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StartseiteWirtschaft am MittagTrotz Verlusten optimistisch23.06.2015

Rocket InternetTrotz Verlusten optimistisch

Die Start-up-Schmiede Rocket Internet hat ihre erste Hauptversammlung abgehalten. Firmenchef Oliver Samwer ist trotz Verlusten von 46 Millionen Euro im vergangenen Jahr zuversichtlich: " Wir möchten die größte Plattform außerhalb der USA und Chinas im Internet werden," kündigte Samwer an.

Von Anja Nehls

Rocket Internet-Vorstand Oliver Samwer bei der Vorstellung der Börsen-Pläne in Frankfurt am Main. (dpa / picture-alliance / Boris Roessler)
Rocket Internet-Vorstand Oliver Samwer will das Kapital in den nächsten Jahren um bis zu zwei Milliarden Euro erhöhen. (dpa / picture-alliance / Boris Roessler)
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Die Firma Rocket Internet und ihre Aktivitäten sind nicht unumstritten. Die Firma ist ein Inkubator für Start-ups und gründet Firmen im Internet und Mobilfunkbereich nach dem Baukastenprinzip. Häufig werden Geschäftsmodelle kopiert, die anderswo bereits erfolgreich sind. In 110 Ländern ist Rocket an Dutzenden Firmen beteiligt. Im Oktober war das Unternehmen an die Börse gegangen. Der Wert der Aktie liegt aber zurzeit deutlich unter dem Ausgabepreis von 42,50. Den größten Teil der Aktionäre scheint das aber erst mal nicht zu beunruhigen:

"Ich finde das gar nicht so schlimm, ist eine Aktie, geht eben immer hoch und runter und bei Rocket ist es noch mal mehr, dadurch, dass es manchmal nicht so ganz durchsichtig ist, was denn nun genau zum Wert beiträgt und was nicht, da muss man der Aktie auch mehr Zeit geben, um mehr Wertentwicklung zu zeigen.

"Das ist rein spekulativ, da kann man auch nur Geld investieren, auf das man eventuell verzichten kann. In solchen Sachen muss man Geduld haben."

"Die Zeit an der Börse ist ja noch sehr kurz und da kann man noch nicht viel sagen und nicht viel erwarten, aber die Firma hat ja ausreichend Liquidität, also muss man sich nicht kurzfristig fürchten, dass die untergehen."

Alle Jungfirmen schreiben rote Zahlen

Davon ist auch Vorstand und Gründer Oliver Samwer fest überzeugt. Seit 2007 gibt es Rocket Internet. Gründungen von Rocket Internet sind unter anderem das Spieleportal bigpoint, der Fotodienstleister myphotobook.de, das Studentennetzwerk studiVZ.net, das Reiseportal trivago und die Modefirma Zalando - die ebenfalls bereits an der Börse ist, wesentlicher erfolgreicher als die Mutter Rocket Internet und gerade in den M-Dax aufgestiegen. Bis zu zehn Firmen gründet Rocket Internet pro Jahr - die meisten in durchschnittlich 100 Tagen. Chef Oliver Samwer hat eine Vision:

"Wir möchten die größte Plattform außerhalb der USA und Chinas im Internet werden."

Bisher schreiben allerdings alle Jungfirmen, an denen Rocket Internet beteiligt ist, rote Zahlen. Dazu gehören unter anderem die Möbelhändler Westwing und Home24 sowie die Essens-Lieferdienste HelloFresh, Foodpanda und Delivery Hero. Rocket Internet machte 2014 einen Verlust von 46 Millionen Euro - nach einem Gewinn von 147 Millionen Euro im Jahr 2013. Das liegt laut Unternehmen am Börsengang und daran, dass es im vergangenen Jahr keine größeren Firmenverkäufe gab. Oliver Samwer sieht in den von ihm gegründeten E-Commerce-Unternehmen aber fast grenzenloses Potenzial:

"Warum machen wir Essenslieferdienst, warum machen wir HelloFresh? Weil das ein Markt ist von über 300 Milliarden US-Dollar. Dasselbe ist im Fashion- im Modebereich, 174 Milliarden, im allgemeinen Konsumgüterbereich 182 Milliarden. Das sind unheimlich große Märkte, die immer noch am Anfang stehen und die jetzt durch das Mobiltelefon eine Beschleunigung erfahren."

Um weitere Expansion zu ermöglichen und die Verluste zu kompensieren, will Samwer sein Kapital in den nächsten Jahren um bis zu zwei Milliarden Euro erhöhen. Dies soll mit Schuldverschreibungen geschehen, die später in neue Aktien umgewandelt werden können. Einen entsprechenden Beschluss sollen die Aktionäre heute fassen.

Beim Börsengang im Oktober hatte Rocket 1,4 Milliarden Euro bei Investoren eingesammelt. Im Februar gab es eine Kapitalerhöhung von knapp 590 Millionen Euro.

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