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StartseiteSport AktuellSystematisches und flächendeckes Doping03.12.2014

RusslandSystematisches und flächendeckes Doping

Die ARD hat die Reportage „Geheimsache Doping – Wie Russland seine Sieger macht" ausgestrahlt. Eine Reportage, die viele Zeugenaussagen und Beweise gesammelt hat, die nahelegen, dass in Russland flächendeckend gedopt wird. Und nicht nur das. Ein kriminelles Geschäft, bei dem offenbar auch einige ihre Hand aufhalten.

Von Jessica Sturmberg

Ehrentribüne des russischen Präsidenten Wladimir Putins (dpa / Fredrik von Erichsen)
Wladimir Putin erklärt die olympischen Winterspiele für eröffnet (dpa / Fredrik von Erichsen)

 

„Sie nehmen ein beliebiges Mädchen, füttern sie mit Tabletten und sie läuft dann. Und wenn einer erwischt wird, schmeißen sie den Sportler weg und nehmen einen neuen."

Ein brutales System. Bei dem Athleten nichts zählen, Doping staatlich unterstützt wird und massive Korruption im Spiel ist. Zu diesen Erkenntnissen kommt die ARD-Reportage und liefert dafür zahlreiche Belege. Zentrale Zeugen sind das Paar Yuliya und Vitaliy Stepanov. Sie Weltklasseläuferin über 800 Meter und derzeit gesperrt, er ein früherer Mitarbeiter der russischen Anti-Doping-Agentur RUSADA. Beide kennen das System von innen, erzählen und untermauern mit Videoaufnahmen:

„Dass man die Ergebnisse, die man erreicht, nicht ohne Doping schaffen kann, zumindest nicht in Russland."

„Den Trainern wird es eingehämmert und die Trainer hämmern es den Athleten ein. Die Athleten denken deshalb gar nicht, wenn sie verbotene Präparate einnehmen, dass sie etwas Unrechtes tun."

Weitere Zeugen berichten wie Trainer und Ärzte Doping anwiesen. Diejenigen, die die Athleten eigentlich kontrollieren sollen, die Anti-Doping-Agentur und das Anti-Doping-Labor in Moskau sorgten dafür dass es keine positiven Tests gebe oder falls doch, dass solche verschwünden.

Aus dem Umfeld des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF berichtet eine Kontaktperson, dass auch beim Weltverband mindestens eine Person Bestechungsgelder nehme um positive Tests zu vertuschen. Der ehemalige Rusada-Mitarbeiter Vitali Stepanov erzählt zudem:

„Es gab Zeiten in der Russischen Anti-Doping-Agentur, da haben Leute vom Ministerium, von der dortigen Anti-Doping-Abteilung angerufen und wollten wissen wer der Athlet ist, der einen positiven Test hat. Wenn es ein unbekannter Sportler war, dann war der Test halt positiv – aber wenn es jemand Berühmtes oder eine junge Medaillenhoffnung war, dann war es ein „Fehler" und es wurde nicht weiter verfolgt."

Und vor Ausreisen ins Ausland würden die russischen Athleten nochmal kontrolliert, ob sie sauber seien. Zudem zeigt ein Dokument einen Regierungserlass von 2010, unterzeichnet von dem damaligen Ministerpräsidenten Wladimir Putin, dass besagt: „Ausländische Dopingkontrolleure müssen sich Transport und Ausfuhr von Urin- und Blutproben genehmigen lassen. Proben dürften geöffnet werden."

Viele Zeugen haben große Angst zu reden, weil sie um ihr Leben fürchten. Auch Yuliya und Vitaliy Stepanov haben inzwischen ihr Heimatland verlassen.

David Howman, Generaldirektor der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA, zeigte sich schockiert über die Recherche-Ergebnisse und kündigte eine furchtlose Aufklärung an.

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