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Russland und das IOC
Ein zweifelhaftes Geschäft

Am letzten Tag der Olympischen Winterspiele 2018 hat das IOC die Suspendierung Russlands wegen staatlich organisierten Dopings bei den Winterspielen vor vier Jahren in Sotschi zwar noch nicht wieder aufgehoben - aber so gut wie. Ein Fehler, kommentiert Andrea Schültke.

Von Andrea Schültke | 25.02.2018

    Russland-Flagge und Olympia-Flagge im Stadion
    Bald darf sie bei Olympia wieder wehen, die russische Flagge. Zu bald, sagt unsere Kommentatorin. (dpa / Hannibal Handschke)
    Ein Deal ist laut Duden ein "zweifelhaftes Geschäft". Hier abgewickelt zwischen dem Internationalen Olympischen Komitee und Russland. Dessen Olympische Athleten durften bei der Schlussfeier nicht ihre eigene Flagge schwenken. Aber dafür gab es die Zusage: die Suspendierung wegen systematischem Doping wird zeitnah aufgehoben.
    Ein Deal, mit dem die Olympischen Athleten Russlands gut leben können - bei immerhin zwei Dopingfällen in ihrem Team. Das IOC gab sich darüber sehr besorgt und enttäuscht, stellte aber schnell fest, es habe sich um Einzelfälle gehandelt, um Unachtsamkeiten. Auf keinen Fall sei das Doping systematisch organisiert gewesen.
    Nur wenige IOC-Mitglieder muckten auf
    Von daher: Alles paletti. Nur noch einmal die neutrale Flagge schwenken und in der kommenden Woche wird die Suspendierung aufgehoben. Diese Russland-Entscheidung - der wichtigste sportpolitische Akt dieser Spiele.
    Merkwürdig allerdings, dass sich nur die Hälfte der IOC-Mitglieder dafür interessierte. Die andere Hälfte war bei der entscheidenden Sitzung gar nicht erst dabei. Wer es sich da mit wem lieber nicht verderben wollte, ist unklar. Nur einige wenige muckten auf und plädierten dafür, die Suspendierung jetzt noch nicht aufzuheben.
    Sie waren in der Minderheit. Natürlich. Das IOC schreibt: Russland werde für die Einheit der Olympischen Familie gebraucht. Das mächtige und finanzkräftige Mitglied darf deshalb schnell wieder in ihren Kreis zurück - selbst wenn im Nachhinein noch weitere Dopingfälle bekannt werden, hat das keinen Einfluss auf die Entscheidung. So ist der Deal.
    Die Entscheidung des IOC ist falsch
    Da konnte dann auch der Eishockey-Olympiasieger aus Russland zur neutralen Musik bei der Siegerehrung getrost die russische Nationalhymne singen. War zwar verboten, ist ein Bruch der im Vorfeld abgestimmten Regeln und respektlos gegenüber dem IOC. Aber ach, auch irgendwie ein Einzelfall. Zweimal Doping, einmal Hymne macht drei, ja drei Einzelfälle - wen interessiert’s?
    Die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang sind Geschichte. In diese eingehen werden sie nicht als die Spiele mit einer gemeinsamen koreanischen Mannschaft. Sie werden in die Sportgeschichte eingehen als die Spiele, bei denen das Internationale Olympische Komitee im Kampf gegen Doping einmal mehr versagt hat.
    Die Entscheidung, die Suspendierung Russlands zeitnah wieder aufzuheben, ist falsch. Die Sperre für systematisches Doping bei den Winterspielen vor vier Jahren in Sotschi dauerte damit gerade mal drei Monate. Also: Nur 12 Wochen Strafe für Staatsdoping und massenhaften Betrug an unzähligen sauberen Athleten. Wird ein Sportler des Dopings überführt, beträgt die Sperre übrigens zwei bis vier Jahre. So läuft halt ein Deal - laut Duden ein "zweifelhaftes Geschäft".