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StartseiteInformationen am MorgenDie Kritik an Merkel ist verschwunden20.09.2017

Russlands Blick auf die BundestagswahlDie Kritik an Merkel ist verschwunden

Lange wurde befürchtet, Russland könne sich in den deutschen Wahlkampf einmischen - davon ist bislang jedoch nichts bekannt geworden. Präsident Wladimir Putin scheint damit zu rechnen, dass Angela Merkel vier weitere Jahre regieren wird. Mit Aufmerksamkeit verfolgt Moskau das Abschneiden der AfD.

Von Thielko Grieß

Bundeskanzlerin Merkel begrüßt den russischen Präsidenten Putin zum G20-Gipfel in Hamburg (dpa / AP / Jens Meyer)
Bundeskanzlerin Angela Merkel und der russische Präsident Wladimir Putin beim G20-Gipfel in Hamburg. Putin rechnet offenbar mit vier weiteren Jahren Merkel. (dpa / AP / Jens Meyer)
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Der Moderator einer sogenannten Informationssendung im russischen Fernsehen bespricht, wie gealtert ihm Angela Merkel vorkommt. Sie sei aus der politischen Mode gekommen. So und ähnlich war die Tonlage noch im Frühjahr. Doch dann hat sie sich verändert, hat Wladislaw Below beobachtet. Er ist stellvertretender Direktor des Europa-Instituts der Akademie der Wissenschaften in Moskau. Er erinnert an ein Treffen: Wladimir Wladimirowitsch Putin empfängt die Kanzlerin.

"Nach den Gesprächen zwischen Frau Merkel und Herrn Putin Anfang Mai in Sotschi habe ich festgestellt, dass diese Option, Frau Merkel, für die nächste Legislaturperiode, für Wladimir Wladimirowitsch eine gute Chance ist. Das merkt man auch in russischen Propaganda-Medien, in den ersten zwei Fernsehkanälen, den offiziellen Zeitungen, da ist die Kritik an Frau Merkel verschwunden."

Schulz findet kaum Erwähnung in Russland

Was nicht gleich bedeutet, dass die Meinungsmacher Lobgesänge angestimmt hätten. Aber es scheint, als rechne der Kreml bereits mit einer neuen Amtszeit Merkels. Vielleicht auch deshalb findet ihr Kontrahent, SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz, kaum Erwähnung. Wladimir Putin hat sich über ihn einmal öffentlich geäußert, im Juni in Sankt Petersburg.

"Herrn Schulz kenne ich praktisch nicht. Er ist ein erfahrener Mann, der schon lange in der Politik, der europäischen Politik, ist, und vor Kurzem in die deutsche Politik zurückgekehrt ist. Uns ist es im Prinzip egal, mit wem wir arbeiten. Das Wichtigste ist, dass diese Leute, wie wir, an einer konstruktiven Zusammenarbeit interessiert sind. Aber wir haben keine Vorliebe."

Bei derselben Gelegenheit wiederholte Putin: Einmischungen mithilfe von Leaks oder Hacker-Angriffen seien keine Strategien des Kremls. Vor ihnen hatten deutsche Sicherheitsbehörden mehrfach gewarnt. Von einem Angriff während des deutschen Wahlkampfs ist indes nichts bekannt.

AfD wird mit Aufmerksamkeit verfolgt

Mit Aufmerksamkeit allerdings dürfte verfolgt werden, wie die Alternative für Deutschland am Sonntag abschneidet. Die AfD hat Kontakte zur Machtpartei Einiges Russland. Co-Parteichefin Frauke Petry ist im Februar in Moskau empfangen worden, hat auch den Parlamentsvorsitzenden Wjatscheslaw Wolodin getroffen, der im Machtapparat eine wichtige Figur ist. Wenn die großen Medien zurzeit über den Wahlkampf in Deutschland berichten, benennen sie die AfD-Position in der Flüchtlingspolitik und den Dissens zur Kanzlerin. Wie SPD, FDP, Linke und Grüne argumentieren, findet kaum Beachtung. Dass die AfD gegen Sanktionen eintritt, wird ebenfalls gern gehört, meint Deutschland-Beobachter Below.

"Eine schöne Musik für das russische Ohr: Die Krim ist Bestandteil von Russland. Das ist die einzige Frage, wo die AfD für Russland konform ist."

Eine regelrechte Kampagne für die AfD ist aber nicht auszumachen, sie wird nicht hofiert, wie Marine Le Pen im französischen oder Donald Trump im US-amerikanischen Wahlkampf. Hinzu kommt:

"Die letzten Aussagen von Gauland zur Wehrmacht - das ist zu 1000 Prozent in Russland nicht akzeptabel."

Alexander Gauland hatte Wehrmachtssoldaten des Zweiten Weltkriegs als tapfer bezeichnet. Die Sowjetunion hatte in diesem Krieg mehr als 27 Millionen Tote zu beklagen; eine Relativierung dessen wird nicht geschätzt.

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