Moskau
Russland weist österreichische Korrespondentin aus

Russland hat einer Korrespondentin des ORF die Akkreditierung entzogen und sie aufgefordert, das Land zu verlassen. Das teilte das Außenministerium in Moskau mit und reagierte damit auf einen Schritt Österreichs. Die zuständigen Behörden dort hatten gestern zwei Korrespondenten der russischen Nachrichtenagentur Tass in Wien die Zulassung entzogen.

11.06.2024
    Kreml, Moskau, Russland, Europa
    Der Kreml, die Regierungszentrale Russlands. (picture alliance / imageBROKER / Gaetano Di Rosa)
    Zunächst war nur von einem Journalisten die Rede gewesen. Grund dafür war nach Angaben des österreichischen Innenministerium eine "negative Sicherheitseinschätzung" der Behörden. Nähere Gründe wurden nicht genannt. Weiter hieß es, die russische Nachrichtenagentur Tass könne jetzt andere Journalisten anmelden. Diese würden dann ebenfalls einer Sicherheitsüberprüfung unterzogen.

    ORF: "Direkter Angriff auf Medienfreiheit"

    Der öffentlich-rechtliche Sender ORF teilte nach der Ausweisung seiner Mitarbeiterin mit, er könne die Entscheidung nicht nachvollziehen. Man werde alle notwendigen Schritte unternehmen, um weiterhin eine unabhängige und umfassende Berichterstattung aus Russland sicherzustellen. Auch der ORF-Redaktionsrat protestierte, mit einem offenen Brief an die russische Botschaft. Darin ist die Rede von einem "direkten Angriff auf die Medienfreiheit". Österreichs Außenministerium bezeichnete Moskaus Gegenmaßnahme als "völlig ungerechtfertigt". 

    Verfassungsschutz sieht Nachrichtenagenturen als Deckmantel

    Die Wiener Wochenzeitung "Falter" hatte im März über mutmaßliche russische Geheimdienstaktivitäten in Wien berichtet und dabei auch die staatliche russische Nachrichtenagentur Tass erwähnt. Der "Falter" bezog sich auf ein anonymes Dossier. Dort heißt es, Tass-Mitarbeiter würden "unter journalistischer Deckung" die politische Szene Österreichs auskundschaften. Einer der Korrespondenten sei Offizier des russischen Auslandsnachrichtendienstes.
    Diese Nachricht wurde am 11.06.2024 im Programm Deutschlandfunk gesendet.