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StartseiteCorsoZwischen Dada, Kunst, Hip-Hop und Techno21.09.2015

RomanoZwischen Dada, Kunst, Hip-Hop und Techno

Roman Geike hat zwischen Techno, Drum 'n' Bass und Schlager schon einiges probiert. Dazu ist der Berliner Musiker auch ein talentierter Rapper. Unter seinem Künstlernamen Romano hat er das Album "Jenseits von Köpenick" produziert - ein Werk zwischen Dada und Kunst, Hip-Hop und Techno.

Von Thomas Elbern

Der Musiker Romano alias Roman Geike beim Melt-Festival im Jahr 2015. (imago/STAR-MEDIA)
Der Musiker Romano alias Roman Geike beim Melt-Festival im Jahr 2015. (imago/STAR-MEDIA)

"Also das Ding ist, ich fühl mich total wohl, auch jetzt hier in unserem Gespräch, weil ich authentisch sein kann. Ich kann zu 100 Prozent der sein, der ich bin. Das ist aber für viele Leute unfassbar, dass es da einen gibt, der so offen ist und so viele Dinge miteinander vereint, aber das ist meine Sozialisierung. So bin ich entstanden, so bin ich gewachsen, so bin ich geworden und fühl mich damit extrem wohl. Ich seh das so wie eine Zugfahrt, ich bin so der Zugführer, wer Lust hat, steigt mit ein, wer keine Lust hat, steigt wieder aus, oder fährt erst gar nicht mit. Das ist so mein Angebot an die Welt, mein Zug für die Leute, der so durchfährt von Stadt zu Stadt."

Und der hat gerade ziemlich Fahrt aufgenommen. Rapper Romano scheint mit seiner ganz eigenen Version von Hip-Hop, die er auf "Jenseits von Köpenick" präsentiert, einen Zeitgeist getroffen zu haben. Eine große Rolle im Romano-Unversum spielt dabei, wie der Titel seines Albums schon verrät, der Berliner Stadtteil Köpenick - sein Köpenick.

"Ich wollte eine Ode an meinen Stadtteil machen"

Triste Plattenbausiedlungen, Ein-Euro-Läden, Spielplätze ohne Kinder, spießige Kleingärten. Romano zeigt uns in seinen Videos ein trendfreies Köpenick, das aus einem deutschen Arthousefilm stammen könnte. Und doch, oder vielleicht deswegen, ist es der Dreh und Angelpunkt im Universum des Rappers.

"Ich wollte eine Ode an meinen Stadtteil machen. Ich bin da geboren, bin sechs mal umgezogen und hab dann mal irgendwann überlegt: Sechs mal im gleichen Stadtbezirk? Irgendwas ist doch da dran. Dann habe ich überlegt, was es sein kann. Das war eine Faszination, das ich festgestellt hab, das da auch eine Liebe verankert ist. Als ich es dann nochmal realisiert hab, krass du bist immer noch da, du willst gar nicht weg, du liebst doch diesen Ort, dann war das meine Liebeserklärung an Köpenick."

Vom Schlagersänger bis zum Rapper, sieht man sich die musikalische Vergangenheit von Romano an, so scheint er so einige musikalische Stationen durchlaufen zu haben. Als der damals Zwölfjährige im Ostteil der Stadt die Wende erlebt hat, war das für ihn wie der Blick in ein neues Universum.

"Seit 87 hat man's brodeln gemerkt. Als die Mauer gefallen ist, all diese neuen Einflüsse. Das war phänomenal, das war unfassbar, so ein kleiner Stuppi rennt in die Welt. Ich war gefixt durch die Westprodukte, war Fan von Masters of the universe, es roch gleich alles nach Ariel, das war erst mal faszinierend. Ich fand die Technobewegung hochinteressant, die plötzlich mit entstanden ist, die zweite Sache war der Hip-Hop und dann natürlich auch der Metal. Und all das ist über Freunde gewachsen, jeder hat versucht, etwas kreativ zu entwickeln. Kreativ aggressiv, weil gleichzeitig auch diese aggressive aber auch die kreative Stimmung da war, und das war für mich als Jugendlicher dann natürlich hochinteressant und hoch brisant, das hat sich dann ab 95/96 langsam gelegt."

Kein Gangsterrapper

Dieser Typ aus Köpenick, das ist gerade ein Segen für die deutsche Musikszene. Kein Gangsterrapper, aber trotzdem authentisch, kein Comedytyp, aber trotzdem voller Humor und Wortwitz. Ein kleines Highlight seines Albums ist der Song "Straße", da darf es dann auch etwas düsterer werden.

"Ich wollte so ein bisschen eine Mad Max, eine abstrakte, eine futuristische Stimmung einer Endzeitvision spinnen. 'Alle wollen nach oben, ich sinke tiefer, mit goldener Bomber und dreckigen Sneakern.' Ich habe auch das Gefühl, alle probieren diesen Goldapfel zu erhaschen, aber nein, es geht tiefer. Das hat auch dieses Melancholische, aber auch gleichzeitig dieses Düstere, das ist Charles Baudelaire, das ist Edgar Allen Poe, das ist Lovecraft. Sachen, die ich gerne lese."

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