Donnerstag, 11. August 2022

Umbenennung in Hamburg angeregt
Richard Schorr und der unwürdige Straßenname

In Hamburg ist eine Straße nach dem Astronom Richard Schorr benannt. Das könnte sich bald ändern. Denn der langjährige Leiter der Hamburger Sternwarte wurde bei seinem Kampf gegen "astrologischen Unfug" in der NS-Zeit auch zum Denunzianten.

Von Dirk Lorenzen | 30.07.2022

Richard Schorr (1867-1951), langjähriger Direktor der Hamburger Sternwarte in Bergedorf, dargestellt in einem Gemälde.
Richard Schorr (1867-1951), langjähriger Direktor der Hamburger Sternwarte in Bergedorf, dargestellt in einem Gemälde. (Uni Hamburg)
"Der Astronom Richard Schorr denunzierte Astrologen als 'Volksschädlinge' und rief seine Mitarbeiter aktiv zur Beteiligung auf. Er schadete damit anderen Menschen – eine Umbenennung der Schorrhöhe ist geboten" - so heißt es im Abschlussbericht der Kommission zum Umgang mit NS-belasteten Straßennamen in Hamburg.
Richard Schorr leitete fast ein halbes Jahrhundert lang die Hamburger Sternwarte. Schon im August 1933 bat er im Namen der deutschen Astronomen das Reichsinnenministerium, „bei der Säuberung des öffentlichen Lebens auch dem überall eingerissenen astrologischen Unfug Einhalt zu gebieten“.
Zugleich versicherte er, man sei gerne bereit, „diesen Kampf in jeder Weise zu unterstützen“. Für Richard Schorr hieß dies, immer wieder Vorträge von Astrologen bespitzeln zu lassen und diese Berichte umgehend an die Gestapo weiterzuleiten.
Betroffen von Schorrs Aktivitäten waren unter anderem Wilhelm Wulff und Alfred Witte. Wulff wurde dreimal verhaftet, zeitweise im KZ interniert, misshandelt und gezwungen, für NS-Führer Horoskope zu erstellen. Witte nahm sich 1941 aus Angst vor seiner Verhaftung das Leben.
Richard Schorr war zwar kein NSDAP-Mitglied – anders als Otto Heckmann, der nach Schorrs Pensionierung Direktor der Sternwarte wurde. Aber Schorr war in der NS-Zeit kein Mitläufer, sondern Mittäter.
Trotzdem heißt am Geesthang neben der Sternwarte in Hamburg-Bergedorf ein Fußweg noch „Schorrhöhe“. Doch das könnte sich bald ändern.