Seit 04:05 Uhr Radionacht Information

Donnerstag, 24.09.2020
 
Seit 04:05 Uhr Radionacht Information
StartseiteHintergrund Wirtschaft (Archiv)Rückstände im Obstsalat17.12.2006

Rückstände im Obstsalat

EU-Regeln für Pflanzenschutzmittel

Mit einer neuen Regelung zur Zulassung von Pflanzenschutzmitteln will die EU-Kommission die Bedingungen für Landwirte europaweit vereinheitlichen. Während Umweltorganisationen den Vorstoß begrüßen, schrillen bei den Pflanzenschutzmittelherstellern die Alarmglocken.

Von Ursula Mense

Früchteteller: hoffentlich ohne Giftrückstände! (Stock.XCHNG / sanal ozturk)
Früchteteller: hoffentlich ohne Giftrückstände! (Stock.XCHNG / sanal ozturk)

"Da, da ist einer (…), das sind Thripse, da , ha, weg ist er. Im ausgewachsenen Zustand sind sie schwarz und einen Millimeter lang."

Wir sind in Brüggen-Bracht, nicht allzu weit von der holländischen Grenze, auf dem Porree-Feld von Joachim Voigt auf der Suche nach Thripsen. Das sind Insekten, nicht größer als Gewittertierchen. Und so sehen sie auch aus. Den Bauern im größten zusammenhängenden Porreeanbaugebiet Deutschlands bereiten die Winzlinge dicke Probleme.

"Die Thripsschäden, man sieht es deutlich an den Blättern, die gefächerten Schäden, die Fraßschäden der Thripse. Die sind deutlich heller als das dunkle Grün der Porreeblätter? Ja, was bei überhöhtem Schaden dazu führt, dass der Porree dadurch nicht mehr lagerfähig ist und die Qualität wesentlich minder ist. Was tun Sie gegen den Thripsbefall? Häufiges Behandeln mit erlaubten Mitteln. Das Problem ist, dass bei der enormen Hitze im Juli die Mittel nicht mehr wirken. Dann treten in den nachfolgenden Monaten die enormen Schäden auf."

Mit der Konsequenz, dass Voigt und seine Kollegen, ihren Porree nicht mehr in Klasse I vermarkten können. Das tun dann die Bauern aus den Nachbarstaaten.

"Zur Zeit ist es so, dass der Absatz an deutschem Porree rückläufig und der Absatz an Benelux-Porre zunimmt."

Das empört Joachim Voigt und seine Kollegen ganz besonders. Denn die Nachbarn aus Holland haben deswegen keine Probleme mit Thripse, weil sie ein Pflanzenschutzmittel verwenden dürfen, das in Deutschland nicht zugelassen ist.

Mesurol heißt das begehrte Mittel. Erst seit kurzem haben es die Behörden auch für Deutschland zugelassen, allerdings zunächst nur für 120 Tage.

Für die Landwirte im Obst- und Gemüseanbau ist das eine immer noch schwer zu begreifende Ungleichbehandlung zwischen ihnen und den Kollegen in anderen europäischen Staaten.

Das sieht auch die EU-Kommission so, die sich entschlossen hat, mit einer neuen Regelung die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln zu harmonisieren. Im Juli hat sie einen Vorschlag für eine "Verordnung über das Inverkehrbringen von Pflanzenschutzmitteln" vorgelegt, ein umfangreiches Regelwerk, das jetzt im Europäischen Parlament in Erster Lesung beraten wird.

Die Verordnung ist Teil einer Gesamtstrategie zur nachhaltigen Nutzung von Pestiziden in der Landwirtschaft. Die Kommission selbst formuliert das ehrgeizige Ziel: Weniger Risiken und weniger Abhängigkeit von den chemischen Mitteln. So finden sich im Kommissions-Vorschlag Sätze wie:

"Insbesondere sollte bei Erteilung einer Zulassung für Pflanzenschutzmittel das Ziel, die Gesundheit von Mensch oder Tier und die Umwelt zu schützen, Vorrang haben vor dem Ziel, die Pflanzenproduktion zu verbessern."

Damit diese Reihenfolge auch eingehalten wird, will die EU alle neuen Wirkstoffe, die Firmen zulassen wollen, zunächst einmal überprüfen. Werden sie für gut befunden, setzt man sie auf die so genannte Positivliste. Zusätzlich überprüft die EU bereits die vorhandenen Altstoffe. Bestehen sie den Test, ist auch ihnen ein Platz auf der Positivliste sicher. In der Regel für zehn oder sogar 15 Jahre.

Entscheidend aber ist: Es gibt Ausnahmen von der Regel. Und die betreffen die so genannten "zu ersetzenden Stoffe". Das heißt: ein so klassifizierter Pflanzenschutzwirkstoff erhält entweder überhaupt keine Zulassung durch die Europäische Union, und zwar dann, wenn es ein vergleichbares, bereits zugelassenes Mittel gibt, das für die Gesundheit oder die Umwelt sicherer ist.

Oder aber der zu "ersetzende Stoff" – so der offizielle Terminus – wird für maximal sieben Jahre zugelassen. Ein Zeitraum, der ausreichen soll, um mehr praktische Erfahrungen mit dem Stoff zu sammeln. Und der gleichzeitig der Industrie Zeit geben soll, ein vergleichbares aber weniger risikoreiches Mittel zu finden. Das bedeutet: ein solcher Wirkstoff muss nach spätestens sieben Jahren ersetzt – im Amtsdeutsch – substituiert werden.

Hiltrud Breyer sitzt seit 1989 für die Grünen im Europa Parlament und ist die Berichterstatterin für den vorliegenden Verordnungsentwurf:

"Das Kernstück ist mit Sicherheit der Substitutionsansatz, dass wir sagen, zum ersten Mal trägt man dem Rechnung. Es gibt Pestizide auf dem Markt, die sind gefährlich und es gibt aber auch Pestizide, die weniger gefährlich wirken. Und da werden Anreize geschaffen, um diese gefährlichen durch weniger gefährliche Substanzen zu ersetzen. Und das ist ein gewaltiger Schritt hin zu mehr Sicherheit für die Verbraucher."

Das sieht die Industrie freilich ganz anders. Von Anreizen könne keine Rede sein, sagt Volker Koch-Achelpöhler, Hauptgeschäftsführer des "Industrieverbands Agrar":

"Für uns als Industrie ist es ein Problem, dass wir einen erheblichen Verlust an Wirkstoffen sehen. Wenn sie Wirkstoffe entwickeln, kostet sie das erst mal 200 Mio. Euro. Nun kommt man zu dem Ergebnis, dass dieser Stoff sicher ist, sie gehen damit auf dem Markt. Und nun laufen sie Risiko, dass sie ihn vom Markt nehmen müssen."

Ein Problem, das allerdings jüngst selbst der EU Industriekommissar in Abrede gestellt hat. Ungewöhnlich deutlich hat sich Günther Verheugen im Europäischen Parlament für den Schutz der Verbraucher und der Umwelt ausgesprochen. Zitat:

"Ich akzeptiere nicht das Argument, wir müssten das Risiko hochtoxischer Substanzen in unserer Umwelt akzeptieren, weil es Investitionen gegeben hat. Ich akzeptiere nicht das Argument, wir müssten solche Substanzen akzeptieren, weil damit Erträge erwirtschaftet werden. Ich akzeptiere nicht einmal das Argument – auch wenn ich mir jetzt keine Freunde mache –, wir müssten diese Substanzen verwenden, weil damit Arbeitsplätze erhalten werden. Ich halte diese Gegenüberstellung von Arbeitsplätzen in der Industrie und der Verwendung von giftigen Substanzen, die substituierbar sind, für völlig unangemessen. In einer solchen Situation kann die Entscheidung immer nur die sein, Mensch und Umwelt vor Risiken, die nicht unvermeidbar sind, bedingungslos zu schützen."

Ein Ansatz, dem die vorgeschlagene Verordnung im Prinzip folgen will. Zum Beispiel auch mit so genannten Ausschlusskriterien. Sie sehen vor, dass Stoffe mit bestimmten Eigenschaften von vornherein keine Zulassung mehr bekommen.

