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Radionacht JazzWiderstand und Glaube

Der „Spiritual Jazz“ ist heute wieder so aktuell wie vor 50 Jahren. Dazu trägt auch das neue Interesse von DJs und Hip-Hoppern wie Flying Lotus bei. Aber die Wurzeln des Stiles reichen zurück in die Entstehungszeit afro-amerikanischer Musik. Eine Sendung über den Sound von Religion und Rebellion - von den Anfängen bis zur Gegenwart.

Am Mikrofon: Jan Tengeler | 19.09.2020

Ein junger Mann mit Stirnband bläst im Lichtkegel eines Scheinwerfers Tenorsaxofon. Er trägt eine Goldkette und dunkle Weste auf nacktem Oberkörper und hat muskulöse Oberarme.
Er verarbeitet in seiner oft ekstatischen Musik auch die Einflüsse aktueller Londoner Klub-Kultur: Shabaka Hutchings (imago/Carlo Vergani)
Die Artikulation politischen Freiheitsstrebens, religiöse Hingabe und kulturelle Selbstvergewisserung – dafür steht das Schlagwort vom "Spiritual Jazz". Er entstand in den 1960er Jahren, beeinflusst auch vom Kampf der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung Es laufen darin Linien zusammen, die sich durch die ganze Jazzgeschichte ziehen. Musikalisch kennzeichnet den "Spiritual Jazz" eine Vorliebe für modale Formen, die Beschäftigung mit ethnischen Traditionen und später auch die Offenheit für eingängige Strukturen. Dafür stehen Namen wie Pharoah Sanders oder Gary Bartz. Der Saxofonist feiert am 26. September seinen 80. Geburtstag und tat sich erst kürzlich mit einer jungen Londoner Dancefloor-Jazz-Band zusammen. Nur eines von vielen Zeichen dafür, wie lebendig die Tradition des Spiritual Jazz heute wieder ist. Die Radionacht bringt Musik von Idris Ackamoor, Shabaka Hutchings, Makaya McCraven, Matthew Halsall, Kamasi Washington und vielen anderen.