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StartseiteFirmenporträtVerschlossen und milliardenschwer15.11.2019

Reihe Clans: C&A-Familie BrenninkmeijerVerschlossen und milliardenschwer

Anfang des 19. Jahrhunderts wanderten die Brüder Clemens und August zunächst als Tuchhändler übers Land. Aus ihren Anfangsbuchstaben formten sie den Namen ihres ersten Ladens. Aus dem wurde eine internationale Textilkette, in der aber weiterhin die Familie den Ton angibt.

Von Malte Pieper

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C&A am 15.01.2018 in Oberhausen Das Bekleidungsunternehmen C&A besitzt mehr als 2000 Filialen in 23 Ländern. Firmensitz ist im belgischen Vilvoorde und in Düsseldorf. Eigentümer ist die niederländische Großfamilie Brenninkmeijer. Laut Medienberichten, soll die die traditionsreiche Modekette an Investoren aus China verkauft werden. C&A Filiale in Oberhausen-Sterkrade Foto: Revierfoto Foto: Revierfoto/Revierfoto/dpa | Verwendung weltweit (Revierfoto)
C&A-Filiale: Namensgeber waren die Brüder Clemens und August (Revierfoto)

Ein kleines Waldstück im Norden der Niederlande etwa 30 Kilometer südöstlich von Leeuwarden. Eine historische Stelle, denn genau hier am Beginn Frieslands zog er über Jahrhunderte lang, der Treck der deutschen Gastarbeiter, die so genannten "Hollandgänger", durch das Moor. Unter ihnen auch zwei Brüder aus dem westfälischen Mettingen: Clemens und August Brenninkmeijer. Schwer bepackt mit Tuchen, Stoffen und Kleidern, die sie an die Bauern verkauften, bis sie irgendwann gegen 1840 eine klare Ansage bekamen, erzählt Heimatforscher Jacob van der Wij:

"In Holland hat man damals gesagt: Es ist im Prinzip völlig okay, was Sie hier machen. Aber weil Sie keine Steuern bezahlen, sind Sie eine unbotmäßige Konkurrenz für die heimischen Händler. Das müssen wir ändern, wenn Sie hier weiter tätig sein wollen!‘"

Und so eröffneten die beiden Brüder 1841 im nahegelegenen Sneek ihren ersten Laden, benannten ihn nach ihren Anfangsbuchstaben: C&A. Das Geschäft gibt es bis heute.

Textile Expansion von Friesland aus

Von hier aus, von Friesland aus, gründeten sie schließlich ihr Weltreich. In immer weiteren Kreisen breitete sich C&A aus, war es doch die erste Kette, die beispielsweise Konfektionsware, also Kleider von der Stange anbot, blickt Professor Birgit Feldern zurück. Sie ist Expertin für Familienunternehmen an der Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin:

"Die Idee, die Firma auch wirklich in der Familie zu halten und in der Familie weiterzugeben, das gelingt ja gar nicht so vielen Familienunternehmen. Es gibt ja den schönen Spruch: Der Vater erstellt’s, der Sohn erhält’s und beim Enkel zerschellt’s … aber die Brenninkmeijers sind eben schon lange über die Enkelgeneration hinaus."

Der Clan ist inzwischen längst weltweit aktiv, wobei das Textilgeschäft nur noch rund ein Drittel des Umsatzes ausmacht. Und obwohl die Familie  über den Globus verteilt ist, trifft man sich regelmäßig weitgehend inkongnito noch immer am Stammsitz der Familie im westfälischen Mettingen.

Tradition: Familientreff in Westfalen

Zusammenhalt wird seit eh und je groß geschrieben ... und wie schon 1841 dürfen auch nur Familienmitglieder in der Führung des Clans vertreten sein, wobei es ein großes Aber gibt: Nur wessen Eltern schon ganz oben waren, darf auch nach ganz oben:

"Die dürfen sich dann bewerben für einen internen Auswahlprozess. Wenn sie es schaffen, was ungefähr zehn Jahre dauert, dann können sie erste Führungsverantwortung wahrnehmen und auch Anteile erhalten. Mit 55 endet das aktive Engagement allerdings bereits wieder und mit 63 müssen die Anteile verkauft werden."

Zwar ging es auch innerhalb der Familie Brennikmeijer nicht reibungslos vonstatten, vor einigen Jahren schrieb man sich erst quasi eine 100seitige Gebrauchsanweisung, wie man bei Streit miteinander umgehen will, schuf eine Art Clearingstelle.

Gebrauchsanweisung für den Familienfrieden

Betriebswirtschaftlich stimmte das Klima aber fast immer in den letzten Jahrzehnten, bis auf eine Schwächephase zur Jahrtausendwende:

"C&A war ein Unternehmen, das allen Unkenrufen zum Trotz den ersten Minirock und den ersten Bikini auf den Markt brachte. Gleichzeitig schrieb man den weiblichen Mitarbeiterinnen vor, dass die Röcke das Knie zu bedecken hatten."

Nach innen also wurden die Angestellten an der kurzen Leine gehalten. Patriarchalisch der Führungsstil, immer den konservativ gelebten katholischen Glauben zur Hand. Erst seit wenigen Jahren gibt es auch Frauen in der Führung der C&A-Holding. Nach außen gab man sich verschlossen, abgekapselt, geradezu öffentlichkeitsfeindlich, resümiert Unternehmensberaterin Birgit Felden:

"Ich glaube, offen gestanden, dieser Mythos ist nicht mehr zeitgemäß. Ich glaube, dass die Familie Brennikmeijer erkannt hat, dass sie sich öffnen muss, dass sie auch transparenter sein muss, was die wirtschaftlichen Entscheidungen anbelangt. Sie hat sich ja bereits geöffnet für externe Manager, was vor einigen Jahren noch nicht möglich gewesen wäre, womit sie sich zusätzliches Know How ins Haus holt."

Transparenz zieht ein

Das Unternehmen öffnet sich auf, was die Produktionsprozesse angeht. Nicht ohne Druck, aber wie für viele Textilhersteller war der November 2012 ein einschneidendes Datum, als damals in einer Textilfabrik in Bangladesch mehr als 100 Arbeiterinnen starben, die dort Kleider für Europa zusammennähten. "Wir müssen uns immer wieder die Frage stellen", wiederholt seitdem C&A-Vorstand Donald Brenninkmeijer das neue Unternehmensmantra, "wie werden künftige Generationen auf uns schauen und werden sie uns vorwerfen, dass wir nichts getan haben, um es besser zu machen?

Dieser Beitrag erschien zuerst beim Bayerischen Rundfunk.

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