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Rekord-Flugversuch "Es ist sehr kalt da oben"

72 Meter Spannweite, auf den Tragflächen 17.000 Solarzellen, die vier Elektromotoren mit Energie versorgen: Das Carbonfaser-Flugzeug "Solar Impulse 2" ist dabei, ohne einen Tropfen Treibstoff die Welt zu umrunden. "Man entwickelt eine emotionale Beziehung mit dem Cockpit", verriet André Borschberg, einer der Piloten, im Deutschlandfunk.

André Borschberg im Gespräch mit Lennart Pyritz | 23.07.2015

Pilot Bertrand Piccard (L) und Pilot Andre Borschberg feiern die Landung auf Haiwaii nach einem 120-Stunden-Flug von Japan.
Pilot Bertrand Piccard (L) und Pilot Andre Borschberg feiern die Landung auf Haiwaii nach einem 120-Stunden-Flug von Japan. (EUGENE TANNER / AFP)
André Borschberg hat mit der Solar Impusle 2 den Rekord für den längsten Soloflug aufgestellt; fünf Tage und fünf Nächte war er allein in der Luft - fast 8.300 Kilometer ohne Zwischenstopp von Japan nach Hawaii.
"Das Flugzeug kann Tag und Nacht fliegen - eine Woche sogar, vielleicht einen Monat", sagte Borschberg. Die große Frage sei aber gewesen, ob man als Mensch in der Lage ist, das mitzumachen. Er habe nur kurze Schlafpausen von etwa 20 Minuten gemacht, so der Pilot. "Daneben Yoga und Meditation." Man entwickele schnell eine emotionale Beziehung mit dem Cockpit, sagte Borschberg.
Der Platz im Innenraum sei sehr gering und es müsse stets wohlüberlegt und konzentriert gehandelt werden. "Man muss aufpassen, dass man nicht aus Versehen etwas im Flugzeug berührt, das man nicht berühren sollte", präzisierte der Pilot.
Bis die Technik es erlaube, zahlreiche Passagiere nur mit Solarstrom etwa über den Atlantik zu fliegen, werde es noch etwa 40 Jahre dauern, schätzt Borschberg.
Bereits in etwa fünf Jahren aber könnten unbemannte Solarflugzeuge zum Einsatz kommen, die sehr hoch fliegen - circa 20 Kilometer über dem Luftverkehr - und teilweise die Arbeit von Satelliten übernehmen - "viel billiger und auch nachhaltig".
Die Audiodatei zum Interview steht ihnen sechs Monate lang im Bereich "Hören" zur Verfügung.