Dienstag, 23.07.2019
 
Seit 13:00 Uhr Nachrichten
StartseiteCorsoDie Liebe zum Vanillepudding17.02.2015

Roger WillemsenDie Liebe zum Vanillepudding

Mein Klassiker

Weich, gelb, warm: Roger Willemsens Klassiker ist der Vanillepudding. Obwohl er sich manchmal gegen ihn wehrt - seit seiner Kindheit wird er ihn nicht los. Und er prophezeit: Er wird ihn bis in den Tod begleiten.

Von Roger Willemsen

Roger Willemsen (picture alliance / dpa)
Roger Willemsen (picture alliance / dpa)

Hallo, hier ist Roger Willemsen, mein Klassiker ist der Vanillepudding.

Ich schüttel' selber den Kopf darüber, dass es der Vanillepudding ist, dabei - wenn ich genau nachdenke - dann habe ich schon als Kind Breichen besonders gerne gegessen, weshalb man mich lauf-kau-faul nannte: Ich wollte weder gehen noch kauen. Der Vanillepudding war ideal. Ich saß irgendwo in der Ecke und konnte mir diesen Schleim durch beide Mundwinkel runterlaufen lassen, mochte die Konsistenz, mochte die Farbe; überhaupt ist die Farbe Gelb eigentlich nur bei Eierlikör und bei Vanillepudding gut, und außerdem hatte es diese halbwarme Konsistenz, die schon fast körperwarm war.

In späteren Jahren bin ich in Wohngemeinschaften dadurch aufgefallen, dass ich nachts nach Mitternacht Vanillepudding kochte und man mir sagte: "Willemsen, du kannst doch nicht normal sein".

Noch heute stehe ich manchmal in meiner Küche und denke: Welches Nahrungsmittel passt jetzt in meinen Mund. Und was mach' ich? Vanillepudding muss her.

Einmal habe ich auf Tonga Vanillestangen mitgebracht in einem Gewicht von einem Kilo, die ich habe verzollen müssen. Seither wird der Vanillepudding, den ich aufkoche mit realer Vanille noch einmal veredelt. Manchmal schlage ich sogar noch ein Ei herein. Es gibt kein einziges Gericht, bei dem ich so mit Raffinesse vorgehe, wie ausgerechnet beim Vanillepudding.

Ich finde, dass der Vanillepudding einen Körper hat: Er darf halb warm gegessen werden, er darf eine Haut bilden, die ich überall entsetzlich fände - außer bei Frauen - aber diese Haut des Vanillepuddings, auf die man mit drei Fingern so ein ganz kleines bisschen draufklatschen kann, und dann ist sie so einem freundlich in der Kuppe entgegenkommend - ach, das ist ein Gefühl!

Dann weiß man, man könnte sie mit den Fingern auch nehmen und könnte sie sich einführen durch neun Leibeslöcher und durch sieben von ihnen käme er wieder raus.

Das ist mein Klassiker: Vanillepudding.

Ich wehre mich manchmal gegen ihn. Wenn ich versuche, reif zu sein, versuche ich irgendwie zu altern ohne Vanillepudding, aber ich weiß schon: Wenn Gevatter Tod kommt, was wird er in seinem Beutel für mich haben? Vanillepudding!

 

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk