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StartseiteUmwelt und VerbraucherWo der Klimawandel schon zu spüren ist13.03.2019

Sachsen-AnhaltWo der Klimawandel schon zu spüren ist

In Sachsen-Anhalt ist es deutlich wärmer als anderswo in Deutschland - in Zeiten des Klimawandels eine beunruhigende Nachricht. Schon die ersten beiden Monate dieses Jahres fielen besonders lau aus. Und auch die Folgen des endlosen Sommers 2018 sind noch vielerorts im Land zu sehen und zu spüren.

Von Christoph Richter

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Der Domfelsen in der Elbe in Magdeburg (Sachsen-Anhalt) ist bei Niedrigwasser (55 cm) und an haltener Trockenheit vom Westufer aus zurzeit betretbar. (imago stock&people / Christian Schroedter)
Elbe in Magdeburg bei Niedrigwasser: Die Hitzetage in Sachsen-Anhalt nehmen zu (imago stock&people / Christian Schroedter)
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Versteppung, Dürre, Starkregen: Die Auswirkungen des Klimawandels in Sachsen-Anhalt. Insbesondere im Verlauf der Jahresmitteltemperatur fällt auf, dass es - bezogen auf den letzten 30-Jahre-Zyklus - in Sachsen-Anhalt um 0,4 Grad wärmer ist als im Rest von Deutschland. Der Hitze-Sommer 2018 - für Land- und Forstwirte ein Desaster. Die Folgen seien akut, der Winter habe keine Linderung gebracht, heißt es. Bis heute leide Sachsen-Anhalt massiv an den Folgen des Dürresommers, klagt Förster Holger Koth. Er ist der Leiter des Forstbetriebes Süd in Sangerhausen im Südharz.

"Seit 70 Jahren hat es so ein Schadensszenario nicht gegeben. Es ging im Januar 2018 los mit Sturm "Friederike", der extreme Schäden verursacht hat, gerade bei uns im Südharz. Aber auch in ganz Sachsen-Anhalt, es war das meistbetroffene Bundesland. Danach kam die Dürre und Hitze. Und dann noch der Borkenkäfer. Drei Katastrophen in einem Jahr."

Immer mehr Bäume gehen kaputt

Mit extremen Schäden und extremen Folgen, konstatiert der sachsen-anhaltische Forstexperte Koth. Seinen Angaben zufolge sind in Sachsen-Anhalt 15.000 Hektar Wald irreversibel geschädigt und damit verloren.

"Es fehlen vier Millionen Kubikmeter Holz. Bäume, die so geschädigt worden sind, dass sie gestorben sind. Für die Waldbesitzer, für die Forstbetriebe ein erheblicher finanzieller Schaden. Und das Schlimme ist, dass die Einzelbestände, die Bäume derzeit so geschwächt sind, dass wir mit einem Schadfortschritt im ähnlichen Ausmaß rechnen müssen. Der Winter hat uns keine Entlastung gebracht. Und wir haben arge Befürchtungen für das Jahr 2019."

Kaum Regen, auch nicht im aktuellen Winter

Die Trockenheit hält unvermindert an. Im Südharz habe es in den letzten Wochen gerade mal sechs Millimeter geregnet, ergänzt Förster Holger Koth. Nicht nur das: Die Monate Januar und Februar waren in Sachsen-Anhalt deutlich wärmer als bisher. Das Beispiel Dessau macht es offensichtlich: Hier wurde allein für den Februar eine Durchschnittstemperatur von 4,25 Grad Celsius gemessen. Normal wäre eine Temperatur von 1,7 Grad Celsius. Das ist ein Unterschied von 2,5 Grad.

"Das Normale, was wir als normal bezeichnen, tritt nicht mehr so deutlich auf. Die Spannbreite der möglichen Fälle wird größer." In Zukunft habe man es auch mit einer Verschiebung der Niederschlagscharakteristik zu tun, weg vom typischen Landregen, hin zum punktuellen Starkregen, erklärt Agrarmeteorologe Falk Böttcher vom Deutschen Wetterdienst: "Wir müssen beispielsweise bei der Bodenbearbeitung dafür sorgen, dass das Wasser infiltrieren kann. Das heißt, dass die minimale Bodenbearbeitung, die konservierende Bodenbearbeitung, das Mittel der Wahl ist." Praktisch bedeutet das: "Wir dürfen den Boden so wenig wie möglich wenden. Wir müssen den Boden oben auflockern, dass der Niederschlag eindringen kann. Und dass das Wasser, wenn es über die oberste Schicht gekommen ist, dann in die Tiefe abgeführt werden kann."

Hitzetage nehmen zu

Während es früher ein, zwei Hitzetage im Jahr gab, können es in Zukunft deutlich mehr sein, so die Prognosen von Klimaexperten. Im Hitzesommer 2018 gab es beispielsweise zwischen Elbe, Saale und Unstrut 23 solcher Tage mit 30 Grad und mehr.

Daher kommt den sogenannten Kaltluftschneisen - also grünen und unbebauten Flächen - künftig eine immer größere Bedeutung zu. Nicht nur für Millionenmetropolen, sondern auch für Mittelstädte wie Halle. Dort untersucht man seit 2014 in einem großangelegten Pilotprojekt das Stadtklima. Erste Ergebnisse will man dieses Jahr präsentieren.

"Es wird ein Modell entwickelt, wo wir uns dann auch erhoffen, für die Zukunft, für die nächsten 20, 30, 40 Jahre, Hinweise zu geben, wie die Klimaentwicklung sich in Halle gestalten wird und was von Stadtplanern und anderen Betrieben gemacht werden sollte, um das Klima erträglich zu belassen", erläutert die Potsdamer Meteorologin und Stadtklima-Expertin Ursel Behrens.

Klimaschutz startet im eigenen Vorgarten

Es müssen aber gar nicht immer gleich großangelegte Projekte sein. Denn jeder Einzelne könne bereits etwas für die Verbesserung des innerstädtischen Klimas tun, sagt Klaus Rheda, Staatssekretär im Magdeburger Umweltministerium:

"Natürlich kann jeder bei sich selbst anfangen. Und beim Eigenheim versuchen, nicht jeden Quadratmeter zu versiegeln, nicht jeden Gartenweg den man anlegt, zu pflastern. Das wär sicherlich schon mal ein ganz kleiner Schritt."

Nach den Angaben einer Studie des Berliner Instituts für Wirtschaftsforschung kostet der Klimawandel Deutschland in den nächsten Jahren bis zu 800 Milliarden Euro, davon entfallen allein auf das Braunkohleland Sachsen-Anhalt 30 Milliarden Euro. Bezogen auf die Wirtschaftskraft ist damit Sachsen-Anhalt, neben Rheinland-Pfalz und Thüringen, von den Kosten des Klimawandels bundesweit am stärksten betroffen.

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