Samstag, 24. September 2022

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SAP - ein Phänomen in der deutschen Softwarebranche

Seit ihrer Gründung vor 25 Jahren hat die deutsche Softwareschmiede SAP eine hierzulande einzigartige Erfolgsgeschichte hinter sich. Große Unternehmen wie Bosch, Siemens oder die Bahn AG setzen auf die Standardsoftware aus Walldorf, den größten Teil ihres Umsatzes erzielt SAP in den USA. Dort lagen auch die Ursprünge des heutigen Branchenriesen.

Peter Welchering, Hasso Plattner, Dietmar Hopp | 03.01.1998

    Ende der 60er Jahre entwickelten zwei junge Systemingenieure in der deutschen Niederlassung von IBM ein Auftragsbearbeitungssystem, als ihr Arbeitgeber das Projekt wegen eines kartellrechtlichen Streits mit dem US-Justizministerium kippte. Aufgeben wollten die beiden IBM-Ingenieure Hasso Plattner und Dietmar Hopp ihre Arbeit jedoch nicht. Plattner erinnert sich: "Die gerade aufkommende Bildschirmtechnik erlaubte uns zum ersten Mal in der noch jungen Datenverarbeitung, Sachbearbeiter direkt mit den inzwischen auf Magnetplatten gespeicherten Daten eines Unternehmens zu verbinden. Würden alle Geschäftsvorgänge in einer Art Dialog mit dem Computer direkt und möglichst vollständig durchgeführt und stünden alle neuen Informationen sofort allen anderen Mitarbeitern zur Verfügung, dann dachten wir, völlig neue Formen der Integration von Geschäftsprozessen ermöglichen zu können." Hopp und Plattner überzeugten ihre Kollegen Hans-Werner Hector, Klaus Tschira und Claus Wellenreuther, sich selbständig zu machen. Am 1. April 1972 gründeten sie das Mannheimer Ingenieurbüro "Systemanalyse und Programmentwicklung".

    Man konzentrierte sich auf betriebswirtschaftliche Standardsoftware für IBM-Großrechner, betrieb parallel aber die Entwicklung eines Buchhaltungssystems. Verschiedene Module sollten aus der Finanzbuchhaltung eine unternehmensweite Software machen, die Geschäftsvorgänge in Echtzeit, in "Realtime", verarbeitete. Aus dem Projekt "System Realtime" wurde schließlich R/1, das zunächst nur Großfirmen nutzen konnten, die über die entsprechende Computerkapazität verfügten. Hopp: "Wir sehen heute die Jahre 72 bis 77 als Aufbauphase an, in der wir Markterfahrung in Deutschland, der Schweiz und Österreich sammelten. 1978 haben wir mit dieser Erfahrung die Entwicklung der nächsten Softwaregeneration gestartet." Die hieß R/2, aus dem Entwicklerbüro war inzwischen eine GmbH mit 61 Mitarbeitern geworden, die in Walldorf Büroräume gefunden hatte. Die Zeichen standen auf Expansion. Das Realtime-System hatte durch Zusatzprojekte viele Funktionen dazubekommen und wurde langsam unübersichtlich. Mit R/2 wurde die Komplexität in eine transparente Struktur gebracht.

    Trotz des gelungenen Wurfes wünschten sich viele Kunden ein kleineres System. SAP reagierte mit R/3, doch die Entwicklung sollte schwierig werden. Plattner: "R/3 war ein System geplant für den Mittelstand. Ein Jahr vor dem endgültigen Liefertermin stellten wir entsetzt fest, daß die Performance auf unserem Großrechner völlig unzureichend waren. Sechs Wochen vor der geplanten Präsentation auf der Cebit 96 war das Projekt so gut wie gescheitert. In der folgenden Krisensitzung stoppten wir die Entwicklung für die Mainframe-Systeme und sahen unsere letzte Chance in den neuen, hochperformanten Unix-Workstations." Damit wurde die Präsentation auf der Cebit schließlich ein großer Erfolg.