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Renminbi-Handel in Frankfurt
Direkte Devisengeschäfte mit chinesischer Währung

Die chinesische Währung Renminbi - auch Yuan genannt - soll eine der wichtigsten Reservewährungen der Welt werden mit einem großen Handelszentrum in Frankfurt. Im Herbst soll der Handel in der Deutschen Finanzmetropole starten. Dies könnte Vorteile für deutsche Mittelständler mit sich bringen.

Von Michael Braun | 23.06.2014

    Tarek Al-Wazir
    Tarek Al-Wazir, Hessens grüner Wirtschaftsminister, glaubt fest, in Frankfurt wachse eine Dienstleistung für die gesamte Eurozone heran. (dpa/picture-alliance/Boris Roessler)
    Frankfurt, das war im Frühjahr entschieden worden, soll die Clearingbank bekommen, die Geschäfte mit China in der chinesischen Währung abwickelt. Nun weiß man auch den Namen: Die chinesische Zentralbank, die Peoples Bank of China, hat die Bank of China mit der Aufgabe betraut. Die sitzt seit 25 Jahren in Frankfurt, auch in Frankreich, Italien, Luxemburg und Portugal, betreibt in Deutschland weitere Filialen in Berlin und Hamburg, demnächst auch in München. Denn sie will auch lokales Geschäft machen, etwa deutschen Unternehmen Geld leihen für Investitionen in Deutschland. Und in der Abwicklung internationaler Geldströme, die den Warenströmen folgen, sei sie erfahren, sagt Bernd Meist, Geschäftsleiter der Bank of China in Frankfurt:
    "Die Bank of China betreibt auch, ich sag mal: die Mutter aller Clearingbanken, nämlich die Clearingbank in Hongkong."
    Bank of China schafft neue Arbeitsplätze in Frankfurt
    Die Bank of China will nun in Frankfurt rund 70 neue Arbeitsplätze schaffen. Denn sie rechnet damit, dass sie nicht nur Zahlungsströme in Renminbi abwickeln muss, sondern ihre neuen Kunden auch Kredite nachfragen, was entsprechende Folgen für Risikomanagement und bankaufsichtliche Nachweise nach sich zieht. Vor allem gehe es natürlich darum, dem deutschen Exporteur, vor allem dem aus dem Mittelstand, und auch dem chinesischen Lieferanten das Leben zu erleichtern, meinte Bundesbankvorstand Joachim Nagel:
    "Konkret mir niedrigeren Kosten, das heißt, was früher über Korrespondenzbanken weltweit erledigt werden musste, kann in Zukunft von Deutschland aus in der gleichen Sprache, was manchmal durchaus ein Vorteil sein kann, erledigt werden. Und das ist schon ein großer Vorteil."
    Das sieht Frankfurts Repräsentant der Bank of China nicht anders. Bernd Meist:
    "Zahlungsverkehr, Finanzdienstleistung, ist ja auch etwas wie Logistik. Und Sie nehmen jetzt in dieser Logistik einen Baustein heraus, nämlich Hongkong. Und wenn Sie einen Baustein herausnehmen, nehmen Sie Komplexität heraus und haben dadurch einen Kostenvorteil."
    Wechselkursverluste und Bankspesen sparen
    Bisher flossen Zahlungen aus oder nach China über Abwicklungsinstitute in Hongkong, Macao und Taiwan, also in einer fremden Zeitzone, meist in englischer Sprache - immer noch ein Hindernis für deutsche Mittelständler. Nun, vermutlich vom späten Herbst an, wird es möglich sein, bei der Hausbank oder Sparkasse ein Renminbi-Konto zu eröffnen. Und von diesem Konto mit Reninmbi zu bezahlen und Zahlungen zu empfangen. Es muss nicht jedes Mal in Euro umgerechnet werden. Das spart Wechselkursverluste und Bankspesen. Auch Tarek Al-Wazir, Hessens grüner Wirtschaftsminister, glaubt fest, in Frankfurt wachse eine Dienstleistung für die gesamte Eurozone heran:
    „Wir wollen ganz gezielt ein gutes Angebot an alle Unternehmen mit Chinageschäft im Euroraum machen und zu uns zu dem Clearing-Hub in der Eurozone entwickeln."
    KfW will Chinageschäft ausbauen
    Die Banken am Finanzplatz haben natürlich auch was davon. Drei große Anleihen in Renminbi sind seit März in Frankfurt schon auf den Markt gekommen. Unter anderem hat sich die staatliche KfW so Geld beschafft, um ihr China-Geschäft auszubauen. Weitere fünf bis zehn Anleihen dieser Art dürften bis zum Jahresende folgen, schätzt die Bundesbank. Frankfurt wächst damit in die Rolle eines Handelszentrums für den Renminbi hinein. Im Mai vorigen Jahres lag der Anteil des Zahlungsverkehrs zwischen Deutschland und China in Renminbi bei 8,2 Prozent. Im Mai dieses Jahres waren es schon fast 23 Prozent.