Ärmelkanal
Russisches Kriegsschiff feuert Warnschüsse in Richtung von Yacht ab

Ein russisches Kriegsschiff hat im Ärmelkanal Warnschüsse in Richtung einer Yacht abgegeben. Es ist nicht das erste Mal, dass die Fregatte "Admiral Grigorovich" Aufmerksamkeit erregte. Im April eskortierte das Kriegsschiff mehrere sanktionierte russische Öltanker durch britische Gewässer.

    Dieses von dem Ministry of Defence of RFN zur Verfügung gestellte Foto zeigt die RFN "Admiral Grigorowitsch" (vorne), die von der RFA "Tideforce" überwacht wird.
    Die russische Fregatte "Admiral Grigorovich" soll einen Warnschuss im Ärmelkanal abgegeben haben. (Mod Crown Copyright / Ministry of / Mod Crown Copyright)
    Das russische Verteidigungsministerium bestätigte Berichte aus britischen Verteidigungskreisen. Die unter britischer Flagge fahrende Segelyacht habe sich der Fregatte gefährlich genähert, erklärte das Ministerium in Moskau. Zunächst habe man die Besatzung der Yacht mit Signalraketen gewarnt. Als das Schiff sich weiter angenähert habe, sei mit Waffen kleinen Kalibers in Richtung der Yacht geschossen worden. Der Vorfall soll sich rund 20 Seemeilen südlich der Isle of Wight ereignet haben. 
    Erst vor einigen Tagen stoppte die britische Marine einen Öltanker im Ärmelkanal, der der russischen Schattenflotte zugerechnet wird. Experten zufolge soll die Präsenz russischer Kriegsschiffe von einem derartigen Vorgehen abschrecken. Mit Schiffen der sogenannten Schattenflotte versucht Russland, die Sanktionen von westlichen Unterstützern der Ukraine zu umgehen.
    Wie das Online-Magazin ”Nordisch.info” berichtet, überwachte die britische Royal Navy im April die russische Fregatte "Admiral Grigorovich" lückenlos, die sich vom Atlantik bis in die Nordsee bewegte. Die russische Fregatte leitete im April einen Verband von sechs Schiffen durch die Straße von Dover. Mindestens drei dieser Schiffe stehen unter wirtschaftlichen Sanktionen und wurden während der gesamten Passage von vier britischen Einheiten und Hubschraubern beobachtet. Ein zweites Kriegsschiff, die "Admiral Kasatonov", passierte den Ärmelkanal Ende April ebenfalls in Begleitung von Handelsschiffen.

    "Einsatz der russischen Marine völlig unverhältnismäßig"

    Sicherheitsexpertin Elizabeth Braw vom Atlantic Council bezeichnete den Einsatz der russischen Marine als völlig unverhältnismäßig. Normalerweise eskortieren Seestreitkräfte zivile Schiffe nur bei einer klaren militärischen Bedrohung, wie etwa im Roten Meer.
    Hintergrund der russischen Präsenz ist die Drohung der britischen Regierung, Tanker der sogenannten Schattenflotte zu beschlagnahmen. Diese oft maroden Schiffe transportieren unter fremden Flaggen etwa die Hälfte der russischen Ölexporte auf dem Seeweg.
    Laut einem Bericht de "Guardian" würde Moskau keine Fregatten abstellen, wenn es keine Probleme für diese Schiffe befürchten würde. Premierminister Starmer hatte Ende März angekündigt, dass das Militär Schiffe unter Sanktionen in britischen Gewässern festsetzen darf.

    Mehrere russische Tanker bereits festgesetzt

    Andere europäische Länder sind bereits aktiver gegen die Schattenflotte vorgegangen und haben Schiffe festgesetzt. Schweden hielt in diesem Jahr bereits fünf Tanker fest, während Frankreich mit britischer Unterstützung zwei Schiffe stoppen konnte.
    Auch belgische Spezialeinheiten griffen im Februar ein und beschlagnahmten einen Tanker mit Ziel Russland. Die USA setzten Anfang des Jahres sogar ein Schiff fest, das im Nordatlantik nach einer Verfolgungsjagd aufgebracht wurde.
    Diese Nachricht wurde am 17.06.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.