Sonntag, 19. Mai 2024

Sachstandsbericht "Klimawandel und Gesundheit"
RKI erwartet infolge der Erderwärmung höheres Infektionsrisiko

Mit der globalen Erwärmung erhöht sich in Deutschland voraussichtlich das Risiko für Infektionskrankheiten. In einem Bericht des Robert Koch-Instituts heißt es, steigende Temperaturen hierzulande führten unter anderem dazu, dass krankheitserregende Bakterien sich besser vermehrten.

01.06.2023
    Petrischale mit unterschiedlichen Antibiotikaproben
    Durch den Klimawandel können Baktierien sich besser vermehren. (Archivbild) (pa/dpa/Sebastian Gollnow)
    Demnach sind nahezu zwei Drittel der in Europa vorkommenden Erreger von Infektionskrankheiten "klimasensibel", vermehren sich also bei zunehmender Wärme. Auch Tiere, die Erreger von Infektionskrankheiten übertragen könnten, breiteten sich verstärkt aus, schreibt das RKI im ersten Teil seines dreiteiligen Sachstandsberichts "Klimawandel und Gesundheit". Stechmücken übertrügen etwa das West-Nil-Virus, das sich schon seit Jahren in Deutschland ausbreite. Es könne im schlimmsten Fall das Nervensystem oder das Gehirn schädigen.
    Auch die Asiatische Tigermücke wird laut dem Sachstandsbericht klimabedingt in Deutschland häufiger auftreten. Sie kann Erreger von Dengue-Fieber und Gelbfieber oder das Zika-Virus an Menschen weitergeben. Zudem werden hierzulande neue Zeckenarten registriert, so etwa die Hyalomma-Zecke, die es seit einigen Jahren in Deutschland gibt. Sie kann die bakteriellen Erreger von Fleckfieber übertragen.

    "Risiken durch Anstieg bakterieller Resistenzen"

    Darüber hinaus bringt der Klimawandel den Autoren zufolge zahlreiche weitere Risiken mit sich - zum Beispiel durch einen Anstieg bakterieller Resistenzen oder durch die Vermehrung von Vibrionen im Wasser. Zu diesen zählt etwa das Bakterium "Vibrio vulnificus", das natürlicherweise in Meer- und Brackwasser vorkommt - vermehrt bei Temperaturen ab circa 20 Grad. Schon durch sehr kleine Wunden könne dieser Erreger in die Haut eindringen, schreibern die Forscher. Bei älteren Menschen oder Personen mit geschwächtem Gesundheitssystem könne dies zu schwersten Wundinfektionen oder Blutvergiftungen führen.

    "Klimaschutz ist der effektivste Gesundheitsschutz"

    Für die Gesundheit der Bevölkerung könne das alles zum Problem werden, so der Bericht: "Wir stehen vor einer wirklich großen Herausforderung für unser Gesundheitswesen". Um klimabedingte Gesundheitsrisiken für Menschen in Deutschland künftig zu verringern, ist es laut den Wisssenschaftlern einerseits wichtig, dass die Bevölkerung sich über diese Entwicklung informiert und sich etwa durch Impfungen schützt. Andererseits müsse versucht werden, die globale Erwärmung so gering wie möglich zu halten. Denn: "Klimaschutz ist der effektivste Gesundheitsschutz".

    90 Autorinnen und Autoren

    Teil zwei und drei des Sachstandsberichts "Klimawandel und Gesundheit" will das RKI im Lauf des Jahres veröffentlichen. Für die Studie haben mehr als 90 Autorinnen und Autoren aus rund 30 Forschungseinrichtungen und Bundesbehörden Erkenntnisse zur Auswirkung der Klimaveränderungen auf körperliche und psychische Krankheiten sowie zu den Gesundheitsfolgen von Hitzewellen, Wassermangel, Waldbränden oder Ernteausfällen zusammengetragen. Das Bundesgesundheitsministerium fördert das Projekt. Die Handlungsempfehlungen richten sich an das Gesundheitswesen und die öffentliche Verwaltung.
    Diese Nachricht wurde am 01.06.2023 im Programm Deutschlandfunk gesendet.