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StartseiteCampus & KarriereSelbststudium an digitalen High-Tech-Geräten11.09.2015

Reihe: Campus im NetzSelbststudium an digitalen High-Tech-Geräten

Durch die Digitalisierung ändert sich der Erwerb von Wissen. Das Fab Lab in Berlin etwa ist eine offene Entwicklungswerkstatt, in der jeder den Umgang mit digitalen High-Tech-Maschinen, etwa 3D-Druckern, erlernen kann. Für die Hochschulen stellt sich die Frage, wie sie dieses Wissen zertifizieren.

Von Anja Nehls

Ein 3D-Drucker entwirft eine rot-grüne Tülle, im Hintergrund schaut eine Frau zu. (picture alliance / dpa / Savostyanov Sergei)
Ein 3D-Drucker entwirft eine rot-grüne Tülle: Den Umgang mit einem solchen Gerät kann man sich in so genannten Makerspaces aneignen. (picture alliance / dpa / Savostyanov Sergei)

Der 3D-Drucker im Berliner Fab Lab arbeitet seit über 20 Stunden an einem Architekturmodell. Das Fab Lab in Berlin ist eine offene Entwicklungswerkstatt, in der jeder digitale High-Tech-Maschinen benutzen und vor allem den Umgang damit erlernen kann. Es gibt Lasercutter, CNC-Fräsen zum dreidimensionalen Arbeiten und Computerplätze mit hochkomplexer Designsoftware. Juliane Jammer aus Berlin und ein Kursteilnehmer aus Frankreich lernen in einer Einführung gerade den Umgang mit der CNC-Fräse. Eine Art Führerschein oder Zertifikat gibt es am Ende nicht, aber das ist den beiden auch nicht so wichtig:

"Mir ist vor allem wichtig, dass ich eine gute Grundlage erhalte, die brauche ich nicht unbedingt auf einem Papier fixiert. – Weil ich will vor allem die Maschine lernen. Das danach beweisen zu können bringt mir nix. Das ist genau als wenn ich sagen würde, ich will Gitarre lernen. Ich brauche kein Zeugnis um zu sagen, ich habe Gitarre gelernt, aber wenn ich Gitarre spielen kann, das beweist, dass ich das gelernt habe."

Makerspaces wie das Berliner Fab Lab bieten jedem die Möglichkeit, Spezialwissen für über komplexe Maschinen oder Computerprogramme zu erlangen und sich dort damit auch gleich selber auszuprobieren. Wissen, vor allem digitales Wissen, wird zunehmend an anderen Orten und auf andere Weise vermittelt als noch vor zehn Jahren. Einen klassischen Schein oder Credit Points wie an der Uni oder ein Zeugnis wie in der Schule gibt es dafür häufig nicht. Das sei zum Beispiel bei Programmierkenntnissen okay, findet Felix Seifert, Kursentwickler an der Digital School der Leuphana Uni Lüneburg, an der onlinebasiert gelehrt und gelernt wird. Digitale Kenntnisse könne man einfach beweisen und Arbeitgeber könnten sie einschätzen. Aber so einfach ginge das nicht immer:
 
"Es wird für andere Wissensbereiche natürlich weiter Validierungen und Zertifizierungen von Lernleistungen geben müssen. Also Ingenieure, Ärzte, da wüsste ich schon gerne, dass ein unabhängiges Gremium, ein sachkundiges Gremium bestätigt hat, dass dieser Mensch folgende Leistungen tatsächlich erbringen kann."

Ärzte oder Betriebswirte können sich Wissen außerhalb der Uni aneignen
 
In allen Bereichen eröffnen die digitalen Medien neue Wege des Lernens. Auch künftige Ärzte, Maschinebauingenieure oder Betriebswirtschaftler können sich ihr Wissen außerhalb der Uni aneignen, zum Beispiel in Makerspaces wie dem Fab Lab, an privaten Bildungseinrichtungen oder online mit sogenannten MOOCs, das steht für massive open online courses verschiedener Anbieter. Auf der gerade laufenden Konferenz des Hochschulforums Digitalisierung in Berlin geht um den digitalen Wandel – und auch um neue Zertifizierungen für Lernleistungen, sagt Mitinitiator Roland Burger von der Universität Stockholm:
 
"Mit diesen neuen Lernformen geht natürlich einher der Bedarf an neuen Bewertungsmethoden und Systemen. Und diese Digitalbadges, also digitale Auszeichnungen, da gibt es verschiedene Formen und es werden auch Standards entwickelt, weil die natürlich auch austauschbar sein müssen und von verschiedenen Institutionen herausgegeben und anerkannt sein müssen. Da entsteht dann ein ganzes Ökosystem hinter den Digitalbadges."

Solche Badges sind digitale Bestätigungen für erworbenes Wissen, die ganz unterschiedlich aussehen können. Denkbar sind sie als auf dem Bildschirm erscheinende bunte Bildchen, Motivationssymbole oder digitale Urkunden.

Eine besondere Rolle könnten bei einer Zertifizierung die Hochschulen einnehmen, meint Felix Seifert von der Leuphana Digital School. Zwar hätten die Unis stark zur Digitalisierung beigetragen, nun seien sie aber von der rasanten Entwicklung außerhalb überholt worden. Die Bildungslandschaft ist unübersichtlich geworden. Die Unis müssten also auch außerhalb erworbenes Wissen prüfen:
 
"Ich glaube da sind Hochschulen gut beraten, sich in diesem Bereich zu fokussieren und zu sagen, das ist eine Kernkompetenz, die haben wir bislang immer als selbstverständlich und automatisch hingenommen. Aber Universitäten können diese Leistungen auch zertifizieren, wenn man das Wissen woanders erworben hat."

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