Dienstag, 14.08.2018
 
Seit 15:35 Uhr @mediasres
StartseiteCampus & KarriereWesterfellhaus: Es geht um eine sichere Patientenversorgung13.06.2018

Reform der PflegeausbildungWesterfellhaus: Es geht um eine sichere Patientenversorgung

Den Kabinettsbeschluss zur Reform der Pflegeausbildung hat Andreas Westerfellhaus, Pflegebevollmächtigter der Bundesregierung, begrüßt. Um die Pflegekräfte aller Sektoren gut auf den Beruf vorzubereiten, müsse qualifizierte Theorie mit praktischer Ausbildung verknüpft werden, sagte er im Dlf.

Andreas Westerfellhaus im Gespräch mit Jörg Biesler

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Pflegerische Betreuung eines Patienten (dpa)
Die Leistung, die von Pflegefachkräften erwartet wird, "braucht eine stabile, klare, qualifizierte, theoretische Grundlage", sagte der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus, im Dlf (dpa)
  • E-Mail
  • Teilen
  • Tweet
  • Drucken
  • Podcast
Mehr zum Thema

Pflegereform Die Pflegeversicherung soll teurer werden

Streitgespräch über Reform der Pflegeausbildung "Wir brauchen eine Möglichkeit der Akademisierung"

Jörg Biesler: Lange wurde gerungen um eine Reform der Pflegeausbildung. Die soll einheitlicher werden, um Pflegekräfte flexibler einsetzen zu können. Vor allem aber soll sie Pflegeberufe attraktiver machen, denn Pflegerinnen und Pfleger fehlen derzeit. Heute hat das Bundeskabinett die Reform verabschiedet und am Telefon ist jetzt der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus, zuvor Präsident des Deutschen Pflegerates, und der war keineswegs stets einer Meinung in der Vergangenheit mit der Bundesregierung. Guten Tag, Herr Westerfellhaus!

Andreas Westerfellhaus: Guten Tag, Herr Biesler!

Biesler: Wie steht es denn nach dem Kabinettsbeschluss? Können die Ziele Flexibilität und Attraktivität erreicht werden?

Westerfellhaus: Ich denke, wenn ich das vorausschicken darf, erst mal bin ich jetzt sehr froh, dass wir den Kabinettsbeschluss haben, denn das ist jetzt erst mal die Garantie, dass wir schnellstmöglich jetzt das erreichen können, dass in Deutschland Klarheit ist für Träger von Ausbildungseinrichtungen, für Schulen und für zukünftige potenzielle Auszubildende, welchen Weg wir in Deutschland gehen. Und da ist die Ausbildungs- und Prüfungsverordnung und die Verabschiedung jetzt im Kabinett der Entscheidungspunkt, auf den wir sehr lange gewartet haben, weil schon im Jahr 2020 soll die Umsetzung beginnen und die Zeit rennt.

"So viel Theorie, wie notwendig ist"

Biesler: Ja, lange gewartet haben Sie auch deswegen, weil es viel zu verhandeln gab zwischen den Pflegearbeitgebern, den Pflegearbeitnehmern und dem, was die Bundesregierung sich da so vorstellt, um auch die Ziele zu erreichen, die ja gerade genannt worden sind. Zum Beispiel war umstritten, wie viel Theoriegehalt es geben sollte. Die Pflegearbeitgeber haben befürchtet, dass durch zu viel Theorie mancher, der sich vielleicht interessieren könnte für das Berufsbild, abgeschreckt werde. Wie viel Theorie wird es denn jetzt geben?

Westerfellhaus: Na ja, so viel Theorie, um es pauschal zu sagen, wie einfach notwendig ist. Ich verstehe keine Abschreckung oder habe kein Verständnis für eine Abschreckung vor zu viel Theorie. Wissen Sie, es geht doch am Ende um eins: Es geht darum, eine hochqualifizierte Ausbildung mit dem Auftrag, eine sichere Patientenversorgung abzubilden und dann auch auf den Weg zu bringen. Diese komplexe Leistung, die von Menschen in der Pflege als zukünftige Pflegefachkräfte in den unterschiedlichen Sektoren - der Versorgung alter Menschen, junger Menschen, von Kindern und so weiter und so fort - erwartet wird, die braucht eine stabile, klare, qualifizierte, theoretische Grundlage. Und die muss verknüpft werden - wie übrigens in der Vergangenheit auch - mit einer sehr guten praktischen Ausbildung, die diese begleiten muss und sicherstellen muss, dass man auf diesen Beruf dann, wenn ich letztendlich ihn durchführe und aufnehme, dann gut vorbereitet ist.

"Das, was gut läuft, gilt es einzubinden"

Biesler: Eine zweijährige, einheitliche Ausbildung für Pflegekräfte ist jetzt geplant und darauf aufsetzend dann möglicherweise noch ein Spezialisierungsbereich für die Pflege älterer Menschen oder die Pflege von Kindern. Das Konzept muss an den Pflegeschulen umgesetzt werden, da muss jetzt erst mal jemand anfangen, sich zu überlegen, wie man das machen kann, oder?

Westerfellhaus: Das ist sicherlich richtig, wir haben ja als nächsten Schritt, nachdem übrigens auch noch die Rechtsverordnung zur Finanzierung ja verabschiedet werden muss, dann die Herausforderung, auch im Rahmen einer Arbeit einer Fachkommission die Rahmenlehrpläne zu entwickeln, Curricula müssen dann entwickelt werden, die Länder haben noch ein wichtiges Mitspracherecht. Und die Schulen müssen in die Gestaltung eingehen - aber wissen Sie, ich glaube, die Schulen in Deutschland, die Ausbildungsstätten sind darauf vorbereitet, sie brauchten jetzt endgültig die Sicherheit, was ist der Inhalt, das ist das eine Wichtige. Und wir haben ja bereits Modelle, die schon seit Jahren auch generalistisch qualifizieren mit viel, viel Erfahrung und die werden wir einfach nutzen müssen, denn das, was gut läuft und wo man gute Erfahrung hat, gilt es auch einzubinden.

"Die Abschaffung des Schulgeldes war absolut überfällig"

Biesler: Die Kosten haben Sie gerade angesprochen. Gute Nachricht für diejenigen, die sich für eine Pflegeausbildung interessieren: Ein Schulgeld soll es künftig nicht mehr geben, das im Augenblick in manchen Bundesländern noch erhoben wird. Das heißt ja aber gleichzeitig auch, dass Geld für die Pflegeschulen fehlt, nicht mehr da ist. Das zahlt der Bund?

Westerfellhaus: Na ja, also, das eine ist richtig, ich muss es ausdrücklich begrüßen, die Abschaffung des Schuldgeldes, was ja den Altenpflegebereich vor allen Dingen betraf, war absolut überfällig. Ich denke, die Gesellschaft braucht gut qualifizierte Pflegekräfte, dann ist es auch eine Aufgabe, genauso wie im Übrigen vorher schon in der Gesundheits- und Krankenpflege und Kinderkrankenpflege, dass hier kein Schuldgeld gezahlt wird, sondern auch gleich abgesicherte Ausbildungsvergütungen zur Verfügung gestellt werden, das ist das eine. Finanziert werden soll aus den Töpfen aller bisher beteiligten Kostenträger - von den Krankenkassen, von der Pflegeversicherung, aus Steuermitteln und so weiter und so fort. Dieses Geld …

Biesler:: Es geht um 322 Millionen, habe ich gelesen.

Westerfellhaus: Das ist richtig, so ungefähr um diesen Bereich geht es dann. Und dieses Geld wird in einen Fonds dann eingezahlt in den Ländern und aus diesem Fonds direkt werden die Ausbildungsstätten dann finanziert. Und da muss man natürlich gucken - wir brauchen hochmoderne Ausbildungsstätten, gut ausgestattet, mit qualifiziertem Lehrpersonal und sachlich ausgestattet -, ob das am Ende reicht.

"Eine hochqualifizierte Ausbildung braucht eine vernünftige finanzielle Ausstattung"

Biesler: Ob es reicht in dem Maße, in dem sich die von Ihnen genannten Beteiligten beteiligen wollen?

Westerfellhaus: Wissen Sie, es ist ja so, man kann spekulieren darüber, ob die Höhe der von Ihnen genannten Summe, ob das dann letztendlich zur Verfügung steht, ob ein Fonds der richtige Weg ist. Am Ende muss klar sein, ist das, was der einzelne Ausbildungsplatz in den Schulen kostet, ob das auch ausreicht für die Schulen, um eine qualifizierte Ausbildung sicherzustellen. Es gibt da viele Erfahrungswerte, wir müssen uns jetzt auf den Weg machen. Ich glaube, natürlich besteht auf der einen Seite die Anforderung auch unter betriebswirtschaftlichen Aspekten die Ausbildung anzusetzen. Aber ich sage noch mal: Eine hochqualifizierte Ausbildung braucht auch eine vernünftige finanzielle Ausstattung. Aber ich bin jetzt nicht derjenige, der von vorneherein sagt, das werden wir nicht haben, sondern wir werden das jetzt anschauen, wir werden das jetzt ausgestalten. Und wir müssen natürlich auch Schulen und Trägerschaften darin beraten, wie geht das möglicherweise auch in welchen Organisationsformen.

Bachelor-Qualifikation neben dem Berufsabschluss

Biesler: Eine Neuigkeit ist auch das Pflegestudium. Das soll vom Modellprojekt - da gab es das schon - zum Regelfall werden. Und für welche Berufsfelder könnte ein solches Studium qualifizieren?

Westerfellhaus: Na ja, für das Berufsfeld Pflege soll es in erster Linie dann gelten. Also als Angebot an alle, die wollen und die können, gleichzeitig neben dem Berufsabschluss eben auch eine Bachelor-Qualifikation in einem primär qualifizierenden Studiengang aufzunehmen. Wir haben schon in der Vergangenheit über die Modellstudiengänge erfahren, dass es durchaus ein hohes Interesse gibt von Menschen mit einer Hochschulreife zu sagen, ich gehe in einen Pflegeberuf dann, wenn ich ihn auch studieren kann, und zwar für eine Tätigkeit am Bett, am Patienten, um bestimmte Strukturen, um bestimmte Abläufe und Prozesse anders zu gestalten, mit einem anderen Blick und mit einem erweiterten Blick.

Biesler: Andreas Westerfellhaus, Pflegebevollmächtigter der Bundesregierung, über die Reform der Pflegeausbildung, die heute vom Kabinett beschlossen wurde und nun in den Bundestag eingebracht wird. Danke, Herr Westerfellhaus!

Westerfellhaus: Sehr gerne, Herr Biesler!

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk