
Telegram-Gründer Durov erklärte, Russlands Versuch, VPNs zu blockieren, habe zu einem Problem mit einem inländischen Zahlungssystem geführt. Bei einigen Einkäufen sei es zu Chaos gekommen. Die Moskauer U-Bahn sei gezwungen gewesen, den Zugang durch ihre Drehkreuze ohne Bezahlung zu ermöglichen, während ein regionaler Zoo die Besucher bitten musste, Bargeld zu verwenden.
Russen misstrauen nationalem Messenger MAX
Offiziellen russischen Angaben zufolge ist ein nationaler Messenger notwendig, da feindliche Geheimdienste andere Anwendungen unterwandert hätten. Russland müsse mit einem "souveränen" Internet die Sicherheit wahren. Oppositionelle gehen jedoch davon aus, dass die heimischen Sicherheitsdienste Zugriff auf die Daten von MAX haben. Sie vermuten, dass diese mit künstlicher Intelligenz auf mögliche Bedrohungen für den Staat und auf abweichende Meinungen hin ausgewertet werden.
MAX gehört dem Unternehmen VK, dessen Chef der Sohn eines engen Vertrauten von Präsident Putin ist. VK teilte mit, die App habe seit ihrem Start vor einem Jahr 107 Millionen Nutzer gewonnen. Der Leiter des russischen Informationsportals TelecomDaily, Kuskow, kritisierte den Zwang. "Die Installation einer App oder die Nutzung eines Dienstes sollte eine persönliche Entscheidung sein", sagte er. Er selbst habe MAX nicht installiert.
Seit Tagen wurde in Russland immer wieder das mobile Internet abgeschaltet oder verlangsamt. In den vergangenen Monaten war die Nutzung von Telegram stark eingeschränkt, Audio- und Videoanrufe funktionierten nicht mehr, Daten, Bilder und Videos konnten nicht mehr verschickt werden.
Russland agiert härter als China
Der IT-Experte Sarkis Darbinyan sagte der Wirtschaftswoche, die russischen Behörden seien noch rigider als diejenigen in China. Russland habe seit 2012 mehr als dreieinhalb Millionen verschiedene Ressourcen blockiert. Russland agiere inzwischen ähnlich wie Turkmenistan oder der Iran. Dort sei "der Zugang zum globalen Internet ein exklusives Privileg, das nur den Loyalen und den Wohlhabenden vorbehalten bleibt". Sarkis Darbinyan gründete zusammen mit anderen Aktivisten die öffentliche Menschenrechtsorganisation "Roskomvoboda", die die digitalen Rechte der Bürger schützen will.
Diese Nachricht wurde am 04.04.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
