Musikjournal 09.12.2019

Sanierung von Opernhäusern "Es ist eine hochkomplexe Bauaufgabe"Stephan Schulmeistrat im Gespräch mit Susann El Kassar

Beitrag hören Das Foyer der Kölner Oper während der Sanierungsarbeiten im August 2017. (Dlf / Moritz Küpper)Ein Fass ohne Boden - die Kosten für die Sanierung der Kölner Oper explodieren (Dlf / Moritz Küpper)

83 öffentlich finanzierte Opernhäuser gibt es in Deutschland - viele sind sanierungsbedürftig. Brandschutzauflagen und energetische Vorgaben treiben die Kosten in die Höhe, sagte der Leiter des Musikinformationszentrums, Stephan Schulmeistrat, im Dlf. Dennoch hätten die Altbauten ihre Berechtigung.

Die Bühnen Köln sind aktuell wohl das größte Desaster einer Sanierung. Die Kosten sind explodiert, von 253 Millionen auf jetzt 554 Millionen Euro, inklusive Zinsen 841 Mio Euro.(*)  Verantwortung für das Scheitern dieses Großprojekts übernimmt in der Kölner Stadtverwaltung allerdings niemand. 

Aus Fehlern gelernt

Die Kölner Bühnen sind kein Einzelfall unter den insgesamt 83 öffentlich finanzierten Musiktheaterhäusern. Auch die Frankfurter Bühnen und die Staatsoper Stuttgart müssen dringend saniert werden. Hier hat man anscheinend aus den Kölner Fehlern gelernt und schätzt die Kosten auf über 800 Millionen Euro beziehungsweise fast eine Milliarde Euro. Was macht die Sanierung von Opernhäusern so teuer? Wieso verheben sich Stadtverwaltungen so sehr an diesen Großprojekten? Und warum stehen diese Sanierungen genau jetzt an? Das Deutsche Musikinformationszentrum hat jetzt einen Schwerpunkt zu diesem Thema zusammengetragen. 

Stephan Schulmeistrat, Leiter des Zentrums, sagte im Dlf, dass vor allem Technik, Brandschutzauflagen und energetische Vorgaben die Kosten in die Höhe treiben. Ein weiterer Grund sei auch die Bausubstanz. Ganz schnell gelange man deshalb zu der Frage: Saniert man oder baut man neu? Die meist nach dem Zweiten Weltkrieg erbauten oder reparierten Spielstätten hätten jedoch ihre Berechtigung. "Sie haben eine Bedeutung und diese muss ihnen auch zugemessen werden", meint Schulmeistrat.

Aus neuen Erfahrungen lernen

Weitere Kosten verursachten auch Interimsspielstätten, die während der Sanierungsphase angemietet werden müssen. Andererseits zeige das Beispiel Köln auch, wie viel Kreativität durch die Interimsspielstätten freigesetzt werden könne. Im Staatenhaus in Köln gebe es keine architektonischen Vorgaben - was sich direkt auf die Produktionen und die Zuschauersituationen auswirke. "Da ist die Architektur auch gefordert, für die Sanierungskonzepte kluge Lösungen vorzuschlagen, wie man diese Erfahrungen einbeziehen kann in die Architektur."

Gute Beispiele gebe es für diese Konzepte bereits im Ausland, sagt der Leiter des Musikinformationszentrums. "Wir haben spektakuläre Bauten in der letzten Zeit erleben dürfen", unter anderem in Oslo oder in Linz. "Das sind lebendige Orte, die sich auch tagsüber öffnen und nicht nur für exklusive Abendveranstaltungen zur Verfügung stehen." 

(*) In der früheren Version gab es falsche Angaben zum Verlauf der Bauarbeiten, das haben wir korrigiert.

Mehr zum Thema

Empfehlungen