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StartseiteUmwelt und VerbraucherSchädlingsbekämpfung im Wald09.05.2005

Schädlingsbekämpfung im Wald

Mit dem Hubschrauber und Chemie

Schon im vergangenen Winter zeichnete sich deutlich ab, dass Schädlinge wie Borkenkäfern, Kiefernspinnern oder Nonnen sich enorm vermehrt haben. Für die Bäume, die immer noch unter den Auswirkungen des so genannten Jahrhundertsommers leiden, keine guten Aussichten. Deshalb startet in diesen Tagen bundesweit die Bekämpfung der Forstschädlinge, so auch im Bundesland Sachsen-Anhalt.

Von Annette Schneider-Solis

Ein Borkenkäfer mit der Bezeichnung Buchbinder arbeitet sich am Schauinsland bei Freiburg durch die Rinde einer Fichte (AP)
Ein Borkenkäfer mit der Bezeichnung Buchbinder arbeitet sich am Schauinsland bei Freiburg durch die Rinde einer Fichte (AP)

Zwei gelbe Hubschrauber heben im Wechsel von einer Lichtung in der Colbitz-Letzlinger Heide ab. In ihren Tanks befinden sich 600 Liter Gift. Tödlich für Kiefernspinner und Nonne, die sich so stark vermehrt haben, dass den Förstern keine andere Wahl bleibt. Im Winter wurden Boden und Borke der Kiefern nach Eiern und Larven abgesucht, und schon da war klar: Auch in diesem Jahr muss bekämpft werden, erinnert Forstamtsleiter Gerhard Henke:

"Wir haben ja zum Teil schon aus dem Jahr 2004 Fraßschäden, so dass die Kiefern zum Teil schon vorgeschädigt sind. Und danach werden kritische Grenzen festgelegt, individuell für jeden Bestand, und wir haben hier Belegsdichten, die zum Teil mehr als das Hundertfache der Raupen beinhalten, die für einen Kahlfraß erforderlich wären."

Der Einsatz der chemischen Keule ist das letzte Mittel. Sachsen-Anhalt hat sich freiwillig der Öko-Zertifizierung unterworfen. Nur wenn der Wald in seiner Existenz gefährdet ist, dürfen Insektizide angewendet werden. Kahlgefressene Kiefern im Waldesinneren zeigen, dass das der Fall ist. Schon im letzten Jahr mussten Sachsen-Anhalts Kieferwälder eine Giftdusche erdulden. Damals noch auf 1.600 Hektar, in diesem Jahr auf fast 19.000 Hektar. Es ist eine der größten Aktionen der letzten 15 Jahre, weiß Schädlingsexperte Hans-Günther Kontzog:

"Solche Massenvermehrungen entstehen immer an Ort und Stelle, das sind geeignete Orte für solche Schädlinge, und die sind immer in geringer Menge da. Man spricht da vom eisernen Bestand. Und wenn die Entwicklungsbedingungen gut sind, wenn es sonnig ist, wenn es warm ist, wenn es trocken ist, dann kommt es zu solchen Massenvermehrungen. Auf den Flächen, auf denen wir im letzten Jahr eine Bekämpfung durchgeführt haben, dort ist der Befall zum Erliegen gekommen, die Wälder sind gerettet, doch der Befall hat sich halt ausgeweitet, und wir müssen reagieren. "

Die Bekämpfungsaktion wurde gut vorbereitet, in den letzten Tagen wurde genau festgelegt, wo der Hubschrauber fliegen muss. Landesweit, sagt Hans-Günther Kontzog. Dabei muss genau der richtige Zeitpunkt abgepasst werden. Wie der ermittelt wird, erklärt Gerhard Henke:

"Für den Schlupfzeitpunkt wurden an den Kiefern Leimringe angelegt, auf denen die aufbaumenden Raupen, so sagt der Forstmann, gefangen werden, und wir haben auch so genannte Schlupfpyramiden gebaut, wo die Kiefern auf Brusthöhe abgesägt werden, und wenn dann die Eiräupchen, die unter der Kiefernborke überwintert haben, wenn die dann nach oben klettern, bleiben die dann auf den frischen Harzflächen kleben. Außerdem haben wir in der letzten Woche noch Kiefern probegefällt und haben dann die Raupen ausgezählt."

Auf der Lichtung an der Colbitz-Letzlinger Heide gibt es einen Hydranten, anderswo sorgen Tankwagen für Nachschub, damit das Gift in der richtigen Konzentration angemischt und per Schlauch in den Hubschrauber gepumpt werden kann. Die Wälder bleiben am Tag der Bekämpfung gesperrt, obwohl das Gift für den Menschen nicht schädlich ist, erklärt Hans-Günther Kontzog:

"Das Mittel ist in den Konzentrationen auch unschädlich, was Pilze und Beeren betrifft, wir haben trotzdem einen Sicherheitspuffer von sechs Wochen angeregt. Also, man sollte jetzt in den nächsten sechs Wochen keine Pilze sammeln, aber es ist eh keine Saison."

Auch Vögeln und Vierbeinern kann das Gift nichts anhaben. Die Raupen der Spinner und Nonnen aber fallen, kaum dass der tödliche Regen sie getroffen hat, vom Baum. An einigen Stellen haben die Förster Tücher ausgebreitet, um den Erfolg zu kontrollieren. Die Forstleute sind zufrieden. Nun muss das Wetter mitspielen, damit die vier Hubschrauber ihre Arbeit innerhalb von 10 Tagen schaffen können.

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