
In "Gittersee" geht es um die Stasi-Überwachung und den DDR-Alltag Mitte der 1970er Jahre in Dresden-Gittersee. Der Schriftsteller Ingo Schulze, aufgewachsen in Dresden, warf der 1992 in Baden-Württemberg geborenen Autorin inhaltliche, sprachliche und historische Ungenauigkeiten vor und erstellte eine sogenannte Mängelliste. Diese stellte er zunächst dem Verlag zur Verfügung. Später erreichte sie aber auch Jurymitglieder des Deutschen Buchpreises. „Gittersee“ war in der Vorauswahl für den besten deutschsprachigen Roman.
Eine Recherche des Deutschlandfunks hat jetzt offengelegt, wer die Liste weitergeleitet hat: Es war der Autor Frank Witzel - und zwar mit der Erlaubnis von Schulze. Dieser hatte 2023 noch abgestritten, der Weitergabe zugestimmt zu haben. Klar ist, dass „Gittersee“ nicht in die Endauswahl der letzten sechs Bücher für den Buchpreis kam. Ob die vermeintlichen „Ungenauigkeiten“ die Jury beeinflusst haben, ist aber unklar. Die damalige Juryvorsitzende bestreitet einen Effekt.
Diese Nachricht wurde am 23.04.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
