Samstag, 10. Dezember 2022

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Reporter der Zukunft

Jung sind sie, hungrig und im günstigsten Fall billig. Videojournalisten, das sind Reporter, die mit Kamera und Mikrofon genauso gut umgehen können sollen wie mit der deutschen Sprache. Diese Eier legende Wollmilchsau scheint manchen Fernsehmachern die Antwort auf die Medienkrise zu sein.

Von Almuth Knigge | 24.01.2009

    Mit ihrer Hilfe spart man den Tontechniker, den Kameramann und den Cutter. Solche Alleskönner waren in dieser Woche beim Forum Lokaljournalismus in Schwerin zu bewundern.

    Der Videojournalist ist der Journalist der Zukunft. Was früher ein Kamera-Team mit großem Auto und Aufwand bewältigt hat, macht jetzt Ulrike Steinbach alleine. Sie ist Videojournalistin beim Norddeutschen Rundfunk. Gerade macht sie einen Film über einen Menschen, der im Winter ohne Strom und Heizung lebt

    Steinbach: "Ja und hier fängt’s an, man muss sich gleichzeitig um das Licht kümmern, um meine Kamera und Fragen stellen …"

    Die Stücke entstehen komplett am Laptop. Eine Woche Einführung in die Technik gab’s – und dann ging’s los.

    Steinbach: "Also man konzentriert sich ganz am Anfang eher aufs Bild, und der Ton bleibt auf der Strecke, und der Inhalt bleibt auf der Strecke."

    Mit Schneiden, Texten, mischen, Sprechen, Nachbearbeiten und wiederholen braucht Sie oft fünf mal so lang wie mit einem Team. Die Sender sehen natürlich trotzdem Vorteile. Ein VJ entwickele eine andere, moderne Bildsprache, komme näher ran ans Volk, weil der Journalist eine intimere Gesprächssituation aufbauen kann.

    Wegwerth: "Aber das passiert garantiert nicht, wenn dieser VJ mich nicht anschauen kann, weil er auf das Display gucken muss, auf den Ton achten muss, dann ne intime Situation herzustellen halte ich auch für schwierig."

    Antje Wegwerth ist Lokalredakteurin und hat eine richtige Einjährige Ausbildung zur Vjane gemacht. Sie ist überzeugt von dem Format, aber nicht vom Einsatz um jeden Preis.

    Wegwerth: "Was ich beobachten kann, ist aber, dass der Journalismus hinten angestellt wird, also wenn ich VJs ins Feld schicke für alle möglichen Bereiche muss ich damit rechnen, dass die Qualität möglicherweise nicht sehr hoch ist. Wenn ich das in Kauf nehme, dann nehme ich auch in Kauf, dass der Journalismus von seinen heeren Zielen auch ablässt."

    Es gibt einen Cartoon, da steht ein Alleinunterhalter, singt, spielt Akkordeon, und benutzt die Füße für die Percussion – und im Hintergrund eingeschlafenes Publikum. Soll wohl heißen – viel ist nicht gleich gut. In eben dieses cartoon haben grafisch-begabte Menschen dem Entertainer noch eine Videokamera auf die Schulter gesetzt, ein Laptop daneben und ein Fotoapparat um den Hals. Der Journalist der Zukunft. Im Hintergrund dieses Mal – Verlagsleiter die von einer steigenden Ertragskurve träumen.

    Für Astrid Neururer ist das Realität. Selbstgewählte. Ihr Motto –"so schnell kann´s gehen". Sie ist eine Mojo! Eine Mobile Journalistin. Beim österreichischen Vorarlberger Onlinedienst - volive

    Neururer: "Also, wir sind mit "volive" gestartet vor 1,5 Jahren und beliefern mit dieser Truppe den Online Dienst, Print mit Bild und Text und natürlich auch den Hörfunk mit O-Tönen."

    Einer für alles. Crossmedia in Reinform. Redaktionskonferenzen – alles übers Internet - Mojos sind immer an der Front - bei der Pressekonferenz, beim Unfall, Open Air-Konzert, oder beim Bundesliga-Spiel. So wird der Mojo quasi ein "Kontent-Hiwi", zum Inhalte-lieferant. Immer mehr Verlage wollen so neue Zielgruppen erschließen – und am besten gleich noch sparen. In der Zeitungsbranche herrscht so etwas wie Aktionismus – alles kann alles muss – im Internet.

    Neven Dumont: "Ich denke, man muss all das tun, um Qualitätsjournalismus finanzieren zu können."

    Der Kölner Verleger Konstantin Neven Dumont ist ehrlich – Ulrike Steinbach angesichts dieser Aussichten eher skeptisch

    Steinbach: "Also, ich glaub, da muss man dann auch investieren um gute Leute zu haben ich glaub nicht dass das jeder Hans und Franz macht und kann und dass das dann auch noch ein gutes Produkt wird."