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StartseiteRock et ceteraVon Schweinen und Despoten01.07.2018

Roger Waters in KölnVon Schweinen und Despoten

Die Musik von Pink Floyd ist zwar steinalt, live aber quicklebendig: David Gilmour spielt bei seinen Konzerten viel Floyd-Repertoire, Schlagzeuger Nick Mason hat sogar eine Coverband gegründet, und Bassist Roger Waters widmet seine aktuelle Tour auch Pink Floyd-Alben, vor allem aber: Donald Trump.

Von Kai Löffler

Roger Waters bei ein einem Konzert im Oktober 2016. (imago/ZUMA Press)
Roger Waters bei ein einem Konzert im Oktober 2016. (imago/ZUMA Press)

Musik: "Speak to Me"

Das Licht geht aus, ein dumpfer Herzschlag tönt aus der PA der Lanxess-Arena. Und vermutlich weiß jeder im Saal, was das heißt - immerhin beginnt so eins der besten - und erfolgreichsten - Alben der Rockgeschichte.

"The Dark Side of the Moon" ist eine Art Gerüst für Roger Waters Konzert; aus ihm stammen die ersten und die letzten Songs des Konzerts, nach "Us and Them" hat er seine Tour benannt, und abgesehen von zwei Instrumentals spielt er das komplette Album. Dabei steht er zunächst zurückhaltend am Bühnenrand und spielt Bass - mehrere Songs vergehen, bevor Waters zum ersten Mal hinter das Mikrofon und ins Rampenlicht tritt.

Musik: "Welcome to the Machine"

Umso mehr ist Gitarrist Jonathan Wilson gefordert, der die Gesangsparts von David Gilmour übernimmt. Überhaupt hat sich Waters eine gute Band zusammengestellt; neben Wilson, der schon auf dem Album gespielt hat, hat er unter anderem den ehemaligen Pink Floyd-Tour-Keyboarder John Carin an Bord geholt und Lead-Gitarrist Dave Kilminster, der auch mit Steven Wilson gespielt hat. Als der 74-jährige Waters dann bei "Welcome to the Machine" endlich selber singt, macht sich Erleichterung breit - er kann es noch. Die Akustik bei Konzerten in der Lanxess-Arena ist oft problematisch. Waters' Tontechniker ist aber eine erstaunlich gute Abmischung gelungen: transparent, druckvoll und dabei nicht zu laut. Die einzige Achillesverse sind die beiden Gitarren: Jonathan Wilson geht im Mix ein wenig unter, und die Kilminsters Soli klingen gerade in der ersten Konzerthälfte etwas zu schrill.

Choreografie sitzt nicht ganz

Aber auch wenn die Veranstaltung "Us and Them" heißt, stehen auf der Bühne nicht Pink Floyd, sondern Roger Waters. Und da der Herr vor kurzem ein neues Album veröffentlicht hat, spielt er daraus eine Handvoll Songs. Wer auf Musik von "Amused To Death", "Pros & Cons of Hitchhiking" oder "Radio Kaos" gehofft hat, geht dagegen leer aus. Für Songs aus "The Wall" holt sich Waters eine Gruppe von Kindern auf die Bühne. Die Choreografie sitzt nicht ganz - und das obwohl jemand im schwarzen Tarnanzug den Kindern die Bewegungen vortanzt - aber charmant ist es trotzdem. Und das bis dahin etwas lethargische Publikum kommt bei "Another Brick in the Wall" zum ersten Mal in Fahrt. Und dann ist erst mal Pause.

Bilder von Despoten und Krieg und Elend

Die erste Hälfte der Show war, ungewöhnlich für Waters, größtenteils unpolitisch, aber damit ist in der zweiten Hälfte Schluss. Eine Mauer aus Leinwänden teilt, im rechten Winkel zur Bühne, den Zuschauerraum in zwei. Darauf projiziert sind Bilder von Despoten und Krieg und Elend, und Waters macht auch aus seiner Meinung zum Kapitalismus keinen Hehl. Während des Songs "Pigs" trägt Waters eine Schweinemaske und Plakate mit Aufschriften wie: "Pigs Rule the World, Fuck The Pigs". Dazu kreist ein fliegendes Schwein mit den Dimensionen eines Minibus über der Bühne. In der zweiten Hälfte spielt Waters vor allem Musik der Alben "Animals" und "Dark Side of the Moon". Den größten Applaus des Abends bekommt er aber für den Satz "Donald Trump ist ein Schwein", der in riesigen Lettern die Leinwand füllt. Bis dahin ist Waters stumm geblieben, vor der Zugabe - natürlich "Comfortably Numb" - hält er aber dann doch noch eine Ansprache.

Roger Waters: "And now for the Comedy Section..."

Seit etwas mehr als zehn Jahren unterstützt Waters die kontroverse Bewegung BDS, die Rechte für Palästinenser durch den Boykott von Israel erzwingen will. Einige Kritiker nennen BDS antisemitisch und so hat die Unterschriftenaktion einer Kölner Bürgerin den WDR und in Folge zwei weitere ARD-Sender dazu bewogen, sich von Waters zu distanzieren. Für Waters ist das eine Frage von Menschenrechten und Doppelstandards, und so findet er einen stimmigen Bogen: Die Show, deren zweite Hälfte der Show mit "Animals" angefangen hat, endet mit einem Zitat aus George Orwell Animal Farm:

Roger Waters: "She believes that some animals are more equal than others. They. Are. Not."(Applaus)

Musik: "Comfortably Numb"

Einige Zuschauer klatschen betont laut, andere verschränken demonstrativ die Arme. Beim Thema Weltpolitik findet sich kein gemeinsamer Nenner - weder in den Vereinten Nationen noch in der Lanxess-Arena. Immerhin schafft Waters mit "Comfortably Numb", was die Nahost-Politik seit Jahrzehnten vergeblich versucht - er bringt das gespaltene Publikum wieder zusammen. Bei allen Streitigkeiten ist man sich zumindest über eines eben doch einig: die Musik von Pink Floyd.

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