Die Frau lässt sich von einem verführen. Und der Glücklose entschwebt wieder vor schwarzem Vorhang. Er wird es wohl nie so recht schaffen.
In bezaubernd federleichte Bilder übersetzt der bislang zumeist in Frankreich tätige Regisseur Carlos Wagner Schönbergs aus der Zeit kurz vor dem ersten Weltkrieg stammenden Einakter "Die glückliche Hand" über einen Mann, der nicht zurecht kommt mit dem modernen Leben.
Seine Bühnenbildnerin Daphne Kitschen hat dafür einen weißen Bühnenraum mit einem kreisrunden Fußballfeld gebaut. Die akribisch von Schönberg in der Partitur notierten Farbvorgaben werden an die Rückwand projiziert. Es ist das Mittelstück dieser Schönberg-Trilogie unter dem Titel "Moderne Menschen" im Leipziger Opernhaus, das beste Stück. Im ersten Teil sieht man Schönbergs in den späten 1920iger Jahren entstandene, zwölftönige Anti-"Zeitoper" "Von heute auf morgen", für die der Komponist auch selbst das Libretto schrieb.
Es geht da um ein Ehepaar, das sich streitet und auch auszuprobieren versucht, was eine "zeitgerechte" Ehe wäre: mit tolerierten Seitensprüngen oder ohne. Zuerst liebäugelt der Mann damit, dann kokettiert die Frau. Am Ende versuchen sie es erneut als Alt-Paar.
Der Regisseur Immo Karaman lässt für seine Szene Hausrat von der Topfpflanze bis zur posierenden Model-Schönen auf ein Laufband setzen und - Achtung "Modern Times" - auf einem Fließband paradieren. Das ist zehn Minuten lang ein ganz erfrischender Effekt, trägt aber nicht die ganze erste Hälfte des Einstunden-Opus.
Am Ende lassen Karaman und sein Bühnenbildner Kaspar Zwimpfer das Paar auf einer Halde ihres Alltagsgerümpels am Frühstückstisch Platz nehmen. Das Alternativpaar versucht, aneinander Vergnügen zu finden und macht sich aus dem Staube. Beeindruckend in diesem Teil vor allem Hendrikje Wangemann als zwischen Hausfrau und Hetäre pendelndes Eheweib und Timothy Fallon als der schöne Tenor, mit dem sie ihren Mann heraus zu reizen versucht.
Am uninspiriertesten der Schlussteil: Schönbergs 1909 entstandenes Monodram "Erwartung". Die Geschichte einer Frau, die auf der Suche nach ihrem Geliebten durch den Wald irrt und ihn tot findet.
Sandra Leupold setzt die großartige Deborah Polaski einfach an einen Tisch, lässt sie vor sich hin sinnieren, mal sitzend, mal stehend, mal mittels einer Video-Kamera sich selbst bespiegelnd. Gegen Ende steigt sie noch auf den Stuhl. Dann verdämmert alles in einer Tonkonserve.
Minimalismus nennt man das wohl, mit dem wie Robert Wilson dies Stück mit Anja Silja mal inszenierte, kann es sich nicht entfernt messen. Dennoch Beifall, vor allem für Deborah Polaski, und auch für Axel Kober am Pult des Gewandhausorchesters.
Mit diesem "Moderne Menschen"-Schönberg-Dreiteiler, durch zwei Pausen freilich unnötig zerdehnt, versucht die Leipziger Oper nach dem abrupten Abgang des Intendanten Henri Maier sich zurückzumelden in die Riege beachtenswerter Häuser. Mit der Verpflichtung von Peter Konwitschny als künftiger Chefregisseur könnte das auch gelingen.
Mit Konwitschny, der im September ebenfalls mit Schönberg, seinem "Pierrot Lunaire", sich einführt, will man anknüpfen an die große Zeit der 1960er Jahre unter Joachim Herz und dann die Nachwendezeit unter dem freilich etwas glücklosen Intendanten Udo Zimmermann. Vom Publikum wurde diese Schönberg-Premiere gut angenommen. Ein Kassenknüller wird es wohl nicht.
