénouville an einem Tisch sitzen, wenn die zur Zeremonie geladenen Staats- und Regierungschefs gemeinsam speisen, aber weder morgen in der Normandie, noch heute Abend in Paris ist ein bilaterales Treffen Putins mit Obama ausdrücklich geplant. Die US-Diplomaten verweisen bislang lakonisch darauf, dass ihr Präsident aus Anlass der 70-Jahr-Feiern zur Landung der Alliierten nach Frankreich komme.
    Die Berater des französischen Präsidenten meinen deshalb, schon ein Händedruck Putins und Obamas auf dem Familienfoto sei hilfreich, wichtiger sei, dass der russische Präsident dem ukrainischen Präsidenten ein Wort gönne, um ihn auf diese Weise als gewählte Instanz anzuerkennen.
    Deutlich weniger diplomatische Verwicklungen kommen auf den französischen Staatspräsidenten zu, wenn er - bevor Wladimir Putin und Barack Obama in Paris eintreffen - die Queen zur offiziellen Staatsvisite begrüßt. Elizabeth II. ist Ehrengast bei den Landungsfeierlichkeiten in der Normandie, sie spricht Französisch und kommt, wie es in London heißt, als Freundin Frankreichs.
    Auf das glatte diplomatische Parkett schickt die Queen in der angespannten Weltlage ihren Premierminister. David Cameron wird heute in Paris mit dem russischen Präsidenten sprechen, bevor morgen dann alle in die Normandie fahren, auch Angela Merkel, die ihrerseits einen Gesprächstermin mit Wladimir Putin bereits fest im Kalender notiert hat- im Schloss Bénouville, am Rande des Mittagessens.