Samstag, 03. Dezember 2022

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Riegert auf Abschiedstournee

Nachdem klar ist, dass Klaus Riegert, seit nunmehr 18 Jahren sportpolitischer Sprecher der Unionsfraktion, nicht mehr in den Bundestag einziehen wird, da er in seinem Wahlkreis das Direktmandat verloren hat, wird bereits über seine Nachfolge diskutiert. Durch profunde sportpolitische Beiträge oder Initiativen haben die Genannten sich bisher jedoch noch nicht hervorgetan.

Von Robert Kempe | 13.10.2012

    Mit der neuen Sitzungswoche des Bundestags beginnt für Klaus Riegert seine gut einjährige Abschiedstour. Seit 1992 gehörte er dem Bundestag an, seit 18 Jahren ist er sportpolitischer Sprecher der Unionsfraktion. Vor ein paar Tagen entschied die CDU in seinem Wahlkreis Göppingen aber, dass damit Schluss sein solle. Riegert verlor die interne Kandidatenabstimmung um das CDU-Direktmandat in seinem Wahlkreis klar gegen Hermann Färber, den Vorsitzenden des Kreisbauernverbandes.

    Der Herrgott habe offenbar andere Dinge mit ihm vor, erklärte Riegert. Recht hat er, denn einen erneuten Einzug Riegerts, von Beruf Kriminaloberkommissar, in den Bundestag bei der Wahl im nächsten Jahr wird es nicht geben. Ein vorderer Platz auf der Landesliste seiner Partei in Baden Württemberg liegt für den langjährigen Kapitän des FC Bundestag in weiter Ferne.

    Auch deshalb kann Riegert für das letzte Jahr der Legislaturperiode wohl endgültig als sogenannte "lame duck" gelten. Zwar hat es bisher in diesem Vier-Jahres-Zeitraum nicht nur seine Fraktion, sondern der gesamte Sportausschuss nicht geschafft, sich inhaltlich relevant in Szene zu setzen, doch dass sich die Sportpolitiker der Union fast ausschließlich als willfährige Gefolgsleute von Bundesinnenministerium (BMI) und Deutschem Olympischen Sportbund (DOSB) präsentieren, stößt sogar schon Parteifreunden auf. Zuletzt wurde diese Nähe bei der Diskussion um die Zielvereinbarungen wieder sichtbar. Dort sprangen die CDU/CSU-Abgeordneten BMI und DOSB bei, die sich immer noch weigern, die Dokumente, nach denen zig Millionen Euro Steuergeld im Sport verteilt werden, öffentlich zu machen.
    Man verlasse sich zu sehr auf BMI und DOSB und habe inhaltlich zu wenig gearbeitet, heißt es resümierend aus Berliner CDU-Kreisen.

    Sicher wird Riegerts Idee von Sportpolitik kein Grund für den Verlust seines Direktmandats sein, doch dürfte sie seine Position im heimischen Wahlkreis auch kaum gestärkt haben.
    So bezeichnete es Riegert zum Beispiel als "Privileg", dass die Öffentlichkeit bei Sitzungen des Bundestagssportausschusses anwesend sein durfte. Mit der Mehrheit der Regierungskoalition sperrte er diese aufgrund kritischer Medienberichte aus. Auch mit seinem Auftreten gegenüber Sachverständigen wie dem anerkannten Pharmakologen Fritz Sörgel, den er in einer Anhörung abwertend als Apotheker bezeichnet haben soll, sorgte Riegert für Unverständnis.

    Ab Ende nächsten Jahres muss nicht nur Riegert selbst seine Zukunft neu planen, für die er sich - laut Interview in der "Südwest Presse" - in alle Richtungen geöffnet habe, auch in der Union werden die Karten am Ende der Legislaturperiode neu gemischt. Von den momentanen CDU/CSU-Mitgliedern des Sportausschusses hat bisher niemanden das Schicksal Riegerts ereilt. Die Spekulationen beginnen, wer ihn auf den Posten des nach Jahren frei werdenden sportpolitischen Sprechers der Union folgen könnte. Ambitionen werden vor allem Turn-Weltmeister Eberhard Gienger nachgesagt, der seit Jahren von der CDU an vorderster Front in der Sportpolitik präsentiert wird. Ebenso wird CSU-Vertreter Stephan Mayer genannt, auch er fiel schon durch wilde Attacken gegen geladene Sachverständige auf. Ambitionen könnte auch der umtriebige Frank Steffel haben, Präsident des Handball-Bundesligisten Füchse Berlin. Schon vor zwei Jahrzehnten behauptete er allen Ernstes, dass die desaströse Berliner Olympiabewerbung für das Jahr 2000 ein Erfolg gewesen sei – damals noch als Vertreter im Berliner Abgeordnetenhaus.
    Durch profunde sportpolitische Beiträge oder Initiativen haben die Genannten sich bisher noch nicht hervorgetan. Bei der Union würde sich demnach dann nicht so viel verändern.