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Russland zu US-Luftangriff in Syrien "Akt der Aggression"

Die Satellitenaufnahme vom 07.10.2016 zeigt das al-Shayrat Flugfeld in Syrien. Die USA haben den Flughafen der syrischen Armee angegriffen. Mehrere Dutzend Raketen des Typs Tomahawk sind abgeschossen worden. (DigitalGlobe via Department of Defense/AP)
Die Satellitenaufnahme zeigt das al-Shayrat Flugfeld in Syrien. Die USA haben den Flughafen der syrischen Armee angegriffen. Mehrere Dutzend Raketen des Typs Tomahawk sind abgeschossen worden. (DigitalGlobe via Department of Defense/AP)

Syriens wichtigster Verbündeter Russland hat den US-Luftangriff auf eine syrische Luftwaffenbasis scharf verurteilt. Außenminister Lawrow sprach von einem "Akt der Aggression", der ihn an den Angriff des Westens auf den Irak 2003 ohne UNO-Mandat erinnere. Er hoffe, dass die "Provokation" nicht zu einem irreparablen Schaden der Beziehungen zu den USA führen werde.

Als erste Reaktion hat Russland eine Militär-Vereinbarung mit den USA ausgesetzt. Demnach wird Moskau vorerst keine Informationen mehr über Einsätze seiner Kampfflugzeuge in Syrien an die Vereinigten Staaten weitergeben. Die Absprache sollte mögliche Kollisionen zwischen russischen und amerikanischen Maschinen im syrischen Luftraum verhindern. Zudem kündigte Russland an, eine Dringlichkeitssitzung des UNO-Sicherheitsrats einzuberufen.

Russland werde von den USA eine Erklärung verlangen, sagte Lawrow. Russische Bürger seien bei dem Angriff nicht getötet worden. Ein Sprecher von Präsident Putin erklärte, die Vereinigten Staaten hätten internationales Recht verletzt. Den russisch-amerikanischen Beziehungen sei "beträchtlicher Schaden" zugefügt worden. Das syrische Staatsfernsehen sprach von einem Akt der Aggression. Der Gouverneur der Provinz Homs teilte mit, durch den Angriff der USA seien mehrere Menschen getötet worden - unter anderem in einem nahegelegenen Dorf. Die iranische Regierung erklärte, die Lage in Syrien werde durch Angriffe wie den der USA noch schwieriger. China warnte vor einer Eskalation und forderte alle Seiten zu Friedensgesprächen auf. 

Merkel gibt Assad alleinige Schuld

Von ihren Verbündeten haben die USA dagegen für ihren Luftangriff auf einen syrischen Armee-Stützpunkt Rückendeckung erhalten. Bundeskanzlerin Merkel und Frankreichs Präsident Holland erklärten nach einem Telefonat, Syriens Präsident Assad trage die alleinige Verantwortung für diese Entwicklung. "Sein wiederholter Einsatz von chemischen Waffen und seine Verbrechen gegen die eigene Bevölkerung verlangten eine Sanktionierung", hieß es. 

Merkel und Hollande kündigten an: "Frankreich und Deutschland werden mit ihren Partnern und im Rahmen der Vereinten Nationen ihre Bemühungen fortsetzen, um Präsident Assad für seine verbrecherischen Taten zur Verantwortung zu ziehen." Bundesaußenminister Gabriel nannte den Schritt der USA "nachvollziehbar" angesichts des "grausamen Kriegsverbrechens", das von militärischen Strukturen des Assad-Regimes ausgegangen sei.

Die NATO teilte die Einschätzung von Merkel und Hollande, wonach Assad alleine Schuld an dem Luftangriff ist. EU-Ratspräsident Tusk sagt, der US-Luftangriff in Syrien zeige, dass entschlossen gegen den Einsatz von Chemiewaffen vorgegangen werden müsse. Mehrere europäische Verteidigungsministerien teilten mit, sie seien vorab über den Luftangriff informiert gewesen. 

Grafik: US-Angriff auf syrischen Stützpunkt. (picture-alliance/ dpa-infografik)Grafik: US-Angriff auf syrischen Stützpunkt. (picture-alliance/ dpa-infografik)

Syrische Rebellen fordern weitere Luftangriffe

Am Dienstag hatte die syrische Armee einen Angriff in der Provinz Idlib geflogen und dabei den Anschuldigungen zufolge Giftgas eingesetzt. Die britische Regierung sprach von einem "barbarischen Akt", auf den die USA in der Nacht mit ihrem Angriff "angemessen" reagiert hätten. Unterstützung kam auch aus der Türkei, Saudi-Arabien und Israel. Die syrischen Rebellen forderten weitere Angriffe auf Militärbasen der Armee.

Aus Deutschland kam aber auch Kritik. Der CDU-Außenexperte Kiesewetter von einer unnötigen Zuspitzung des Konflikts, der Grünen-Politiker Trittin sagte, US-Präsident Trump habe die Situation hochbrisant gemacht, aber nicht zur Lösung des Konflikts beigetragen.

(rm/hba/tgs/mw)

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