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StartseiteSport am Wochenende"Es darf nicht den ersten toten Schiedsrichter geben"26.10.2019

Schiedsrichter-Streik in Berlin"Es darf nicht den ersten toten Schiedsrichter geben"

Die Fußballplätze der Hauptstadt bleiben an diesem Wochenende leer, denn die Berliner Amateurschiedsrichter streiken. "Wir wollen auf die Gewalt auf Fußballplätzen aufmerksam machen", sagte Schiedsrichtersprecher Ralf Kisting im Dlf. Es müsse dringend etwas getan werden.

Ralf Kisting im Gespräch mit Marina Schweizer

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Ein Schiedsrichter zeigt eine rote Karte (dpa-Bildfunk / Patrick Seeger)
Nicht nur Berliner Schiedsrichter fordern: Es muss sich etwas ändern auf Deutschlands Fußballplätzen. (dpa-Bildfunk / Patrick Seeger)
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In der laufenden Saison seien bereits 109 Vorfälle von Gewalt und Diskriminierung auf den Berliner Fußballplätzen zu verzeichnen, berichtet der Schiedsrichter-Ausschuss des Berliner Fußballverbandes. In 53 Fällen seien die Schiedsrichter als Opfer gezählt worden. Man habe schon im Frühjahr auf Nachwuchsprobleme aufgrund der anhaltenden Gewalt hingewiesen, so Mit-Initiator Ralf Kisting im Dlf, "wir haben damit jedoch bei Funktionären und Verbänden nicht nicht das Gehör gefunden, dass wir uns erhofft haben." Daher nun der Streik - um ein deutliches Zeichen zu setzen, dass es so nicht weitergehen könne.

Die Gewalt sei nicht nur verbal. Kisting berichtete im Dlf etwa von einem Spiel in der Berliner Kreisliga B, bei dem Spieler einer Mannschaft den Schiedsrichter sowie Spieler der gegnerischer Mannschaft attackiert hätten, so dass der Schiedsrichter das Spiel abbrechen musste. Daraufhin sei er von einigen Spielern verfolgt worden und habe sich in der Kabine des Platzwarts in Sicherheit bringen müssen. Auch ein Spieler des Berlin-Ligisten Al Dersimspor hatte versucht, einen Schiedsrichter körperlich anzugreifen.

Fehlende Akzeptanz des Gegners und des Schiedsrichters

"Es darf nicht den ersten toten Schiedsrichter in Deutschland geben" bevor sich etwas ändere, warnte Kisting. Von Kollegen aus anderen Verbänden wisse er, dass Gewalt gegen Schiedsrichter ein bundesweites Problem sei - jedenfalls im Fußball. Auch im Saarland gab es bereits einen Streik von Fußball-Schiedsrichtern. 

Kisting führt diese Gewalt auf Veränderungen in der Gesellschaft zurück, auf fehlende Akzeptanz des Gegners und des Schiedsrichters. Er und seine Schiedsrichter-Kollegen schlagen eine Reihe von Maßnahmen vor, um die Situation zu verbessern. So soll unter anderem der Heimverein künftig bei Spielen zwei Ordner stellen, so dass der Schiedsichter nicht auf sich allein gesellt ist und die Mannschaften sollen Regelkunde-Kurse durchführen - in der Hoffnung, dass dadurch das Verständnis für Schiedsrichterentscheidungen wächst.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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