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StartseiteUmwelt und VerbraucherKeime töten und Dämonen vertreiben28.12.2018

Räuchern in den RaunächtenKeime töten und Dämonen vertreiben

Harz, Wurzeln oder Kräuter: Rauchwerk kann entspannen, desinfizieren und gut riechen. Früher wollte man mit dem Räuchern auch Dämonen vertreiben – die Nächte rund um den Jahreswechsel heißen auch deswegen Raunächte. Das Räuchern als Tradition besteht noch heute.

Von Anke Petermann

Räucher-Utensilien: weißer Mörser, blaue Räucherschale mit Kohle-Tablette und Quarzsand, Stövchen mit Metallsieb, kleine Schale mit Kräutermischung auf Silberfolie (Deutschlandradio/Anke Petermann)
Zum Räuchern braucht es allerhand Utensilien: Mörser, Räucherschale und Stövchen (Deutschlandradio/Anke Petermann)
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Der Duft des Himmels Geschichten vom Weihrauch

Das berühmteste Rauchwerk trägt die Heiligkeit schon im Namen. Das erfahren die 16 Seminarteilnehmer beim Ausflug in den Pfälzerwald. "Der Weihrauch ist ein ganz kostbares Harz", erläutert Heidrun Johner-Allmoslöchner: geerntet im Oman, im Jemen und in Syrien. Geschätzt für seine desinfizierende Wirkung schon von den alten Ägyptern und auch in den Kirchen nicht nur zum Lob Gottes verräuchert, "sondern eben auch, weil er keimtötend ist. Wir denken jetzt gerade in der Winterzeit an die ganzen erkälteten, an die ganzen erkrankten Menschen, die dann husten und schnupfen. Und der Weihrauch desinfiziert die Raumluft."

Auf der Suche nach lockerem Harz

Zitronig-frisch duftet er, wenn er richtig geerntet, nicht mit Farbe besprüht und nicht zusätzlich aromatisiert wird. Weihrauch ist kostbar und kommt von weit her. Mit ein paar Schritten in den Wald ist die einheimische Variante gratis zu haben. Hanna Glass schaut auf die gelblichen Schlieren an einem Baumstamm und dann in die Tüte, die sie schon mit bläulich-weißen Krümeln gefüllt hat. "Tannenharz und was ist das? Fichte." Das Harz mit dem Taschenmesser zu bearbeiten, ist tabu: "Nee, ich wackle nur kurz, und wenn's abgeht, nehm' ich 's." Sonst nicht, da ist sie sich mit ihrer Schwester Lisa einig.

Ausflug in den Pfälzerwald bei Johanniskreuz: Hanna Glass nimmt Harz von einer Kiefer - nur was nach kurzem Wackeln abgeht, nimmt sie in der Papiertüte (Deutschlandradio/Anke Petermann)Ausflug in den Pfälzerwald bei Johanniskreuz: Hanna Glass nimmt Harz von einer Kiefer - nur was nach kurzem Wackeln abgeht, nimmt sie in der Papiertüte (Deutschlandradio/Anke Petermann)

Als nächstes fassen die beiden eine Kiefer und noch Fichte ins Auge, mit weißlichen Schlieren. "Manche gehen, manche gehen nicht." – "Manche sind halt schon so trocken." – "Ich glaube, je trockener, desto besser lässt sich's räuchern." "Das ist echt toll hier!" - "Mega!" Einen Klumpen haben die Schwestern entdeckt, Daumennagel groß. "Das ist ja hier schon krass!" - "Das dicke?" - "Ja, so orange!" Bernsteinfarben-transparent. Nach einer halben Stunde haben die 16 Seminarteilnehmer ihre Papiertütchen mit verschiedenen Harzen gefüllt. Patricia Schäfer ist gespannt, welches am besten gegen ihre Erkältung wirkt: "Genau, ich werd' s ausprobieren, und dann kann ich berichten."

Harz, Kräuter und Wurzeln können bunt gemischt werden beim Räuchern

Im Haus der Nachhaltigkeit hat die Seminarleiterin schon bereitgestellt, was noch zum Verräuchern nötig ist: verschiedenste getrocknete Kräuter lose in Schalen. "Darf man alles mischen, wie man gerade möchte - oder gibt es irgendwas, was sich nicht verträgt miteinander?" "Also, ich mische immer munter drauf los", bis zu neun Bestandteile, antwortet Heidrun Johner-Allmoslöchner auf die Frage von Sabine El Hadad. Zum Rauchwerk gehören auch Wurzeln, wie etwa die der Garten-Angelika, auch Engelwurz genannt.

"Sie riecht so ein bisschen nach Sellerie, wenn man sie verräuchert." Und wirkt angstlösend, weshalb sie sogar in der Hospizarbeit eingesetzt wird. "Spannungsabbau ist immer gut", sagt Hanna Glass und nimmt eine getrocknete Königskerzen-Blüte. "Das ist Johanniskraut für das Licht, Rose für Versöhnung und Verbindung." Harze, Wurzeln und Kräuter gut klein mörsern, rät die Seminarleiterin, "denn je größer die Oberfläche ist, desto leichter können die Duftmoleküle aus den Pflanzenzellen austreten. Dann nehmen wir jetzt einfach das Stövchen..." mit Teelicht und Metallsieb samt ein wenig Alufolie oder Sand oben drauf fürs Rauchwerk. Johner-Allmoslöchner fächelt den zarten Rauch mit einer Feder zu den Umsitzenden.

"So, und da können wir jetzt einfach mal n bisschen schnüffeln. Kommt das an?" Sabine El Hadad schließt die Augen, atmet durch. "Ja, so langsam." - "Auf dem Stövchen ist es immer sehr viel sanfter als auf der Kohle." Denn so eine Kohle-Tablette auf Quarzsand in einer feuerfesten Schale raucht viel stärker. Wer aber nicht nur guten Duft und Entspannung erzeugen, sondern Keime töten oder vielleicht sogar Dämonen vertreiben will, der sollte sich genau dafür entscheiden: fürs intensive Ausräuchern.

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