Kaukasus
Richtungsweisende Parlamentswahl heute in Armenien

In Armenien wird heute ein neues Parlament gewählt. Die Bürger entscheiden damit auch über den künftigen geopolitischen Kurs des Landes - in Richtung Westen oder hin zu Russland.

    Ein dunkelhaariger junger Mann wirft einen Stimmzettel in eine Wahlurne. Eine Wahlhelferin sitzt am Tisch.
    Wähler bei der Stimmabgabe in in der Hauptstadt Eriwan. (AFP / KAREN MINASYAN)
    Die Kaukasusrepublik pflegte bislang traditionell enge Beziehungen zu Moskau. Die Regierung signalisierte zuletzt aber verstärktes Interesse an einer Anbindung an die Europäische Union. Entsprechende Botschaften gingen Anfang Mai vom EU-Armenien-Gipfel aus. Erst vor wenigen Tagen war US-Außenminister Rubio in der Hauptstadt Eriwan. Kritiker monierten das westliche Vorgehen als Wahlkampfhilfe für die Regierungspartei.

    Opposition ist fragmentiert

    Ministerpräsident Paschinjan strebt mit seiner Partei "Zivilvertrag" eine dritte Amtszeit an. Die Opposition ist fragmentiert. Zu ihren einflussreichsten Akteuren zählen der unter Hausarrest stehende Oligarch Karapetjan mit seiner Partei "Starkes Armenien" und Ex-Präsident Kotscharjan, der das Wahlbündnis "Armenien" führt. Beide gelten als prorussisch. Russlands Staatschef Putin hatte das Land in der vergangenen Woche vor wirtschaftlichen Folgen einer möglichen Annäherung an die Europäische Union gewarnt.

    Verhältnis zu Aserbaidschan weiter Thema

    Ein weiteres Wahlkampfthema war das Friedensabkommen mit dem langjährigen Erzfeind Aserbaidschan. Armenien hatte es im vergangenen Jahr nach der Niederlage im jüngsten Krieg unterzeichnet und dabei seinen Verzicht auf die seit Jahrzehnten umkämpfte Region Bergkarabach erklärt. Viele der drei Millionen Armenier sind damit nicht einverstanden.
    Aserbaidschan wird traditionell von der Türkei unterstützt, Armenien eigentlich von Russland. Moskau blieb jedoch, vermutlich auch wegen der Herausforderungen seines Angriffskriegs gegen die Ukraine, beim jüngsten Waffengang um Bergkarabach weitgehend passiv, was bei vielen in Armenien Unmut ausgelöst hat.
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    Diese Nachricht wurde am 07.06.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.