Montag, 16. Mai 2022

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"Garnisonkirche steht für unheilige Allianz"

Auf dem Kirchentag ist auch der Wiederaufbau der Garnisonkirche in Potsdam Thema. Nicht nur wegen des "Tages von Potsdam" sei die Kirche problematisch, sagte Architekturtheoretiker Philipp Oswalt im Dlf. Die Kirche sei auch der „rechtsradikale Identifikationsort während der Weimarer Republik“ gewesen.

Philipp Oswalt im Gespräch mit Anja Reinhardt | 20.06.2019

Potsdam, Hindenburg, Hitler in der Garnisonkirche, 21. März 1933 Potsdam
Hindenburg und Hitler in der Garnisonkirche, 21 März 1933 (imago images / Arkivi)
Um den Wiederaufbau der Garnisonkirche in Potsdam, die 1945 ausbrannte und 1968 gesprengt wurde, gibt es immer wieder Streit und öffentliche Debatten - in rechtsradikalen Kreisen gilt die Kirche als Prestigeprojekt. Auch auf dem Mittwochabend eröffneten Evangelischen Kirchentag ist der Wiederaufbau Thema. Die Martin-Niemöller-Stiftung sucht dort Unterzeichner für ihre Resolution "Christen brauchen keine Garnisonkirche".
Die Aufregung beziehe sich aber nicht nur auf den sogenannten "Tag von Potsdam", berichtet Architekturtheoretiker Philipp Oswalt im Dlf. Am 21. März 1933 hatten Hitler und Reichspräsident Hindenburg in der Garnisonkirche den Reichstag eröffnet.
Kolonialkriege gefeiert
Von Anfang an stehe die Garnisonkirche "für die unheilige Allianz von Kirche, Staat und Militär", so Oswalt. Die Kolonialkriege seien dort gefeiert worden, unter anderem seien die Soldaten, die den Völkermord in Afrika vollzogen, dort gesegnet worden.
Sie sei außerdem der "rechtsradikale Identifikationsort während der Weimarer Republik" gewesen; rechtsradikale, republikfeindliche Kräfte hätten sich dort offiziell getroffen. "Das ist eigentlich, was das Problem dieser Kirche ausmacht", so Oswalt. "Und was die Wiederaufbaubefürworter überhaupt nicht reflektieren, auch nicht thematisieren. Sie stellen die Kirche als Opfer dar."
Fehlende Spendengelder
Spendengelder für den Wiederaufbau seien aber bisher nur sehr wenig geflossen. "Der Wiederaufbau ist noch nicht ausfinanziert." Die Stiftung Garnisonkirche habe nur Geld für den Rohbau, für die Schmuckelemente fehle noch die Finanzierung.
Die Stifung für die Garnisonkirche gebe keine Auskünfte, wie sie sich finanziert und woher die Gelder kommen, sagte Oswalt. Das halte er für sehr problematisch, da es unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten, mit Bundesgeldern, also erheblichen Steuergeldern, 12,5 Millionen finanziert werde.