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Roboter auf Terroristenhatz

Technik. - Schwachstellen, an denen Angreifer zuschlagen könnten, gibt es viele, doch die Ressourcen zu ihrer Überwachung sind begrenzt. Daher entwickeln zahlreiche Spezialunternehmen Lösungen, um große Gepäck- oder Menschenmengen effizient auf Gefahren zu durchforsten.

Von Michael Gessat |
    Sicherheit hat ihren Preis. In diesem Fall gerät eine allzu labile Frisur eventuell leicht in Unordnung, wenn man als Prüfling die Durchgangsschleuse der Firma "Smiths" passiert. Dafür hat die Sache eine erfrischende Wirkung. Der Zweck ist allerdings ein anderer, erklärt Günter Schneider auf der Sicherheitsschau Security 2006 in Essen:

    "Die Partikel, die an Ihrem Körper sein können, also Sprengstoff oder irgendwelche Drogen, sollen sich lösen über die Schwerkraft, nach unten fallen, unten wird die Luft angesaugt, komprimiert und analysiert, und da kann man dann feststellen, ob sie mit Sprengstoff oder Drogen hantiert haben. "

    Der Test auf Sprengstoff und Drogenspuren für Flugzeugpassagiere ist momentan noch nicht Standard. Aber das könnte sich schon bald ändern. Was auf jeden Fall Einzug in die Kontrollbereiche der Airports hält, ist die Verschärfung der Handgepäckkontrolle. Bei den vereitelten Londoner Anschlagsplänen wollten Terroristen angeblich Flüssigsprengstoff in die Maschinen schmuggeln, und da hilft die optische Kontrolle mit Röntgensichtgeräten nicht weiter.

    "Wir haben mehrere Röntgengeneratoren in dem System, die so angeordnet sind, dass wir das Atomgewicht und die Dichte bestimmen können. Über diese zwei Kennwerte errechnen wir automatisch über spezielle Algorithmen, in welchem Bereich das Material liegen könnte und können so sagen, dass es zum Beispiel gefährliche Stoffe sind, Sprengstoff zum Beispiel. Und zwar unabhängig von festen Stoffen oder flüssigen Stoffen."

    Das Ganze funktioniert in Echtzeit. Geschwindigkeit ist bei der Handgepäckkontrolle das A und O, denn sonst legt der zusätzliche Sicherheitsaufwand schlicht und ergreifend den Flughafenbetrieb lahm. An die vielen Kameras hat man sich als Passagier schon gewöhnt, sie sind allgegenwärtig. Von Mohammed Atta und seinen Terror-Mitstreitern des 11. September konnte man sich hinterher die aufgezeichneten Bilder anschauen. Und auch die Kofferbomber, die jüngst um ein Haar für eine Katastrophe in deutschen Regionalzügen gesorgt hätten, wurden ausführlich gefilmt. Nur im Moment der Aufzeichnung konnten die Bilder noch keinen Verdacht erregen. Oder etwa doch? Die Software "Spirit Assist" verspricht, salopp gesagt, die automatische Terroristenerkennung. Erik Fuhrmann von "Bachler and Partners":

    "Von den fast 800 Anschlägen mit Fliegern, wobei mehr als ein Passagier getötet wurde: Bei den Terroristen war eine nur Frau dabei. Eine interessante Information, weill alle Frauen kontrolliert werden am Flughafen. Noch ein Beispiel: Ich sehe Sie an - kein Brillenträger war dabei. Von all den 800 Anschlägen: Keiner war dabei, der später als 45 Minuten vor Check-In-Schluss eingecheckt hat. Das bedeutet, alle, die danach einchecken würden, haben ein anderes "Potentiell-Gefährlichkeits-Profil"."

    Die Sache ähnelt dem so genannten Scoring bei der Kreditvergabe. Bestimmte Merkmale werden festgestellt, gewichtet, zusammengezählt. Wer einen Grenzwert überschreitet, der ist auffällig und sollte zum Beispiel vom Sicherheitspersonal noch einmal genauer unter die Lupe genommen werden. Die meisten Parameter sind geheim, aber ein paar Hinweise gibt Fuhrmann doch noch: Könnte die Körpertemperatur interessant sein? Oder die Pupillengröße? Auch beim Ansatz des Firma NEC geht es darum, etwas aus der Bilderflut zu machen, die durch die Videoüberwachung entsteht. Hinter der Software steckt ein neuronales Netz, das selbsttätig bestimmte Muster oder Vorgänge erkennt: herum lungernde Personen, stehen gebliebenes Gepäck, Personenansammlungen oder auseinander flüchtende Menschen. Und dann kann das Überwachungspersonal zielgerichtet auf Trab gebracht werden. Frank Godee von NEC:

    "Momentan haben wir die 20, 30, 40 Monitore hängen an der Wand. Sieht alles wunderbar aus. Aber ein Mensch ist nicht in der Lage, länger als 30 Minuten richtig konzentriert auf alle diese Schirme zu gucken und alles, was da passiert."

    Die letztendliche Bewertung einer möglichen Gefahr trifft, nach aller Unterstützung durch die Maschinen, dann doch noch der Mensch. Bisher jedenfalls.