"Endlich!", sagt dazu Susanne Smolka vom Pestizid-Aktionsnetzwerk, PAN. Eine Organisation, die sich als ein Gegengewicht zum starken Einfluss der Industrie auf die Politik versteht:

"Wir kämpfen seit Jahren darum, dass es bestimmte Ausschlusskriterien bei der Zulassung gibt. Krebserregende Stoffe, die auf unsere Erbinformation einwirken, auf unsere Fortpflanzung und auch auf unser Hormonsystem dürfen nicht angewandt werden. In dem neuen Entwurf werde auch solche Stoffe, die entweder direkt beim Menschen bekannter maßen oder auch im Tierexperiment so wirken zukünftig nicht mehr zugelassen."

Für die Industrie, die daran gewöhnt ist, nicht das theoretische Risiko eines Wirkstoffes zu betrachten, ist das schwer nachvollziehbar. Volker Koch-Achelpöhler vom Industrieverband Agrar hält deshalb die Anwendung solcher Stoffe durchaus für vertretbar:

"Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Wir haben einen Pflanzenschutzmittelwirkstoff in konzentrierter Form, und so was könnte in konzentrierter Form beispielsweise die Fortpflanzung stören. Jetzt ist aber die Situation, dass auf dem Acker Pflanzenschutzmittel nur in hoch verdünnter Form eingesetzt werden. Die Mengen bleiben also unterhalb jeglicher Wirkschwelle und da sind auch noch Sicherheitsfaktoren von 100 oder sogar 1000 eingefügt. Also das Risiko ist de fakto erträglich, das Produkt ist sicher."

Eine äußerst fragwürdige Sicherheit – kritisieren PAN oder Greenpeace und verweisen auf Untersuchungen, die das Gegenteil belegen sollen. Vor einem Jahr schreckte die Umweltorganisation die deutschen Verbraucher mit einem Test von Tafeltrauben auf.

Die Prüfer hatten festgestellt, dass in vielen Proben die so genannte "Akute Referenzdosis" überschritten wurde. Sie beschreibt die Menge einer Substanz, die man innerhalb eines Tages ohne Risiko verzehren kann. Bereits bei einer einmaligen Überschreitung besteht die Gefahr von Gesundheitsschäden. In 14 von 77 getesteten Proben war das der Fall.

Danach – so folgerte Greenpeace - müsse ein Kind bereits nach dem Verzehr von nur vier belasteten Einzeltrauben eine Schädigung des Hormon- und Nervensystems befürchten.

Insgesamt fand Greenpeace bis zu 18 Pestizide gleichzeitig, am häufigsten zwei Pflanzenschutzmittel, die in Deutschland gar nicht zugelassen sind.

Auch diesem Problem will die neue Verordnung begegnen. Wenn nur Stoffe der Positivliste in Europa verwendet werden dürfen, erleichtert das die Kontrollen. Krimineller Handel mit verbotenen Substanzen allerdings – wie erst kürzlich von Greenpeace aufgedeckt - bleibt auch dann ein Problem.

Hiltrud Breyer von den Grünen möchte deshalb bei der Kontrolle noch einen Schritt weitergehen und dem Parlamentsausschuss vorschlagen:

"…dass nur die Stoffe künftig zugelassen werden, die auch in Verbindung mit anderen Stoffen von Kontrollbehörden einwandfrei erkannt werden können und die nicht quasi für uns unsichtbar sind."

Das sei schon heute kein großes Problem mehr, heißt es dazu vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. Grundsätzlich habe man für alle Wirkstoffe auch die entsprechende Analytik. Auch für solche, die nicht mehr zugelassen seien oder Kombinationen verschiedener Wirkstoffe. Richtig sei aber, dass sich bei etwa zehn Prozent der Stoffe die Analyse schwierig gestalte. Hier benötige man eine Spezialanalytik.

In knapp 14.000 untersuchten Proben fahndeten die Kontrollbehörden 2004 nach 634 Wirkstoffen, von denen 253 in Deutschland zugelassen waren. Fündig wurden sie in 281 Fällen. Sieben Prozent der Proben überschritten die zulässigen Höchstmengen.

