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StartseiteFirmenporträtZwischen Duft und Haltbarkeit15.04.2016

RosenzuchtZwischen Duft und Haltbarkeit

Reihe: Alles blüht

Rosen sind anspruchsvolle Pflanzen. Das Geschäft mit ihnen ist nicht einfach und wegen der Konkurrenz aus Afrika ist der Kostendruck immens. Ein Rosenzüchter in Münster hat aber seinen Weg gefunden, um damit umzugehen. Nur ein Problem bei seinen Zuchtrosen konnte er nicht lösen.

Von Annette Eversberg

Ein Strauß rosafarbener Rosen. (Deutschlandradio / Ellen Wilke)
Ein Strauß rosafarbener Rosen. (Deutschlandradio / Ellen Wilke)
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Geschäftsbetrieb bei Rosen Pohlmeyer: "Guten Tag. Hallo. Wär so was recht? Ja, die gehen auch. Die Dunkelroten eventuell. Gemischte, wenn es geht." Bei Rosen Pohlmeyer am Rande von Münster in Westfalen hat die Saison für die Rosen schon begonnen. Im Kühlhaus stehen die Rosen, die sich die Kunden aussuchen können. Erst am Morgen wurden sie geschnitten, sagt Firmenchef Ralf Pohlmeyer. Er öffnet die Tür zu einem der drei langgestreckten Gewächshäuser. "Wo jeweils ein Gewächshaus eineinhalbtausend Quadratmeter hat", zählt er auf, "4.650 Quadratmeter reine Anbaufläche."

Für insgesamt 32.000 Rosenstöcke. Rosen soweit das Auge reicht. Es sind spezielle Züchtungen für die Produktion von Schnittrosen. Das war nicht immer so. Früher wuchsen bei Pohlmeyer Nelken, die heute nicht mehr im Trend liegen. Auch mit Amaryllis und Salat war nicht mehr genügend zu verdienen. "Irgendwann Ende der 80er-, Anfang der 90er-Jahre mussten wir uns irgendwas suchen, was den Verkauf etwas mehr ankurbelte", erinnert sich der Chef, "dann sind wir mit einem Teil Rosen angefangen. Und dann haben wir festgestellt, dass das sehr gut lief und dann sind wir in den nächsten fünf, sechs Jahren komplett auf Rosen umgestiegen."

Moderne Rosenkulturen

Früher wuchsen die Rosen auf dem Boden. Heute teilen sich etwa 150 Pflanzen einen länglichen Kasten, den Ralf Pohlmeyer "Rinnen" nennt: "Rinnen mit einem Vulkangestein, das relativ neutral ist. Dort werden die Rosen reingepflanzt. Das hat den Vorteil, dass man eine einfache Kulturführung hat", erklärt Pohlmeyer, "in diesem Rinnensystem ist es möglich, das Wasser und den Dünger so zu dosieren, wie es die Pflanze braucht."

Fast alle der langstieligen Rosen stehen in der Knospe. Doch sie duften kaum. Der Gärtner schmunzelt. "Wir haben das große Problem in der Züchtung, dass wir Duft und Haltbarkeit nicht miteinander kombinieren können. Das heißt, es gibt sicherlich Sorten, die duften, deren Haltbarkeit ist aber derartig gering, dass es im Laufe der Jahre immer weniger wird mit dem Duft." Den richtigen, kolossalen Duft, räumt der Rosenzüchter ein, den finde man nur noch in Gärten mit den englischen Sorten.

In den Gewächshäusern von Rosen Pohlmeyer stehen heute 45 verschiedene Sorten. Wie bei den Gartenrosen hat jede Rosensorte einen klangvollen Namen. Zu lesen auf den schwarz-weißen Schildern, die an Stangen unterhalb der Glasdächer des Gewächshauses hängen. Sugar lips für eine rosafarbene Rose, oder Graceland in Orange. Die Golden Gate ist gelb, die Prestige rot und die Revue sogar zweifarbig. Wie die Rosen aber wachsen, bestimmt nicht nur die Hand des Gärtners. Auch über die Wetterstation auf einem der Glasdächer wird letztlich gesteuert, wie die Rosen gedeihen. "Das ist eine Wetterstation", beschreibt Pohlmeyer, "die hat Regenmesser." So wisse der Gärtner, wie viel Regen gefallen sei. Die Windgeschwindigkeit werde gemessen, damit die Lüftungsklappen nicht aufgehen. "Was auch entscheidend ist", erklärt Pohlmeyer, " ist die Sonneneinstrahlung. Denn je höher die Sonneneinstrahlung ist, desto mehr wird gegossen."

