Archiv

Risse im grünen Image

Hamburg pflegt sein grünes Image - und trotz der geplanten Elbvertiefung und anderer umweltschädlicher Einschnitte, darf sich die Stadt 2011 mit dem Titel "Umwelthauptstadt" schmücken. Die ehemalige schwarz-grüne Regierung wollte eigentlich den Beweis für gelungene Verquickung von urbanem Leben und Umweltschutz bringen.

Von Verena Herb | 29.12.2010

Hamburg ist Hauptstadt: Umwelthauptstadt Europas 2011. Im Februar 2009 bereits wurde die Hansestadt mit diesem Titel ausgezeichnet weil sie sich, so die damalige Begründung, ambitionierte Klimaschutzziele gesetzt habe, einen gut ausgebauten öffentlichen Personennahverkehr biete und mit Projekten wie der Hafencity zeige, dass eine wachsende Metropole nicht notwendigerweise die Zersiedelung der Landschaft verstärke. Zu jener Zeit war die politische Welt in Hamburg noch in Ordnung: Die CDU regierte mit den Grünen. Da war der Titel "Umwelthauptstadt Europas 2011" ein Sahnehäubchen für die Klima- und Umweltpolitik der Stadt. So erklärte der erste Bürgermeister Christoph Ahlhaus noch im letzten September:

"Das ist nicht irgendeine Utopie, eine Vision. Sondern das ist die Zukunftschance unserer Stadt. Und wir haben die einmalige Chance mit diesem Thema nämlich in dem wir diese große gesellschaftspolitische Herausforderung und Frage einer Versöhnung, einer Verbindung von Ökologie und Ökonomie hier beantworten."

Die Stadt habe sich nicht als grüne Idylle präsentiert, so Christoph Ahlhaus, sondern deutlich gemacht, das Hamburg mit einem Welthafen auch Industriestandort ist und selbstverständlich bleiben will. Also: Wieder einmal der Widerstreit von Ökonomie und Ökologie... und Hamburg ist dort Vorreiter? Will dort Vorreiter sein? So richtig versteht man sie noch nicht, diese Auszeichnung der "Umwelthauptstadt Europas 2011". Wohl deshalb rührt Christoph Ahlhaus anfangs fleißig die Werbetrommel, gerne unterlegt mit einem persönlichen Bekenntnis zum grünen Hamburg:

"Sie merken, dass mich das mit Herzblut erfüllt das Thema."

Viele Projekte, die in der Stadt vor allem unter der Ägide von schwarz-grün schon seit längerem geplant oder realisiert worden sind, stehen jetzt unter der Überschrift "Umwelthauptstadt". Zum Beispiel der geplante A7 Deckel. Neue Grünflächen die oberhalb der Autobahn entstehen sollen - die Trasse soll überdeckelt werden. Ein städtisches Fahrradleihsystem, was seit einem Jahr bereits erfolgreich läuft und ein Projekt, das im September 2009 noch auf der politischen Agenda stand.

"Das Thema Stadtbahn, das ist nun wahrlich eins, über das man reden muss und über das viele reden möchten in dieser Stadt. Und insofern ist das Thema Stadtbahn ein ganz wichtiges Dialogthema mitten im Umwelthauptstadtjahr... Und ich muss sagen: Ich glaube, das ist auch gut so."

Meinte vor einigen Monaten Anja Hajduk von den Grünen, damals Stadtentwicklungs- und Umweltsenatorin. Jetzt gehört sie nicht mehr dem Senat an. Schwarz-grün in Hamburg ist passé -und ebenso die Stadtbahn. Die hat Christoph Ahlhaus nach dem Bruch der Koalition im November als erstes abgesagt. Doch werden neue Vorhaben angegangen unter dem Zeichen "Umwelthauptstadt". Die Ziele: Mehr Klimaschutz in öffentlichen Gebäuden, Ausbau von Radwegen, und Elektromobilität soll gefördert werden. Seit neuestem gibt es Umwelttaxen in der Hansestadt. 2011 wird es viele Veranstaltungen geben: Diskussionen, Ausstellungen, Kooperationen. Die Stadt baue dort auf Ideen von Umweltverbänden und Unternehmen. Ein "Zug der Ideen" wird ab April kommenden Jahres durch Europa reisen: Insgesamt sieben rollende Ausstellungs-Container zu diversen Umweltthemen sollen bis September 2011 18 europäische Städte besuchen. Gesponsert wird diese Aktion von der Deutschen Bahn und dem Siemens-Konzern. Michael Westhagemann, Geschäftsleiter von Siemens für die Region Nord erklärt, für sein Unternehmen sei die Umwelthauptstadt mehr als reine Werbefläche:

"Weil wir wollen deutlich machen mit unseren Produkten und Lösungen, die wir teilweise in Hamburg schon eingesetzt haben. Um Aufmerksamkeit zu erzeugen auch bei anderen Städten, allerdings auch international."

Schon bevor das Jahr der Europäischen Umwelthauptstadt beginnt, gibt es erste Konflikte: Eben wegen des Engagements von Siemens als Sponsor hat der Umweltverband BUND am Tag der Präsentation des "Zugs der Ideen" erklärt, er ziehe sich aus allen bereits geplanten Kooperationsprojekten mit der Stadt zurück. Es sei unerträglich, dass eine europäische Umwelthauptstadt ein Unternehmen zum Hauptsponsor mache, das wie kein anderes für den Bau von Atomkraftwerken stehe, sagte der Geschäftsführer des BUND Hamburg, Manfred Braasch. Am 14. Januar gibt es den Auftakt auf dem Rathausmarkt in der Hansestadt. Dann beginnt offiziell das Jahr Hamburgs als Hauptstadt der Umwelt.