Aber man darf ja hoffen - in Erwartung besserer Zeiten.
In bezaubernd federleichte Bilder übersetzt der bislang zumeist in Frankreich tätige Regisseur Carlos Wagner Schönbergs aus der Zeit kurz vor dem ersten Weltkrieg stammenden Einakter "Die glückliche Hand" über einen Mann, der nicht zurecht kommt mit dem modernen Leben.
Seine Bühnenbildnerin Daphne Kitschen hat dafür einen weißen Bühnenraum mit einem kreisrunden Fußballfeld gebaut. Die akribisch von Schönberg in der Partitur notierten Farbvorgaben werden an die Rückwand projiziert. Es ist das Mittelstück dieser Schönberg-Trilogie unter dem Titel "Moderne Menschen" im Leipziger Opernhaus, das beste Stück. Im ersten Teil sieht man Schönbergs in den späten 1920iger Jahren entstandene, zwölftönige Anti-"Zeitoper" "Von heute auf morgen", für die der Komponist auch selbst das Libretto schrieb.
Es geht da um ein Ehepaar, das sich streitet und auch auszuprobieren versucht, was eine "zeitgerechte" Ehe wäre: mit tolerierten Seitensprüngen oder ohne. Zuerst liebäugelt der Mann damit, dann kokettiert die Frau. Am Ende versuchen sie es erneut als Alt-Paar.
Der Regisseur Immo Karaman lässt für seine Szene Hausrat von der Topfpflanze bis zur posierenden Model-Schönen auf ein Laufband setzen und - Achtung "Modern Times" - auf einem Fließband paradieren. Das ist zehn Minuten lang ein ganz erfrischender Effekt, trägt aber nicht die ganze erste Hälfte des Einstunden-Opus.
Am Ende lassen Karaman und sein Bühnenbildner Kaspar Zwimpfer das Paar auf einer Halde ihres Alltagsgerümpels am Frühstückstisch Platz nehmen. Das Alternativpaar versucht, aneinander Vergnügen zu finden und macht sich aus dem Staube. Beeindruckend in diesem Teil vor allem Hendrikje Wangemann als zwischen Hausfrau und Hetäre pendelndes Eheweib und Timothy Fallon als der schöne Tenor, mit dem sie ihren Mann heraus zu reizen versucht.
Am uninspiriertesten der Schlussteil: Schönbergs 1909 entstandenes Monodram "Erwartung". Die Geschichte einer Frau, die auf der Suche nach ihrem Geliebten durch den Wald irrt und ihn tot findet.
Sandra Leupold setzt die großartige Deborah Polaski einfach an einen Tisch, lässt sie vor sich hin sinnieren, mal sitzend, mal stehend, mal mittels einer Video-Kamera sich selbst bespiegelnd. Gegen Ende steigt sie noch auf den Stuhl. Dann verdämmert alles in einer Tonkonserve.
Minimalismus nennt man das wohl, mit dem wie Robert Wilson dies Stück mit Anja Silja mal inszenierte, kann es sich nicht entfernt messen. Dennoch Beifall, vor allem für Deborah Polaski, und auch für Axel Kober am Pult des Gewandhausorchesters.
Mit diesem "Moderne Menschen"-Schönberg-Dreiteiler, durch zwei Pausen freilich unnötig zerdehnt, versucht die Leipziger Oper nach dem abrupten Abgang des Intendanten Henri Maier sich zurückzumelden in die Riege beachtenswerter Häuser. Mit der Verpflichtung von Peter Konwitschny als künftiger Chefregisseur könnte das auch gelingen.
Mit Konwitschny, der im September ebenfalls mit Schönberg, seinem "Pierrot Lunaire", sich einführt, will man anknüpfen an die große Zeit der 1960er Jahre unter Joachim Herz und dann die Nachwendezeit unter dem freilich etwas glücklosen Intendanten Udo Zimmermann. Vom Publikum wurde diese Schönberg-Premiere gut angenommen. Ein Kassenknüller wird es wohl nicht.
Aber man darf ja hoffen - in Erwartung besserer Zeiten.