Vatikan
Restauratoren reinigen Michelangelos "Jüngstes Gericht"

In der Sixtinischen Kapelle im Vatikan schreitet die Restauration eines Bildes des Renaissance-Künstlers Michelangelo (1475-1564) voran. Das berühmte Fresko "Das Jüngste Gericht" wird von einer weißlichen Schicht befreit, die sich durch die Ausdünstungen schwitzender Besucher in den vergangenen Jahrzehnten darauf abgelagert hat.

    Zu sehen ist Michelangelos Gemälde "Das Jüngste Gericht" hinter einer Schutzfolie.
    Michelangelos berühmtes Gemälde "Das Jüngste Gericht" bekommt eine umfangreiche Reinigung. (AFP / ALBERTO PIZZOLI)
    Die Restauratoren tupfen das Fresko durch eine Schicht Seidenpapier mit destilliertem Wasser ab, um die Calciumlactat-Ablagerungen zu entfernen. Die weißliche Schicht ist nach Angaben der Museumsleitung mit bloßem Auge nicht zu sehen, "dämpft" aber die Farben. Ziel der Arbeiten sei es, das Werk wieder in den leuchtenden Farben erstrahlen zu lassen, in denen Michelangelo es zwischen 1536 und 1541 erschaffen hatte.
    Wegen des Klimawandels schwitzten die Museumsbesucher mehr, erklärt der Leiter der wissenschaftlichen Abteilung der Vatikanischen Museen, Morresi. Um die Fresken zu schützen, hatte das Museum bereits die Zahl der Besucher in der Sixtinischen Kapelle beschränkt. Dennoch war die Restaurierung unausweichlich.

    Letzte umfassende Restaurierung war 1994

    Das "Jüngste Gericht" ist das Herzstück der Fresken in der Sixtinischen Kapelle, wo traditionell die Papstwahl stattfindet. Von den 391 Figuren sind viele halbnackt oder gänzlich unbekleidet, was in der Renaissance Empörung auslöste. Zahlreichen Figuren wurden nach Michelangelos Tod Kleider angemalt, von denen viele bei der letzten umfassenden Restaurierung im Jahr 1994 wieder entfernt wurden.
    Die jetzt laufende Restaurierung wird von Spendern aus den USA finanziert. Bis Ostern sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Tausende Besucher besichtigen täglich die Sixtinische Kapelle. Während der Reinigung des Gemäldes bleibt das Gotteshaus geöffnet.
    Diese Nachricht wurde am 06.03.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.