Dabei spielt es jedoch eine Rolle, dass längst nicht jedes Obst oder Gemüse gleich häufig untersucht wird. Ein großer Teil der Überschreitungen fand sich in Früherdbeeren, Paprika und Tafeltrauben – die üblichen Anwärter für erhöhte Rückstände von Pflanzenschutzmitteln.

Einer der Wirkstoffe, die in Deutschland seit 2002 nicht mehr zugelassenen sind, gleichwohl aber immer noch europaweit verwendet werden, ist Vinclozolin: Ein Pilzbekämpfungsmittel, das im Obst- und Gemüse- aber auch im Weinanbau eingesetzt und zum Beispiel in Frankreich unter den Namen Ronilan oder Konker vertrieben wird. Vinclozolin soll krebserregend sein und schädigt möglicherweise die Fortpflanzung und Babys im Mutterleib.

Natürlich landet der Stoff auch auf unseren Tellern. Illegal ist das aber nur dann, wenn deutsche Landwirte den Wirkstoff versprühen. Aus dem Grund machen sich Kontrolleure in unseren Landen mitunter auf, um gezielt bei Bauern nach Stoffen zu fahnden, die sie nicht einsetzen dürfen. Und da werden sie fündig. In 2004 immerhin in vier Prozent der kontrollierten Betriebe.

Im vergangenen Jahr fand die Lebensmittelkontrolle aber auch in deutscher Ware in elf Prozent der Proben Pflanzenschutzmittel, die hierzulande nicht zugelassen sind. Das hat PAN auf der Grundlage der amtlichen Messergebnisse errechnet.

Unter den verbotenen Stoffen auch: Vinclozolin. Der Stoff war auch Anwärter für die Positivliste. Was auf großen Widerstand zum Beispiel des Pestizid-Aktionsnetzwerks gestoßen ist. Letztendlich mit Erfolg, wie Susanne Smolka konstatiert:

"Es gab gerade ein Gerangel um Vinclozolin, z.B., das eindeutig hormonell wirksam ist und unter Verdacht steht, krebserregend zu sein. Und wir können jetzt begrüßen, dass dieser Stoff nicht in diese Liste aufgenommen wird."

Ausschlaggebend seien gesundheitliche Gründe gewesen, die sowohl die Anwender betreffen, als auch die Konsumenten. Die Parlamentarier möchten sich auch mit der Einschränkung, das Mittel nur unter starken Auflagen zu erlauben, nicht dafür aussprechen.

Deutschland möchte durch klare Kriterien bei der Wirkstoffprüfung verhindern, dass bedenkliche Stoffe zugelassen werden können. Ausschlusskriterien gehören allerdings nicht dazu. Man wolle nicht von vornherein bestimmte Stoffe ausschließen, sagt Karola Schorn aus dem Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz:

"Wenn man von vornherein Kategorien schafft, in denen Wirkstoffe völlig ausgeschlossen sind, dann vernachlässigt man die Wirklichkeit und die Bedingungen von Pflanzenschutzmitteln. Eine Wirkung und die Auswirkungen wird immer davon abhängig sein, in welcher Menge ich ein Pflanzenschutzmittel anwende, unter welchen Umständen, ob sehr häufig oder ob es Auflagen gibt, die eine sichere Anwendung ermöglichen."

Offenbar gilt im Landwirtschaftsministerium die Devise, den Spagat zu schaffen zwischen Verbraucher- und Anwenderinteressen:

"Da beabsichtigen wir einen gewissen Interessenausgleich herbeizuführen, dass man beide Aspekte mit berücksichtigt. Zum einen, den Sorgen der Verbraucher Rechnung trägt, auf der andern Seite aber auch dem berechtigten Interesse einer ordnungsgemäßen Landwirtschaft Rechnung trägt, indem man auch Wirkstoffe, die auf Herz und Nieren geprüft sind und eine sichere Anwendung von Pflanzenschutzmitteln gewährleisten, auch noch zu ermöglichen."

