Konzertdokument der Woche 10.11.2019

Roger Norrington dirigiert das DSOStolz und HeimwehAm Mikrofon: Marie König

Ein Porträt des Dirigenten Sir Roger Norrington (Manfred Esser)Der britische Dirigent Sir Roger Norrington konnte 2019 seinen 85. Geburtstag feiern. (Manfred Esser)

Erst jenseits der 50 entschloss sich Bohuslav Martinů, seine erste Sinfonie zu schreiben. Innerhalb weniger Jahre folgten noch fünf weitere. Dirigent Sir Roger Norrington und das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin setzen ihren Martinů-Zyklus mit der Dritten fort, dieses Mal ergänzt von Mozarts „Prager“-Sinfonie.

"Die dritte Sinfonie ist mein Stolz. Sie ist tragisch in der Stimmung, und ich hatte sehr viel Heimweh, als ich sie schrieb. Ich halte diese Sinfonie für meine erste richtige Sinfonie." 1945 wurde Bohuslav Martinůs Dritte in Boston uraufgeführt. Der tschechische Komponist war vor den Nationalsozialisten dorthin geflohen. Obwohl er herzlich aufgenommen wurde und mit dem Boston Symphony Orchestra einen prominenten Interpreten seiner Werke gefunden hatte, plagte ihn das Heimweh nach Polička, seinem Geburtsort in Ostböhmen.

Von Heimweh konnte bei Mozart keine Rede sein, als er im Jahr 1787 nach Prag reiste, um selbstbewusst seine Sinfonie in D-Dur zu präsentieren. Verglichen mit den Wienern, waren die Prager ohnehin seine größeren Fans. Vielleicht liegt es am dramatischen Ton der D-Dur Sinfonie, dass auch dieses Werk von den opernliebenden Böhmen umjubelt wurde. Mozart-Forscher Martin Geck ist der Meinung, dass der "Kopfsatz als vorweggenommene Ouvertüre zum "Don Giovanni" durchgehen könnte."

Wolfgang Amadeus Mozart
Sinfonie Nr. 38 D-Dur, KV 504 "Prager"

Bohuslav Martinů
Sinfonie Nr. 3

Deutsches Symphonie-Orchester Berlin
Leitung: Sir Roger Norrington

Aufnahme vom 3.11.2019 aus der Philharmonie Berlin

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