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StartseiteSport AktuellFußball bleibt Staatsziel04.03.2019

Saisonauftakt in ChinaFußball bleibt Staatsziel

Die chinesische Super League ist in die neue Fußballsaison gestartet: Es gibt wieder prominente Neuzugänge wie Marek Hamsik vom SSC Neapel, Marouane Fellaini von Manchester United oder Sandro Wagner vom FC Bayern München. Die Gehälter bleiben gigantisch, auch weil das Reich der Mitte eine große Fußballnation werden will.

Von Axel Dorloff

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Münchens Sandro Wagner bei einem Spiel gegen Mönchengladbach. (picture alliance / dpa / Marius Becker)
Sandro Wagner spielt jetzt in China. (picture alliance / dpa / Marius Becker)

Unsere Stadt ist Shanghai – unsere Farbe ist Rot. Shanghai SIPG geht als amtierender Meister in die Saison 2019. Nach acht Jahren gibt es in der Chinesischen Super League einen neuen Titelverteidiger. Gut für Fans und Zuschauer, sagt der Pekinger Fußball-Moderator Yan Qiang: "Die Ausgangslage ist geradezu aufregend für chinesische Verhältnisse. Shanghai bleibt stark, vielleicht nicht ganz so stark wie die abgelaufene Saison, weil sie ihren Stürmer Wu Lei verloren haben."

Da ging’s nämlich mal anders herum: Chinas Torschützenkönig 2018 und der wohl derzeit beste chinesische Spieler, Wu Lei, ist zu Espanyol Barcelona gewechselt. Eher selten, dass es chinesische Spieler in die spanische primera division La Liga schaffen. Aber: es gibt auch diese Saison wieder prominente, internationale Neueinkäufe der chinesischen Klubs, sagt Yan Qiang: "Klubs wie Dalian haben internationale Spieler von höchstem Niveau verpflichtet. Hamsik, der Kapitän der slowakischen Nationalmannschaft, der über 10 Jahre beim SCC Neapel in Italien gespielt hat. Sein Gehalt liegt bei rund 9,6 Millionen Euro jährlich. Das ist immer noch sehr hoch, die Ausgaben sind also weiterhin da."

Umsatz bestimmt jetzt Investitionen der Clubs 

Auch wenn die ganz große Shopping-Tour – wie schon im Vorjahr – ausgeblieben ist. Unter anderem wegen neuer Financial Fairplay Regeln. Danach sollen chinesische Klubs nur noch abhängig vom Umsatz investieren. Aber auch um Spieler wie Ex-Nationalspieler Sandro Wagner vom FC Bayern München nach China zu locken, muss das Geld fließen, sagt Fußball-Experte Yan. Sonst kommt nämlich keiner: "Das ist ganz normal für eine Fußballnation wie China und eine Entwicklungs-Liga wie der Chinese Super League. Du musst einfach mehr Geld ausgeben, um für ausländische  Spieler und Trainer das auszugleichen, was Du ihnen an Qualität in der Liga hier nicht bieten kannst." Und deshalb verdienen auch Spieler wie Sandro Wagner, zuletzt kaum noch im Kader vom FC Bayern, astronomische Gehälter. Nachhaltig sei das nicht. "Aus einer rein ökonomischen Sicht würde ich mir Sorgen machen: wie kommt das Investment wieder rein? Das geht gar nicht, es ist unmöglich. In der ganzen Sport-Industrie gibt es drei wesentliche Einnahme-Quellen: die Medienrechte, die Erlöse aus Heimspielen und Ticketverkäufen und den ganzen Bereich Marketing, Werbeverträge, Copyright. Aber damit bekommst Du solche Investitionen nicht zurück. Kein einziger Verein in der Chinesischen Super League schreibt schwarze Zahlen."

Gigantische Staatsunternehmen fungieren als Geldgeber

Das funktioniert, so lange es die Geldgeber dafür gibt. In China nicht selten gigantische Staatsunternehmen. In Shanghai das staatliche Hafen-Betreiber-Unternehmen SIPG. Shandong Luneng, der Ex-Club von Felix Magath, gehört dem staatlichen Energie-Riesen State Grid, dem größten Versorgungs-Unternehmen der Welt. Hauptstadt-Klub Peking Guoan gehört einem staatlichen Immobilien- und Investment-Unternehmen. Peking Guoan mit dem deutschen Trainer Roger Schmid geht als amtierender Pokalsieger in die Saison. Das Team hat die neue Saison eröffnet, mit einem 1:0 Auswärtssieg gegen Wuhan. Guoan gehört nach Meinung vieler Experten zu den Favoriten auf die Meisterschaft.

2050 soll Nationalmannschaft zur Weltspitze gehören   

Aber auch weil China große Pläne mit der Nationalmannschaft hat, gibt es strenge Regeln: nur drei ausländische Spieler dürfen gleichzeitig spielen. Dazu müssen chinesische U23-Spieler im Kader stehen. Heimische Talente sollen so gefördert werden. Mit Blick auf die Nationalmannschaft bleibt der Erfolg aber bislang übersichtlich, sagt Fußball-Experte Yan. "Ich sehe keine neue Entwicklung, allenfalls Stabilität. Wenn man bedenkt, dass das viele aus der chinesischen Nationalmannschaft um die 30 sind und wir kürzlich das älteste Team beim Asien-Cup hatten, dann sind die Aussichten doch eher dürftig. Das bleibt in China eine große Kontroverse."

China soll nämlich eigentlich zu einer großen Fußballnation werden, so wünscht es sich Staats- und Parteichef Xi Jinping. Die Pläne sind ehrgeizig. Vor vier Jahren wurde ein landesweites Fußballprogramm verordnet. China investiert massiv in Fußballschulen, Trainerausbildung und eine bessere Infrastruktur. Alles mit dem Ziel, spätestens 2050 zur Weltspitze zu gehören.

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