Denn andernfalls, befürchtet auch Volker Koch-Achelpöhler vom Industrieverband Agar:

"… sehen wir für die Landwirtschaft das Problem, dass sie keine Pflanzenschutzmittel mehr hat…" und die Firmen kein Interesse mehr an Neuentwicklungen. Die Industrie geht durch die neue Art der Zulassung von zeitlichen Verzögerungen aus. Im Augenblick brauche man in Brüssel 55 Monate für die Überprüfung eines Wirkstoffs.

Aus Sicht des Landwirtschaftsministeriums ist es außerdem wichtig, dass mit einer gegenseitigen Anerkennung von Zulassungen hierzulande als streng erachtete Kriterien nicht auf der Strecke bleiben. Karola Schorn:

"Im Zusammenhang mit der gegenseitigen Zulassung und der zentralen Zulassung ist für uns wichtig, dass das Schutzniveau nicht abgesenkt wird. Die Bewertung der Wirkstoffe und Zulassungen müssen in den Staaten auf dieselbe Art und Weise und mit demselben hohen Niveau durchgeführt werden. Das ist die Voraussetzung für eine gegenseitige Anerkennung von Pflanzenschutzmittelzulassungen."

Die Idee der EU Kommission dahinter lautet: lässt eine nationale Behörde ein Produkt mit einem Wirkstoff der Positivliste zu, darf dieses Produkt in allen Staaten der Europäischen Union und zwar derselben Zone auf die Felder.

Drei davon soll es in Europa geben: die nördliche, die mittlere und die südliche. Wer zur selben Zone gehört, führt der Anhang der Verordnung bereits auf. Danach wären Deutschland und die Benelux-Staaten oder auch Polen in einer Zone – mithin würden in diesen Ländern im Prinzip die gleichen Wirkstoffe zugelassen. Frankreich würde aber schon zur südlichen Zone gehören, auch wenn die Baden-Württembergischen Bauern kaum andere Bedingungen haben als die französischen jenseits der Grenze. Für Susanne Smolka von PAN eine schwer verständliche, weil viel zu grobe Einteilung:

"Wir müssen bedenken, dass sich Pestizide im Agrarökosystem je nach Klima und Bodenverhältnissen unterschiedlich verhalten, je nachdem wohin sie ausgewaschen werden usw. Die EU Kommission sagt nun, dass ein Gebiet von den Niederlanden bis zur Slowakei eine Zone ist. Auf der anderen Seite empfiehlt sie Modelle, die allein Deutschland in 32 verschiedene Bodenklimaregionen einteilt. Wir lehnen diese zonale Zulassung grundsätzlich ab."

Auch die Parlamentarierin Hiltrud Breyer steht der Aufteilung in Zonen skeptisch gegenüber. Sie möchte einheitliche Zulassungen für die gesamte EU. Das würde allerdings verschiedenen Klimaregionen nur bedingt gerecht. Hiltrud Breyer verfolgt jedoch ohnehin ein anderes Konzept. Eins, das sie im Sinne von Umwelt und Gesundheit für wesentlich geeigneter hält:

"Wir müssen da anders herangehen: für welches Problem braucht der Landwirt ein bestimmtes Pestizid? Und dann müssen wir genau gucken, braucht er genau das oder gibt es eine weniger gefährliche Lösung. Diesen Ansatz möchte ich gern versuchen in diese Verordnung einzubringen und nicht zu sagen, um ein bestimmtes Insekt zu bekämpfen gibt es 20 Substanzen und die werden jetzt alle zugelassen nur weil sie auf dem Markt sind, sondern wir wollen anders herangehen und sagen wir wollen nach dem weniger gefährlichen Ansatz für den Landwirt suchen."

Hiltrud Breyer hofft dabei auf Konsens mit den Nicht- Regierungsorganisationen und verspricht sich auch von Landwirtschaftsminister Seehofer Unterstützung. Alle Beteiligten gehen davon aus, dass es noch viele Veränderungen am vorliegenden Vorschlag geben wird. Entsprechend wird in Brüssel nicht vor dem Jahr 2008 mit einer endgültigen Entscheidung über die Pflanzenschutzverordnung im Europäischen Parlament gerechnet.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk