Kritische Infrastruktur
Sabotageversuch an Umspannwerk in Dormagen - weiterer Polizeieinsatz in Oldenburg

In Nordrhein-Westfalen hat es offenbar den Versuch eines weiteren Anschlags auf ein Umspannwerk gegeben. Betroffen ist diesmal eine Anlage im zwischen Köln und Düsseldorf gelegenen Dormagen. Ein Sprecher der Kölner Polizei sagte, man gehe nach dem Eingang eines Bekennerschreibens von einem Sabotagedelikt aus.

    Drei Polizisten stehen in der Nacht auf einem Feldweg vor einem Strommast. Die Szene wird von einem Scheinwefer beleuchtet.
    Nächtliche Ermittlungen der Polizei an dem Umspannwerk in Dormagen ( dpa / Alexander Franz )
    In Dormagen hatte ein Spaziergänger gestern Abend an dem Umspannwerk einen verdächtigen Gegenstand gefunden. Nach Polizeiangaben handelt es sich vermutlich um eine Abschussvorrichtung. Nach Informationen der "Bild"-Zeitung wurden zudem selbstgebaute Raketen mit Zeitschaltuhren entdeckt. Zu einem Sabotageakt kam es laut der Polizei aber nicht.
    Nach Angaben der Ermittler war in der Nacht ein Bekennerschreiben aufgetaucht. Der Verfasser will demnach mit seiner Aktion gegen die fossile Energieindustrie vorgehen. Nach dem Mann werde gefahndet, teilte die Polizei mit. Es würden auch weitere mögliche Anschlagsziele genannt. Deshalb werde nun auch an weiteren Umspannwerken nach Abschussvorrichtungen oder anderen verdächtigen Gegenständen gesucht.

    Unklare Lage im Landkreis Oldenburg

    Wie mehrere Medien berichten, läuft zudem seit der Nacht ein Polizeieinsatz an einem Umspannwerk in Ganderkesee im niedersächsischen Landkreis Oldenburg.Einsatzkräfte haben demnach das Umspannwerk umstellt. Das Areal sei außerdem vom Technischen Hilfswerk taghell ausgeleuchtet. Die Hintergründe sind noch unklar. Die Polizei sprach lediglich von "verdächtigen Umständen".

    Mehrere Sabotageakte in Folge

    Vor zwei Tagen war es bereits in Bergheim westlich von Köln zu einem Anschlag auf ein Umspannwerk gekommen. Mehrere Blöcke zweier nahgelegener Kohlekraftwerke mussten heruntergefahren werden. Einen ähnlichen Angriff hatte es zuvor bei Jänschwalde in Brandenburg gegeben. Auch hierzu ging gestern Abend bei der TAZ ein Bekennerbrief eines angeblichen Klimaaktivisten ein, wobei die Authentizität des Schreibens unklar ist. Ermittler gehen in beiden Fällen von verfassungsfeindlicher Sabotage aus.

    Brandenburg will neues Sicherheitszentrum einrichten

    Als Reaktion auf die Sabotage nahe dem Kraftwerk Jänschwalde kündigte das brandenburgische Innenministerium ein neues Sicherheitszentrum im Land zum Schutz von kritischer Infrastruktur an. Die Angriffe auf das Stromnetz in Jänschwalde sowie in Bergheim zeigten, wie bedroht die kritische Infrastruktur in Deutschland sei und dass sie dringend geschützt werden müsse. "Die Anzeichen verdichten sich, dass beide Attacken Teil eines koordinierten Angriffs auf unsere Energieversorgung sind", sagte Brandenburgs Innenminister Redmann (CDU). 
    Unter kritischer Infrastruktur versteht man all jene Bereiche, deren Beeinträchtigung oder Ausfall zu Versorgungsengpässen, Störungen der öffentlichen Sicherheit und weiteren dramatischen Folgen führen kann. Dazu gehören beispielsweise Energie, Informationstechnik, Transport, Verkehr, Gesundheit, Wasser, Ernährung, Finanz- und Versicherungswesen, Staat und Verwaltung sowie Medien.

    Weiterführende Informationen

    Überblick über größere Sabotagefälle seit 2022
    Debatte über das Kritis-Dachgesetz – Schutz der Infrastruktur
    Diese Nachricht wurde am 04.09.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.