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StartseiteFirmenporträtInsolvenz statt Mondfahrt09.08.2019

Reihe Up, up to the Moon (6): PT ScientistsInsolvenz statt Mondfahrt

50 Jahre nach der Mondlandung der Amerikaner ist das Weltall zum Sehnsuchtsort für Investoren und Unternehmer geworden. Aber nicht alle hochfliegenden Pläne funktionieren. Beim Berliner Start-up PT Scientists geht es statt zum Mond erst einmal in die Insolvenz.

Von Reinhart Brüning

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Firmengründer Robert Böhme steht vor seinem Raumschiff. Die Konstruktion aus Karbon und Aluminium ist fast mannshoch, außen mit einer goldenen Folie bespannt. An den Seiten sitzen die roten Treibstofftanks. (PT Scientists)
Mission geplatzt? Firmengründer Böhme und sein Raumfahrzeug (PT Scientists)
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Dossier: 50 Jahre Mondlandung (Astronaut Buzz Aldrin fotografiert von Neil Armstrong) (NASA) (NASA)

Der unscheinbare Gewerbekomplex in Berlin-Marzahn ist ganz gewöhnlich – ungewöhnlich dagegen die Idee der Firma "PT Scientists", die hier ihre Räume hat: Als Privatperson zum Mond aufbrechen- mit viel einfacheren Mitteln, als die großen Raumfahrtagenturen.

Die Reise zum Mond lief eigentlich gerade richtig gut - doch im Juli dann der Absturz in die Insolvenz. Sind die hochfliegenden Pläne von Geschäftsführer Robert Böhme nun endgültig geplatzt? Der Mitdreißiger ist erstaunlich locker, während er über die Insolvenz spricht:

"Wir hatten jetzt eine Phase, wo wir wirklich dringend einen Investor gebraucht haben. Das hat sich ein bisschen verzögert und das ist dann einfach zu kritisch geworden, so dass wir gesagt haben: rechtlich müssen wir jetzt einfach wirklich diesen Insolvenzantrag stellen, um einfach sauber und sicher zu sein. Der Geschäftsbetrieb bei uns geht ganz normal weiter. Es ist halt ein ganz normales Wissenschafts- und Forschungsunternehmen. Die Belegschaft arbeitet ganz normal weiter."

Trotz Insolvenz – der Betrieb geht weiter

Und es sind immerhin über 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Angefangen hatte alles viel kleiner:

"Wir haben angefangen wirklich, ich kann mal sagen im Keller meiner Eltern haben viel am Anfang an Universitäten gearbeitet, dann kleinere Räumlichkeiten gehabt; und heute, wo wir hier stehen, ist wirklich unsere größte Räumlichkeit, schon jetzt mit 2200 Quadratmetern. Das sind Hallen und Produktionsfläche, Büros über uns".

Die Büros sehen ganz gewöhnlich aus.

"Hier ist mein Büro".

Hier gibt es eine Sitzecke, einen Schreibtisch und viele Erinnerungsstücke, an den Wänden und in Vitrinen. Angefangen hat es im Jahr 2008, erzählt Robert Böhme, als ihm ein Bekannter vom Google-Lunar-X-Preis erzählt hat.

"30 Millionen Dollar dafür, dass jemand etwas privat zum Mond schickt.

Und ich fand das super, super spannend".

Medaillen von Google

Kurzentschlossen machte er mit, erzählt Böhme:

"Man sieht hier diese großen Medaillen, die an der Wand hängen haben wir ja, da sieht man das, 750 000 in zwei Kategorien gewonnen: das heißt einmal für die Rovertechnik, einmal für die Kameratechnik, die ganze Elektronik".

Knapp 10 Jahre später, im März 2018, lief jedoch die Frist ab, ohne dass seine Firma es zum Mond geschafft hatte – allerdings auch keiner der Mitbewerber.

