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StartseiteForschung aktuellVirus-Ausbreitung durch Damm-Bau begünstigt13.12.2017

Rifttalfieber in AfrikaVirus-Ausbreitung durch Damm-Bau begünstigt

Bevor die Europäer nach Afrika kamen, trat das Rifftalfieber nur bei Mücken und wilden Tieren auf. Erst die Kolonialisierung und Eingriffe in die Natur haben Epidemien begünstigt. Heute versucht man das Virus, das auch auf den Menschen übertragbar ist, durch das Spritzen von Insektiziden zu kontrollieren.

Von Sophia Wagner

(picture-alliance / dpa / Arno Burgl / Uwe Anspach)
Das Rifttalfieber-Virus lebt hauptsächlich in Stechmücken. (picture-alliance / dpa / Arno Burgl / Uwe Anspach)
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"Im Jahr 2010 war die Fußballweltmeisterschaft in Südafrika. Kurz vorher kam die Epidemie halt auch zum Stillstand."

Sommer 2010, Fußball-WM in Südafrika: Über 300.000 Touristen strömen ins Land. Während die Fans in den Stadien feiern atmen die südafrikanischen Farmer erleichtert auf. Die Epidemie, die sich seit Februar durch ihre Herden gezogen hatte und die im Laufe des Jahres 26 Menschen das Leben kosten sollte, war endlich abgeflaut. Der Verursacher des Seuchenzuges war das Rifttalfieber.

Rifttalfieber
Erreger: Segmentierter RNA Virus
Befällt: Schafen und Ziegen. Zoonose. 
Symptome bei Tieren: Fehlgeburten, grippeähnliche Symptome. 
Bei Menschen: oft symptomlos, selten schwere Fälle mit hämorrhagischem Fieber.
Ansteckung: vermutlich hoch. Übertragen durch Mücken, Tierblut und rohes Fleisch.
Todesrate: niedrig.  Circa ein Prozent beim Menschen. 
Bekämpfung: Impfstoffe für Tiere. Mückenvernichtung. Satellitenüberwachung. 
Status: Verstärkte Ausbreitung in Afrika seit 2000, vor allem Subsahara. Verbindung zum Klimawandel.

Das Rifttalfieber zählt zu den Emerging Vector Diseases. Zu einer Reihe von Krankheiten also, die von Mücken übertragen werden und die in den letzten Jahren zunehmend zu Erkrankungen geführt haben. Martin Grotup erforscht solche Viren. Er arbeitet am Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, bei Greifswald.

"Die Epidemie mit den höchsten Todeszahlen war 1977 in Ägypten, da sind um die 500 Leute gestorben."

Im schlimmsten Fall tödlich

Das Rifttalvirus ist eine Zoonose, also auch für Menschen ansteckend und im schlimmsten Fall sogar tödlich. Menschen werden aber meistens nur infiziert, wenn es im Umkreis schon viele kranke Tiere gibt. Für die Ägypter kam der Ausbruch damals unerwartet. Aber es gab einen Grund für die Epidemie: Die Vollendung des neuen Assuan Stausees im Süden, an der Grenze zum Sudan.

"Das hat eine riesige Epidemie letztendlich zur Folge gehabt, weil die Vergrößerung der Wasseroberfläche, die Vergrößerung der Sumpflandschaft, die den Moskitos als Bruststädte gedient, dann zu einer Massenvermehrung geführt haben."

Das Rifttalfieber-Virus lebt hauptsächlich in Stechmücken, diese werden nicht sichtbar krank, übertragen den Virus auf andere Tiere. Wird zum Beispiel ein Schaf von einer Mücke gestochen, kommt das Virus in das Blut des Schafes und vermehrt sich dort. Das kranke Schaf wird von anderen Mücken gestochen, die wiederum andere Tiere stechen. Die Krankheit verbreitet sich und kommt dann, durch eine Mücke oder über Blutkontakt beim Menschen an.

"Ägypten hat daraus die Konsequenz gezogen, dass sie seitdem Millionen dafür ausgeben, um Tiere zu impfen, mit einer Vakzine, um dann halt die Tiere als Amplifikationswirte, als Vermehrungswirte dann halt auszuschließen."

Zoonose-Barriere-Impfung

Es gibt einen Lebendimpfstoff, also einen abgeschwächte Version des Virus. Weil das Virus sich dann in den Schafen nicht mehr vermehren kann, wird die Ansteckungskette gestoppt. So halten die Tier-Impfungen auch die Infektionen beim Menschen unter Kontrolle. Man nennt das Zoonose-Barriere-Impfung.

Etwas Ähnliches wurde zum Beispiel auch in Deutschland mit der Fuchstollwut gemacht. Im Gegensatz zur Tollwut in Deutschland wird man das Rifttalfieber in Afrika aber wahrscheinlich nicht ausrotten können.

"Das Rifttalvirus ist ein interessantes Virus weil es wahrscheinlich auch schon seit dem 17./ 18. Jahrhundert bekannt ist und vermutlich in Afrika einheimisch war, aber nie zu großartigen Erkrankungen bei Haustieren geführt hat."

Bevor die Europäer kamen wurde das Virus in Afrika zwischen Mücken und wilden Tieren hin- und hergereicht. Durch die Kolonialisierung und Eingriffe wie den Dammbau in Ägypten, geriet das ursprüngliche Gleichgewicht, Mücke zu Wildtier - Wildtier zu Mücke, aus der Balance. Und erst ab diesem Zeitpunkt gibt es Berichte über das Rifttalfieber als Krankheit, hauptsächlich bei Tieren.

Klimawandel und der Zusammenhang mit Epidemien

Das es vor allem in den letzten Jahren immer wieder Epidemien gibt liegt aber an einem anderen ökologischer Faktor: dem Klimawandel.

"Ich denke das hat in Afrika tatsächlich auch mit der Ökologie zu tun. Das plötzlich da stärkere Wetterphänomene halt aufgetreten sind. Für Ostafrika gibt es inzwischen NASA-Programme um Regenzeiten und große Wetterereignisse vorherzusagen."

Die NASA kann mit ihren Satelliten die Meerestemperatur messen. Außerdem zeigt die Zunahme von grünen Flächen auf den Satellitenaufnahmen, wo die Regenzeit besonders ergiebig ist, weil dort das Pflanzenwachstum schlagartig zunimmt. Studien haben gezeigt, dass beides in Zusammenhang mit Rifttalfieber steht. So kann man anhand der Wetterdaten frühzeitig feststellen, wann die Bedingungen die Entstehung einer Epidemie begünstigen.

"Vor Ort versucht man dann halt einen viel, viel stärkeren Insektenschutz für die Tiere dann auch zu machen. Für Westafrika funktioniert das noch nicht so gut, aber in Ostafrika gibt es tatsächlich auch schon die Anwendung solcher Modelle."

Verbindung von Krankheit und Ökosystem

Insektenschutz heißt in diesem Fall: das Spritzen von Insektiziden. Das hat den Vorteil, dass man gleichzeitig auch andere Krankheiten bekämpfen kann, zum Beispiel auch Malaria und Dengue.

Bis jetzt ist das Rifttalfieber noch auf Afrika und die arabische Halbinsel beschränkt. Dass das aber in Zukunft nicht so bleiben muss, haben die sprunghaften Ausbreitungen vieler anderer Tropenkrankheiten gezeigt. Dass bei der Kontrolle dieser Krankheiten die Gesundheit von Menschen, Tieren und dem gesamten Ökosystem eng verbunden sein kann, zeigt das Rifttalfieber besonders deutlich.

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