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StartseiteForschung aktuellDie Schweiz - ein Forscherparadies in Gefahr12.02.2015

Referendum "Gegen Masseneinwanderung"Die Schweiz - ein Forscherparadies in Gefahr

Genau zehn Jahre lang war die Schweiz assoziiertes Mitglied bei den Forschungsrahmenprogrammen der EU. Eine Erfolgsgeschichte, die vor etwas über einem Jahr abrupt gebremst wurde. Denn am 9. Februar 2014 haben die Schweizer Bürger in einer Volksabstimmung mit knapper Mehrheit die Masseneinwanderungsinitiative angenommen. Diese soll die Einwanderung von ausländischen Arbeitskräften begrenzen und steht in krassem Gegensatz zur Personenfreizügigkeit der EU.

Von Sabine Goldhahn (Beitrag) und Ralf Krauter (Interview)

Symbolbild zum Referendum in der Schweiz zur Begrenzung der Zuwanderung (imago / Ralph Peters)
Das Referendum "Gegen Masseneinwanderung" in der Schweiz hat die Beziehungen zur EU belastet (imago / Ralph Peters)
Weiterführende Information

Europawahl - Mit Matterhorn gegen "Masseneinwanderung"
(Deutschlandfunk, Europa heute, 12.05.2014)

Votum zur "Masseneinwanderung" - EU stoppt Verhandlungen mit der Schweiz
(Deutschlandfunk, Aktuell, 17.02.2014)

Die Folge: Auch die bilateralen Verträge sind in Gefahr. Die sind für Forscher in der Schweiz wichtig, um gleichberechtigt an dem europäischen Forschungsprogramm Horizon 2020 teilzunehmen. Doch mit Annahme der Initiative war genau das nicht mehr möglich. Seitdem herrscht große Unsicherheit bei den Forschern, trotz einiger Übergangslösungen, die den grössten Schaden abwenden sollen.

Nach der Annahme der Initiative gegen Masseneinwanderung in der Schweiz reagierte die EU sofort. Sie legte die Beteiligung der Schweiz am EU-Forschungsrahmenprogramm Horizon 2020 auf Eis. Schon zwei Wochen später durften sich Forscher aus der Schweiz nicht mehr für die begehrten Stipendien des Europäischen Forschungsrates ERC bewerben. Das war bitter, denn bis dahin war die Bilanz positiv für den Forschungsstandort Schweiz. Schweizer Forscher bekamen über Jahre hinweg mehr Geld aus Brüssel als ihre Regierung dort einzahlte.

Notfallprogramm für Stipendiaten

Um weiterhin an der Weltspitze mithalten zu können, startete die Regierung ein Notfallprogramm als Ersatz für die verpassten ERC-Stipendien. Fortan mussten sich die Forscher nicht mehr bei der EU, sondern beim Schweizer Nationalfonds bewerben. 94 Millionen Franken stellte der Bund für diese sogenannten Temporary Backup Schemes bereit. Davon entfallen rund 40 Millionen Franken auf 27 Stipendien für Jungforscher und auf 21 Stipendien für Forscher mit mehr Erfahrung. Diese Maßnahmen helfen zwar weiter, doch können sie nicht das Renommee ersetzen, das mit einen ERC-Stipendium der EU verbunden ist.

Etwas Erleichterung brachte erst der 15. September. Seitdem kann die Schweiz wieder als assoziierter Staat gleichberechtigt am Forschungsprogramm Horizon 2020 teilnehmen. Die Sache hat nur einen Haken: Der Status "assoziierter Staat" gilt nur bis Ende 2016 und nur für eine der drei Säulen des Programms - die Spitzenforschung. Darunter fallen zwar auch die ERC-Stipendien, doch bleibt es in anderen Programmbereichen schwierig. Dort bleibt die Schweiz Drittland. Konkret: Forscher aus der Schweiz dürfen zwar an europäischen Verbundprojekten mitmachen und diese auch koordinieren, erhalten jedoch keine EU-Gelder. Die Finanzierung kommt direkt aus der Schweiz.

Die Unsicherheit bleibt. Denn je nach Umsetzung des Volksentscheids droht 2017 wiederum eine komplette Rückstufung auf Drittlandstatus. Der direkte Zugang zu Fördermitteln aus Brüssel wäre Forschern aus der Schweiz damit erneut verwehrt.

Hürdenlauf für Spitzenforscher

Der Quantenphysiker Patrick Maletinsky arbeitet in der Schweiz: Als Experte für Nanosensorik kann er mit Mitte 30 schon auf eine Bilderbuchkarriere zurückblicken. Promotion an der ETH Zürich, Postdoc in Harvard, seit 2012 Professor an der Uni Basel. Doch eines der begehrten Start-Stipendien des Europäischen Forschungsrates blieb ihm zunächst verwehrt. Denn die Folgen des Volksentscheids machten ihm in dieser Hinsicht einen Strich durch die Rechnung, wie er im Gespräch mit Ralf Krauter erzählt.

Das vollständige Interview können Sie für mindestens fünf Monate nach der Sendung in unserem Audio-on-Demand-Angebot nachhören.

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