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StartseiteCorsoSass: Im Osten war das Lied ein ganz starkes Gefühl von Freiheit17.09.2013

Sass: Im Osten war das Lied ein ganz starkes Gefühl von Freiheit

Schauspielerin Katrin Sass und ihr Klassiker "Über den Wolken" von Reinhard Mey

Katrin Sass wurde 1956 in Schwerin geboren, ist Schauspielerin und inzwischen auch Sängerin. 1993 bis 1998 spielte sie die im Polizeiruf 110 Kommissarin Tanja Vogt. Seit dem 19. Lebensjahr war sie alkoholabhängig, seit 1998 trocken und 2001 outete sie sich in der Öffentlichkeit damit. Ihr Comeback auf der Kinoleinwand feierte sie 2003 mit "!Good bye, Lenin!" 2003. Aktuell spielt sie auch in der 2. Staffel von Weißensee eine der Hauptrollen - eine alkoholkranke DDR-Künstlerin.

Von Hartwig Tegeler

Die Schauspielerin Katrin Sass spielt in der ARD-Serie Weißensee einer der Hauptrollen. (picture alliance / dpa / Heinz Unger)
Die Schauspielerin Katrin Sass spielt in der ARD-Serie Weißensee einer der Hauptrollen. (picture alliance / dpa / Heinz Unger)
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Die Schauspielerin Katrin Sass
DDR-Geschichte in Serie

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Weissensee - ARD-Seite zur Serie

Katrin Sass singt:
"Wind Nord/Ost, Startbahn null-drei, bis hier hör' ich die Motoren. Wie ein Pfeil zieht sie vorbei. Und es dröhnt in meinen Ohren. Und der nasse Asphalt bebt. Wie ein Schleier staubt der Regen. Bis sie abhebt und sie schwebt. Der Sonne entgegen."

Ausschnitt aus "Über den Wolken" von Reinhard Mey:
"Über den Wolken ..."

Katrin Sass:
"Mein Name ist Katrin Sass. Ich bin Schauspielerin. Und mein Klassiker ist "Über den Wolken" von Reinhard Mey."

Ausschnitt aus "Über den Wolken" von Reinhard Mey:
"Muss die Freiheit wohl grenzenlos sein. Alle Ängste, alle Sorgen, sagt man ..."

Katrin Sass:
"Klassiker sage ich einfach dazu, weil das mich schon über Jahrzehnte begleitet. Ich konnte es ja auch im Osten hören. Und im Osten war es ein ganz starkes Gefühl von Freiheit. Also, ich bin sowieso selten geflogen. Also, im Osten. Wohin auch? Einmal, glaube ich, 1988 nach Russland. Es war ein Höllenflug. Ich wusste nüscht von Propellermaschinen. Und das war wirklich die Hölle. Es war Wahnsinn. Ich habe wirklich gedacht, diesen Flug überlebe ich nicht. Ich weiß nicht, einmal geflogen nach Ungarn, glaube ich. Mit irgendwelchen Freunden, das habe ich dann auch gelassen, weil am Plattensee sich wirklich ganz Ostdeutschland getroffen hat, sagte ich, nee, geht nicht, Massen gehen bei mir überhaupt nicht, kriege da sofort Depressionen. Also habe ich das gelassen.

Das war überhaupt kein schönes Gefühl.

Das kriegte ich dann später. Also, wenn Reinhard Mey dieses Lied sang, das gab´s ja nicht in unseren Sendern. Das habe ich dann im Deutschlandradio oder so gehört, ich hatte dann immer ein Gefühl von Freiheit, egal, wo man landet, es ist immer die Freiheit. Also, wegzufliegen. Ganz instinktiv. Im Solarplexus sozusagen kribbelte es immer.
Ich hatte das auch immer oft bei Schiffen, wenn ich in Rostock saß und wusste, darüber geht es dann nach Schweden. Aber dieses Fliegen ist noch einmal was anderes. Man steigt da ein, und diese schwere Maschine hebt ab. Ich frage mich heute noch, wie das geht. Und man landet vier Stunden später völlig woanders. War eben noch zu Hause und ist in einer anderen Welt."


Ausschnitt aus "Über den Wolken" von Reinhard Mey:
"Bis die Lichter nach und nach, ganz im Regengrau verschwimmen"

Katrin Sass:
"Und ich habe das jetzt mit ihm gesungen. Wir waren in einer Talkshow zusammen, dann sollte er singen, hat ja eine neue CD gemacht, den Titel von seiner neuen CD. Und irgendwie kam er nicht gleich klar. Und da hat der Moderator mich an die Hand genommen: Singen Sie doch erst mal was Anderes mit ihm. Da habe ich gesagt - bin auf die Bühne -: "Über den Wolken." Mmh, das mach ich ja mit links. Und dann haben wir beide. Und es war so schön!

Ich fahre ab auf so was. Darauf wurde ich auf der Schauspielschule ja auch fast verprügelt früher. Bin aufgestanden, und wir hatten dann so einen Wohnblock, wo so diese Heizungs-rohre durch alle Wohnungen gingen. Unter uns waren die Jungs zweites Studienjahr. Und ich stand auf und trällerte einen Schlager. 'Die Sass is' wach!' Das war grauen-voll. Ja, und es hat heute noch genau diese Bedeutung. Nur begreife ich es an-ders."

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