Donnerstag, 30. Juni 2022

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Rechtes Kabarett
Von Konzertlagern, guten Atombomben und feindlichen Bananenschalen

Nach verbreiteter Auffassung ist politisches Kabarett automatisch links und hat rechte Positionen zu verlachen. Gibt es also kein rechtes Kabarett?

Von Stephan Göritz | 30.11.2016

Der österreichische Kabarettist Werner Schneyder
Der österreichische Kabarettist Werner Schneyder sieht im Karneval eine Hochburg rechter Unterhaltung. (picture alliance/dpa/Michael Reichel)
Im Ersten Weltkrieg singt der Schmunzelkabarettist Otto Reutter der deutschen Rüstungsindustrie Loblieder. Bei der Machtübergabe an die Nationalsozialisten verspottet der Münchner Komiker Weiß Ferdl differenzierten Journalismus als "verwirrend" und fordert eine "gleichgeschaltete" Presse.
Der Conférencier Kurt Wallner verharmlost 1938 Konzentrationslager als "Konzertlager". Die Insulaner, die Funkkabarettisten des Westberliner RIAS, attackieren in den Nachkriegsjahren die Nuklearrüstung der Sowjetunion, streiten aber die von US-Atomwaffen ausgehende Gefahr ab.
Heute sieht der Satiriker Werner Schneyder eine Hochburg rechter Unterhaltung im Karneval, wenn in der Bütt unreflektiert verunglimpft wird. Fehlende Analyse prägt auch viele Internetvideos, die die Krisen der Gegenwart auf simple Gags verengen.
Da ist es beinahe nachvollziehbar, wenn die Schweizer Slampoetin Hazel Brugger ihr Publikum mit dem Eingeständnis schockt, sie würde manchmal davon träumen, eine rechte Kabarettistin zu sein. Dann könne sie bei jeder Bananenschale, auf der sie ausrutscht, auf Afrika schimpfen und alles, was sie weder kennt noch versteht, einfach hassen.