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StartseiteSport AktuellDer zu späte Abschied des nie geliebten Fußball-Lehrers09.03.2021

Rücktritt von Bundestrainer LöwDer zu späte Abschied des nie geliebten Fußball-Lehrers

Nach 15 Jahren als Bundestrainer wird Joachim Löw nach der EM sein Amt aufgeben. Für den DFB könnte die Suche nach einem Nachfolger schwer werden, kommentiert Maximilian Rieger. Und auch an Löws Fähigkeiten werden trotz seiner Erfolge Zweifel bleiben.

Von Maximilian Rieger

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Profilfoto von Bundestrainer Joachim "Jogi" Löw (Deutschland) vor blauem Hintergrund. Löw trägt einen dunklen Rollkragenpullover. (picture alliance/dpa/GES-Sportfoto/Markus Gilliar Via Revierfoto)
Nach der EM ist Schluss: Bundestrainer Löw kündigt Rücktritt an. (picture alliance/dpa/GES-Sportfoto/Markus Gilliar Via Revierfoto)
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Der Rücktritt von Joachim Löw kommt mindestens zwei Jahre zu spät. Schon nach dem Aus in der Vorrunde bei der WM in Russland hätte der DFB konsequent sein und den Umbruch mit einem neuen Trainer gestalten müssen.

So hat der DFB zwei Jahre verloren. Und an Löw bleibt ein Zweifel haften – ist er wirklich so ein guter Trainer, wie seine Bilanz aussagt?

Löw machte taktische Fehler in wichtigen Spielen

Als Bundestrainer hatte er das Glück, mit einer goldenen Spielergeneration arbeiten zu können, die aber unter Löw nur 2014 die wirklich wichtigen Spiele gewinnt.

Im EM-Halbfinale 2012 vercoacht sich der Bundestrainer, als er Toni Kroos auf den italienischen Spielmacher Andrea Pirlo ansetzt. Und selbst 2014 sorgt erst eine Verletzung von Shkodran Mustafi dafür, dass Löw umstellt und Philipp Lahm vom Zentrum auf die rechte Seite beordert – ein Schlüssel zum WM-Titel.

Ein Fußball-Lehrer, der dem DFB gut tat

Klar ist aber auch: Löw hat eine Ära geprägt. In seiner Zeit beim DFB verwandelt sich Rumpelfußball in schnelles Offensivspiel, in ihren besten Zeiten begeistert die Mannschaft die Nation.

Richtig geliebt wird Löw von den Fans trotzdem nie. Dafür ist zu sehr Fußball-Denker. Dazu noch Rollkragen-Pullover und Espresso – das passt für viele nicht zum Bild eines Bundestrainers.

Das ist aber eher ein Problem der Öffentlichkeit, als eines von Löw. Ganz im Gegenteil hat es dem DFB gutgetan, dass nicht ein Ex-Nationalspieler die Mannschaft trainiert hat – sondern ein richtiger Fußball-Lehrer.

Der DFB ist für Top-Trainer kaum attraktiv

Diesen Kurs sollte der DFB beibehalten – ein Lothar Matthäus wäre den deutschen Topspielern, die im Verein mit Hansi Flick, Thomas Tuchel oder Pep Guardiola arbeiten, nicht zu vermitteln.

Das Problem für den DFB: Für solche Top-Trainer erscheint der Verband im Moment als kein guter Arbeitgeber. Der DFB ist intern zerstritten, gegen diverse ehemalige und aktuelle Funktionäre laufen Ermittlungsverfahren. Gleichzeitig haben andere Nationen Deutschland bei der Nachwuchsarbeit überholt.

Für einen Trainer wie Jürgen Klopp scheint es da reizvoller, sich seine Mannschaft bei einem finanzkräftigen Klub zusammenkaufen zu können. Deswegen könnte es am Ende auf Stefan Kuntz als Nachfolger hinauslaufen – zwar auch Ex-Nationalspieler, aber seit Jahren durchaus erfolgreicher Trainer der U21.

Ein Portraitfoto Joachim Löws vor einem dunklen Hintergrund, er schaut ernst in die Ferne (Alexander Hassenstein/Getty Images)Blieb stets unnahbar: Bundestrainer Joachim Löw (Alexander Hassenstein/Getty Images)Dlf-Sportgespräch -"Joachim Löw lebt ja nicht auf Wolke sieben"
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Ein letztes Hurra der goldenen Generation?

Gescheitert ist Löw am Ende auch daran, dass ihm Loyalität wichtiger erschien als tatsächliche Leistung. 2010 sägt er zwar noch ohne Skrupel Michael Ballack ab. Aber schon 2016 schleppt er Bastian Schweinsteiger durch die EM. Und 2018 gibt es gleich mehrere Spieler, die außer Form sind, aber trotzdem zum Einsatz kommen.

Dazu gehören auch Jerome Boateng, Mats Hummels und Thomas Müller. Die schmeißt Löw kurz nach der WM aus dem Kader – wieder ohne Rücksicht auf die Leistung, denn alle drei sind seitdem wichtige Stützen bei deutschen Topmannschaften.

Durch seine Rücktrittsankündigung verschafft sich Löw jetzt aber auch die Möglichkeit, die drei wieder zurückzuholen. Den Umbruch kann dann der Nachfolger machen. Die EM könnte vorher zu einem letzten Hurra der goldenen Generation werden.

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