Russischer Angriffskrieg
Regierungsumbildung in der Ukraine: Warum soll Verteidigungsminister Fedorow gehen?

Mitten im Krieg bildet der ukrainische Präsident Selenskyj erneut seine Regierung um. Der bisherige Leiter des staatlichen Energiekonzerns Naftogaz, Koretskyi, soll neuer Ministerpräsident werden. Verteidigungsminister Fedorow, unter dem die Armee zuletzt große Erfolge erzielte, soll aus der Regierung ausscheiden. Warum?

    Boris Pistorius (SPD), Bundesminister der Verteidigung, und Mychajlo Fedorow, Verteidigungsminister der Ukraine, geben eine Pressekonferenz.
    Der wohl scheidende ukrainische Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow (re.) - hier im Mai während einer Pressekonferenz mit Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (li.). (Kay Nietfeld/dpa)
    Fedorow war erst ein halbes Jahr im Amt. In seiner Zeit als Verteidigungsminister erreichte die ukrainische Armee, dass die russische Bevölkerung den Krieg zunehmend zu spüren bekam: Ukrainische Drohnen attackierten Raffinerien und Kraftwerksbetriebe im russischen Hinterland, was zu Engpässen unter anderem an Tankstellen in Russland führte. Außerdem wurde die von Russland annektierte Halbinsel Krim zeitweise von der Versorgung abgeschnitten.

    Fedorow bekämpfte Korruption im Ministerium und den Einfluss postsowjetischer Generäle

    Der 35-jährige Fedorow sei vor allem in der jungen Bevölkerung in der Ukraine sehr beliebt, erläutert unsere Osteuropa-Expertin Sabine Adler. In anderen Teilen der Gesellschaft habe sich Fedorow aber auch unbeliebt gemacht - etwa durch sein Vorgehen gegen Korruption im Verteidigungsministerium und gegen den Einfluss postsowjetischer Generäle. Zudem sei es ihm nicht gelungen, das Rekrutierungsproblem in der Armee zu beseitigen.
    Medien berichten außerdem über eine Konflikt zwischen Fedorow mit Armeechef Syrskyj. Und ihm werden Ambitionen auf das Präsidentenamt nachgesagt. Selenskyj könnte ihn auch deshalb bei der Regierungsumbildung nicht mehr berücksichtigt haben.

    Designierter Regierungschef mit Ruf als ausgezeichneter Manager

    Der designierte Ministerpräsident Koretskyi gilt als ausgezeichneter Manager. Staatschef Selenskyj bezeichnete den 48-Jährigen mit Blick auf die laufenden Vorbereitungen für den kommenden Winter als besonders geeignet für das Amt. In der kalten Jahreszeit werden auch diesmal wieder Probleme bei der Energieversorgung infolge russischer Angriffe auf die Energieinfrastruktur befürchtet.
    Die bisherige Regierungschefin Swyrydenko, die nur ein Jahr im Amt war, wird voraussichtlich Botschafterin in den USA. Sie verfüge über exzellente Kontakte in die Vereinigten Staaten und solle dort sicherstellen, dass die ukrainische Regierung eine Lizenz für den Bau der amerikanischen Flugabwehrraketen vom Typ Patriot bekommt, so Adler. Die Ukraine fordert von den Verbündeten dringend Nachschub an Patriots, um sich gegen russische Angriffe mit ballistischen Raketen wehren zu können.

    Parlament berät über Regierungsumbildung - Proteste erwartet

    Selenskyj benötigt für die geplante Umbildung seines Kabinetts die Zustimmung des Parlaments, das voraussichtlich heute darüber beraten soll. Sabine Adler zufolge werden vor dem Parlamentsgebäude in Kiew Proteste von Anhängern des scheidenden Verteidigungsministers Fedorow erwartet.
    Auslöser für die Umgestaltung der Regierung ist unbestätigten Medienberichten zufolge das Ausscheiden der bisherigen ukrainischen Botschafterin in den USA, Stefanischyna, aus dem diplomatischen Dienst. Grund sollen Korruptionsermittlungen gegen sie aus ihrer Zeit als Ministerin für EU- und NATO-Integration sein.
    Diese Nachricht wurde am 16.07.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.