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StartseiteCorsoLibellen aus Papier fürs Schaufenster05.01.2015

Sarah IllenbergerLibellen aus Papier fürs Schaufenster

Die Illustratorin Sarah Illenberger hat Grafik Design studiert und produziert vor allem handwerkliche Grafik 3D-Illustrationen. Derzeit arbeitet sie an einer Schaufensterdekoration für einen französischen Hersteller von Luxusartikeln. Dafür baut sie Naturwelten nach - mit viel Papier.

Von Katja Bigalke

Sarah Illenberger (Yves Sucksdorff)
Hatte schon als Kind Begeisterung für das Basteln: Illustratorin Sarah Illenberger (Yves Sucksdorff)

Treffpunkt: Berlin Kreuzberg vor "Modulor" - einem Bastelparadies für Könner. Sarah Illenberger, 38, in Jeans, Wolljacke und mit Jagdhütchen auf dem Kopf ist spät dran. Sie steckt mitten drin in einer großen Schaufenster Produktion für Hermès und muss gerade jetzt, in der Endphase der Arbeit, immer wieder in diesen Laden.

"Das Konzept der Schaufenster ist Kuriositätenkabinett und da baue ich Naturwelten nach und für jedes Teil benutze ich eine andere Technik. Ich habe jetzt eine Liste von Materialien, die ich verwenden kann."

Sarah Illenberger bewegt sich durch die 3.000 Quadratmeter voller Bastelzubehör wie eine Schlafwandlerin. Sie weiß genau in welchem Regal, welches Papier, mit dieser oder jener Struktur und in diesen oder jenen Farben zu finden ist.

"Hier so eines meiner Lieblingspapiere, das hat so eine schöne glatte Oberfläche und glatte Farben. Blau, schon ausverkauft - wahrscheinlich von mir - das braucht ich für Insektenflügel für Libellen. Jetzt muss ich warten, bis die Waren wieder kommen. Ich mache viele Libellen - einige - ich muss 500.450 Papierobjekte bauen von Korallen bis Muscheln, Insekten Schildkröten dann auch größere Tiere, Schlangen, Flamingos. Wie, wenn man damals in so eine Wunderkammer gegangen ist."

"Ich liebe es sehr, eine Übersetzung zu finden"

Und schon ist man drin in der Welt der Sarah Illenberger, in der aus Push-up-BHs Kronleuchter werden, aus Luftballons Kakteen, in der für Erdnüsse überdimensionale Erdnussschalen aus Porzellan geformt, und in Windeseile aus Stöcken, Blättern, Beeren und Tannenzapfen ein reizendes Mobile für die Tochter zusammengebunden wird. Für Hermès hat sie sich Sarah Illenberger aber nur für ein Material entschieden: Papier.

"Meine Beziehung zu Papier fing damit an, dass mich ein kanadisches Flugmagazin gefragt hat, eine Kolumne zu illustrieren, und da ging es um die Perfektion beim Kochen. Und da wurde so ein Cilli-con-Carne-Rezept dargestellt. Und habe dann jede einzelne Zutat einfach nachgebaut so ganz perfekte Kegel, das Hackfleisch durch Aktenvernichter gedreht, dann bekam das Papier die gleiche grisselige Struktur. Ich liebe es sehr, eine Übersetzung zu finden."

Begeisterung für das Basteln

Sarah Illenberger, die in München als Tochter eines Gastronomen und einer Schmuckdesignerin aufwuchs, erklärt sich ihre Begeisterung für das Basteln unter anderem damit, dass sie ohne Geschwister aufwuchs. Ihre Fantasie-Welten musste sie sich oft alleine erschaffen. Aber auch die Nähe zur Küche des Vaters muss eine Rolle gespielt haben, sagt sie. Obst und Gemüse, aber auch Haushaltswaren sind eine wichtige Inspirationsquelle für ihre Arbeit.

"Favoriten sind Haushaltswarenläden in Italien, die haben so tolle Einzelteile. Super Schrauben und Muttern, Schablonen für Schriften - da kann man sich total für begeistern. In unserem Haus in der Toskana - da war ich viel auf den Märkten unterwegs und hab dann begonnen zu jedem Lebensmittel, zu jeder Frucht mir eine Geschichte auszudenken, da fing das an mit der Melone, bei der die Kerne wie Regen runterprasselten, dann die rote Beete, die ich zur roten Rubine geschnitten hatte oder der Granatapfel, der zur Handgranate wurde."

Illenbergers Form von Grafik Design: 3D-Illustration

In ihrem Atelier im Berliner Wedding, zwischen Bauschlossereien und Metall-Werkstätten, lagert Sarah Illenberger in Schubladen und Kisten all das, was von ihren Arbeiten übrig bleibt. Seile und Fäden, Glühbirnen, Antikes, Spielsachen, Kristalle, Weltkugeln, Steine, Knöpfe, Strandmatten. Die Grafik-Designerin, die ihr Handwerk am Saint Martins College in London lernte, hat für ihr Fach eine ganz eigene Form gefunden: die 3D-Illustration. Sie baut Balkendiagramme aus abgebrannten Kerzen, arrangiert menschliche Organe aus Wolle, oder veranschaulicht die Kalorien unterschiedlicher Lebensmittel, indem sie als Kugeln eines Rechenschiebers inszeniert. Abfotografiert haben diese Arbeiten längst ihren festen Platz in Zeitschriften wie dem "SZ"- oder "Zeitmagazin", "Wallpaper" oder auch der "New York Times". Klassisch kann man Sarah Illenbergers Illustrationen trotzdem nicht nennen.

"Es befindet sich zwischen den Disziplinen, Illustration ist zu stark für eine Übersetzung benutzt worden, weil im Grunde heißt es ja eigentlich nichts anderes, als etwas zu illuminieren."

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