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StartseiteTag für TagSoundtrack voll Hass16.12.2019

Safran-Pop in IndienSoundtrack voll Hass

Übergriffe auf Muslime nehmen in Indien zu. Hindunationalisten versuchen, das Land in eine rein hinduistische Nation zu verwandeln. Der sogenannte Safran-Pop spielt dabei eine wichtige Rolle: Die Stars der Szene erklären in ihren Musikvideos Muslime zu Feinden. Eine von ihnen ist Laxmy Dubey.

Von Silke Diettrich

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Auf dem Bild ist die indische Sängerin Laxmi Dubey zu sehen. Sie trägt ein traditionelles indisches Kleid.  (Silke Diettrich)
Safran-Pop-Stars wie Laxmi Dubey rufen in ihren Songs offen zu Gewalt gegen Muslime auf (Silke Diettrich)
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"Malt Blut auf eure Stirn und rüstet eure Gebete mit Gewehrkugeln!" Martialische Worte gepaart mit gewalttätigen Bildern: Im Video von Laxmy Dubey zieht ein Stoßtrupp von Hindus in den Krieg. Gegen die Ungläubigen, wie die 29-jährige Sängerin sagt. Mit einem leichten Lächeln im Gesicht erzählt sie:

"Hindustan gehörte, gehört und wird auch immer dem Gott Ram gehören. Wir verehren Ram und wir würden für ihn sterben. Wenn also jemand etwas gegen unseren Gott Ram sagt, ja, dann werden wir denjenigen die Zungen herausschneiden."

Tatsächlich hat es in letzter Zeit in Indien Übergriffe auf Muslime gegeben, die sich geweigert hatten, den Hindu-Gott Ram zu ehren.

Lang lebe der Gott Ram

"Jai Shri Ram!" das bedeutet, "Lang lebe der Gott Ram". Das ist fast zu einer Art Kriegsausruf geworden für die Hindunationalisten in Indien. Hindus zwingen Muslime vor laufender Handykamera, diesen Satz zu sagen. Weigern diese sich, bekommen sie eine Tracht Prügel. Solche Videos machen die Runde in Sozialen Netzwerken. Die Hindunationalisten werden dafür gefeiert.

Gerne werden dazu auch die Songs der Hindu-Pop-Interpreten als Melodie darunter gelegt, die das neue Genre Safran-Pop erfunden haben. Denn Safran ist die heilige Farbe der Hindus, aber eben auch der Hindunationalisten, zu denen sich auch die Regierungspartei BJP zählt. Schon mehrere Auftritte habe sie für die Partei machen dürfen, erzählt Laxmi Dubey stolz, sie sei selbstbewusster geworden, seitdem die Partei BJP in Indien an der Macht ist.

"Unser Land hat nun einen patriotischen Führer, Narendra Modi, unseren Premierminister. Wir sind also nun in sicheren Händen und schon bald wird unser Land auf der ganzen Welt als das angesehen, was es schon längst sein sollte: Als ein Land für Hindus."

Jahrzehntelang war Indien stolz darauf, eine säkulare Demokratie zu sein. In der indischen Verfassung steht, dass sämtliche Religionen die gleichen Rechte im Land haben. Muslime, mit 15 Prozent die größte religiöse Minderheit in Indien, sind, seitdem die Hindunationalisten an der Macht sind, immer mehr in der Schusslinie. Radikale Hindus haben in den letzten Jahren mehr als 40 Muslime zu Tode geprügelt, weil die Muslime angeblich Kühe geschlachtet hätten. Kühe sind für die Hindus sehr heilig. Kaum einer der Täter ist deswegen bislang verurteilt worden.

Kampf dem "Liebes-Dschihad"

"Wir sind überzeugte Hindus, wir werden die Geschichte unseres Landes neu schreiben. Wir werden in die Häuser unserer Feinde ziehen und mit ihren abgeschlachteten Köpfen dort wieder hinaus treten." Das sind die Liedzeilen von einem Song von Laxmi Dubey. In Indien ist für jeden klar, wer die Feinde sind. Auch wenn die Sängerin sie nicht direkt benennt:

"In unserem Land werden so viele unschuldige Hindu-Frauen zu anderen Religionen konvertiert. Ihr Leben ist dann ruiniert. Der Liebes-Dschihad ist bei uns sehr weit verbreitet."

Nachgewiesen ist das nicht, aber dieses Vorurteil, das ist auf jeden Fall unter radikalen Hindus weitverbreitet. Und es ist einer der Gründe, warum sich Laxmi Dubey dazu entschlossen hat, mit ihren Songs Hindus im Land zu mobilisieren.

"Wir müssen den Hinduismus beschützen. Früher waren wir Hindus nicht vereint. Also hatte ich das dringende Bedürfnis, meine Stimme der Hindutva zu leihen, für einen guten Zweck."

Laxmi Dubey ist eine der Stars der Hindutva-Pop-Musik, die in den letzten Jahren groß geworden ist. Hindtuva, dieses Wort beschreibt die Kultur und Lebensweise von devoten Hindus. Der Safran-Pop, eine Mischung aus traditionellen religiösen Gesängen mit Bollywood-Clips gemixt, bietet den aktuell kämpferischen Soundtrack dazu. Und fast immer sind Muslime das Feindbild in den Songs. Ein anderer Vertreter des Safran-Pop ist Sanjay Faizabadi. In seinem Video trägt er ein T-Shirt in Tarnfarben, schwarzes Kopftuch und drei Striche in Safranfarbe im Gesicht, wie eine Kriegsbemalung. Hinter ihm explodieren Panzer und Soldaten ziehen mit der indischen Flagge in den Kampf.

"Ich werde nach Pakistan kommen und mit euren Augen Murmeln spielen", singt der Popstar hier in einer Liedzeile. Pakistan ist seit Jahrzenten der Erzfeind von Indien, eine islamische Republik. Terroristen aus Pakistan haben schon zahlreiche Anschläge in Indien verübt. Deswegen hat es schon Kriege gegeben zwischen den beiden Ländern, was aber in den letzten Jahrzehnten nicht an der Demokratie in Indien gerüttelt hatte.

Diese Zeiten seien nun vorbei, sagte die Sängerin Laxmi Dubey. Sie wolle nun Fußsoldaten rekrutieren, um aus Indien eine Nation für Hindus zu machen.

"Das Wichtigste ist für uns nun, den Hinduismus in Hindustan voranzutreiben. Endlich brechen in unserem Land neue Zeiten an."

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