Scheitern gehört für Robert Böhme offenbar zum Geschäft, denn unbeirrt machte er weiter und gewann eine ganze Reihe weiterer Sponsoren und namhaften Kooperationspartnern. Und auch in der Insolvenz blickt Robert Böhme, der Zweimetermann, nach vorn und zeigt stolz sein Raumschiff, das ein wenig höher ist, als er selbst.

Glitzernder Käfer für den Mondflug

Die offene Konstruktion ist ein Leichtbau aus Karbon und Aluminium und ähnelt ein wenig einem glitzernden vierbeinigen Käfer – außen teilweise mit einer goldenen Schutzfolie bespannt. Die größten Bauteile der Konstruktion sind rote, rundliche Behälter, die im Zentrum angeordnet sind.

"Das, was das Raumschiff am meisten ausmacht, das sieht man auch, dass sind diese großen mächtigen Treibstofftanks. Und Treibstoff braucht man eine ganze Menge, weil der Mond ist ja knapp 400 000 Kilometer entfernt von uns".

Nicht nur zum Beschleunigen bracht das Raumschiff Treibstoff, sondern auch zum Bremsen und für die Landung.

Weltweit gibt es noch weitere kleinere, private Firmen, wie die PT-Scientists. Sie verstehen sich als Dienstleister, die Nutzlasten sehr viel preisgünstiger als bisher zum Mond zu befördern wollen. Am Raumschiff sind an mehreren Stellen kleine und größere Pakete befestigt. Robert Böhme zeigt auf so eines:

"Wir haben jetzt nicht einen Fixpreis für so eine Schachtel, sondern wir berechnen nach Gewicht. Ein Kilo Nutzlast zum Mond, ein wissenschaftliches Instrument zum Beispiel, ein Kilogramm, kostet 750 000 Euro. Egal wie sperrig ein Objekt ist. Bei der Deutschen Post ist das anders. Da zählt die Dimension natürlich mit rein von der Schachtel".

Robert Böhme will aber nicht nur landen, er entwickelt auch ein Fahrzeug, zum Erkunden. Am Ende der Halle ist dafür ein Testbereich. Sein weißer Rover sieht so ein bisschen aus, wie ein Hund: Platter Rücken mit Solarzellen, komplizierte Federung, schickes Design. Dabei ist der mit Sensoren besetzte Kopf senkrecht nach oben gestreckt. Er hat fast menschliche Züge, denn der Abstand der beiden Kameraobjektive entspricht dem Augenabstand eines Menschen.

Auf den Spuren der Apollo-Mission

Das Ziel, das der Rover erkunden soll, steht bereits fest: Genau die Stelle, an der die letzte bemannte Mondmission gelandet ist. Und dabei ist das Apollo-Mondfahrzeug besonders interessant.

"Viele nenne es den Moon-Buggy dort oben. Der steht dort etwas außerhalb geparkt, knapp 225 Meter außerhalb der Landesstelle. Und wir wollen einfach gucken, was mit dem passiert ist".

Wird es nach über 50 Jahren tatsächlich neue Bilder vom Mond-Buggy geben? Vor der Insolvenz war Robert Böhmes Plan, das bis 2020 oder 2021 schaffen zu wollen.

"Und uns wirft das Ganze zeitlich natürlich jetzt ein bisschen zurück, weil wir jetzt natürlich in den Investorenprozess reingehen müssen, auch mit dem Insolvenzverwalter, ist aber natürlich auch nochmal eine Gelegenheit. Das heißt für jeden, der das jetzt hier hört, und sagt: Ich habe Interesse in so ein Raumfahrtunternehmen zu investieren, der kann sich jetzt natürlich auch melden. Hätte er vorher auch gekonnt aber jetzt gibt's halt quasi nochmal einen Prozess, wo man einfach damit rein kann".

Allen Schwierigkeiten zum Trotz: Für Robert Böhme bleibt der Paketdienst zum Mond das große Ziel. Ob er tatsächlich nur seinen Zeitplan nochmal etwas verschieben muss, das wird sich zeigen.

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