Nachhaltige Produktion

In den Glashäusern ist es angenehm warm bei 18 Grad. Es kommt auf die Feinsteuerung an, die die Rosen vor zu viel Sonne, aber auch vor zu viel Wasser schützt. Um jede Rinne laufen Rohre. Dort wird das Wasser für die Rosen transportiert und bedarfsgerecht ausgegossen. Ausschließlich Regenwasser. Was zu viel ist, wird wieder aufgefangen und später recycelt. Die Schädlingsbekämpfung erfolgt inzwischen zu 90 Prozent ökologisch, betont Pohlmeyer. Dafür werden auch von Hand nicht brauchbare Seitentriebe entfernt. "Dann geht man einfach entlang und knickt das raus", erklärt der Firmenchef, "dann hat man die Seitentriebe." Die würden in Kisten gepackt, weggebracht – "raus aus dem Haus" -, um die Schädlinge gründlich zu entfernen. In ein Granulat gestreut, würden stattdessen Nützlinge zur Pflanze gebracht, die sich unter die Blätter setzten und den Schädlingen zu Leibe rückten, beschreibt Rosenzüchter Pohlmeyer.

Die Rosen sind dann schädlingsfrei. Mit kräftigen Blütenblättern. Geschnitten werden die Rosen während der Saison täglich, so gegen 7 Uhr. Die Gänge zwischen den Rinnen, in denen die Pflanzen wachsen, erleichtern die Arbeit. Vier bis sechs Rosen wachsen an jeder einzelnen Pflanze. Alle sechs Wochen kommen sie neu. 120 Rosen sind es im Schnitt pro Jahr.

Lückenlose Verarbeitung

Nach dem Schnitt werden die Rosen gleich sortiert. Im kühlen Keller. In einer Sortiermaschine. "Diese Maschine hat sieben Fächer, und die werden mit Lichtschranke nach Länge sortiert", erklärt Pohlmeyer. Von dort geht es wieder direkt ins  Wasser, damit in einem Strauß jede einzelne Rose so frisch bleibt wie die anderen.  

Darauf legt Ursula Pohlmeyer wert, die für den Verkauf zuständig ist. "Das sind unsere beliebtesten Sträuße", beschreibt sie den Trend, "die Sträuße in bunt. Wir stellen die zusammen. Wenn wir viele Rosen haben, werden die an der Maschine gleich bunt sortiert. Man hat schon mal, dass es in eine pinkige Richtung geht oder mehr in eine Orange-Richtung. Das machen wir natürlich auch. Aber sehr beliebt sind ganz bunte Sträuße."

30 Cent bis 1,50 Euro kostet bei Rosen Pohlmeyer eine Rose. Zu Saisonbeginn im März sind die ersten schon fest bestellt von den Kunden, die auch 30 Kilometer Anfahrt nicht scheuen, um frische Rosen zu bekommen. Um mit der Billigkonkurrenz aus Afrika mithalten zu können, dazu dient auch die Ruhezeit von November bis März. "Ab Ende November ist es so", erklärt Ralf Pohlmeyer, "dass die Lichtverhältnisse derartig schlechter werden hier in Deutschland. Und die Temperaturen sinken. Wenn man mal bei 18 Grad heizen müsste, wäre das nicht zu finanzieren und auch für den Kunden nicht attraktiv, weil dann Rosensträuße das Zwei- bis Dreifache kosten müssten. Zu der Zeit kommen halt viele Rosen aus Afrika." Diesen Preisdruck, räumt Firmenchef Pohlmeyer ein, könne eine deutsche Firma nicht mitmachen.

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